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Ein großer Empfang schon, ein roter Teppich nicht, das wird der französische Präsident Nicolas Sarkozy in Hannover vorfinden, wenn er die CeBIT 2008 (4. bis 9. März) an ihrem Eröffnungstag besucht. Für ihn ein Spaß und Pflicht zugleich. Spaß, weil er hofft, viel Interessantes auf der weltgrößten Messe für Computer- und Informationstechnik zu erfahren, Themen rund um die Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK) hätten ihn schon immer interessiert. Die Pflicht basiert auf der Tatsache, dass Frankreich das diesjährige Messe-Partnerland ist, vertreten durch 150 Aussteller. Begleitet wird der französische Gast von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Wirtschaftsministern beider Nationen, Michael Glos und Christine Lagarde.

Nach dem Messebesuch findet ein deutsch-französischer Technik-Gipfel mit rund 500 Teilnehmern statt. “Er dient dem Gespräch zwischen Wirtschaft und Politik über die Hightech-Strategie in Europa”, verrät Ulrich Dietz, Präsidiumsmitglied beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in Berlin. Die Entscheidung für Frankreich kommt nicht von ungefähr, der französische IT-Markt ist der drittgrößte in Europa, in diesem Jahr wird ein Wachstum von 3,4 Prozent erwartet. Verbandsmanager Dietz rechnet mit einem diesjährigen Hardware-Export deutscher Unternehmen ins Nachbarland in Höhe von 4,7 Milliarden Euro.

Laut Ernst Raue, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe Hannover, zeigt die CeBIT 2008 recht deutlich, dass die IT ein nicht mehr wegzudenkender Faktor bei der Realisierung von geschäftlichen Innovationen ist. “Ihre neue Aufgabe besteht darin, die Innovation von Produkten, Betriebsabläufen und Geschäftsmodellen zu ermöglichen, um die Differenzierung des Unternehmens zu fördern.” Die Zeit, in der die IT-Abteilung nur als Kostenstelle oder Erfüllungsgehilfe statt als aktiver Berater oder gar Wachstumshebel gilt, läuft somit aus. Auch dank der IT-Verantwortlichen, CIOs auf neudeutsch genannt, die alle Unternehmensziele genau kennen und eng mit allen Fachabteilungen zusammenarbeiten.

Ein Managementfeld, das diese neue, unternehmensweite IT-Einstellung mit prägt, lautet: Governance. Darunter ist eine Unternehmensführung zu verstehen, die anhand von Vorgaben, Organisationsstrukturen und Prozessen sicherstellt, dass die IT die Unternehmensstrategie und -ziele unterstützt. Die Deutsche Messe ist dieser Entwicklung gefolgt, im Vorfeld der diesjährigen CeBIT wurden über Werbemaßnahmen so viele Führungskräfte aus allen Unternehmensbereichen angesprochen wie noch nie. Somit rechnet Messemanager Raue im März mit deutlich mehr Entscheidern unter den Messebesuchern, besonders aus KMU.

Für Peter Burghardt, Geschäftsführer der Kassler Tech Consult, ist dies nicht verwunderlich, schließlich werde der deutsche IT-Markt 2008 insgesamt um mehr als vier Prozent zulegen. Kleine und mittelständische Unternehmen werden dabei 60 Prozent aller IT-Ausgaben und -Investitionen erbringen. Eine Studie des Marktforschungsinstituts IDC, hiesiger Sitz in Frankfurt, kommt zu dem Ergebnis, dass knapp ein Fünftel dieser Firmen in diesem Jahr besonders stark investieren wollen, sie gar rund 30 Prozent aller KMU-IT-Investitionen bestreiten werden. Zurückzuführen ist dies auf einen großen Nachholbedarf, auf Intensivierungen von Geschäftstätigkeiten und auf neue gesetzliche Rahmenbedingungen, beispielsweise die Änderung der Abschreibungsmöglichkeiten und die Reform der Unternehmensbesteuerung. Die Effizienzsteigerung der Geschäftstätigkeiten von KMU wird laut Cisco Systems oftmals auch von außen gefordert. So verlangten zum Beispiel etliche Handelsketten, dass ihre Zulieferer bestimmte effizienzsteigernde Verfahren nutzen. Wer sich dagegen sperrt, hat bei der Auftragsvergabe das Nachsehen.

Zu den kleinen und mittelständischen Unternehmen, die 2008 überdurchschnittlich viel Geld für IT ausgeben wollen, gehören vor allem Handelsfirmen, berichten die Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC). Im Handel stehe an: engere Verbindung verschiedener Systeme, stärkere Automatisierung von Prozessen sowie eine bessere Verknüpfung von Filialen mit der zentralen IT-Infrastruktur, so Lynn Thorenz, Retail-Expertin bei PAC. Dabei besonders gefragt sind Gesamtlösungen, etwa von SAP oder IBM, und Spezialkonzepte wie Warenwirtschaftssysteme, von zum Beispiel Maxess, Salt Solutions und Compex. Weiter befinden sich moderne Point-of-Sale-Systeme (POS), hier Kassensysteme, auf der Wunschliste, wie von Wincor Nixdorf, Torex Retail und Fujitsu Services angeboten. In der Nachfragegunst sind auch Portale, also Webanwendungen, in denen Inhalte, Dienste und Funktionen integriert sind und die keine Installation beim Anwender benötigen. Portale werden oft als Eingangswebseiten bezeichnet, da sie lediglich zu einem größeren Angebot an Informationen, Dienstleistungen und Kaufoptionen führen.

Mit ihren IT-Ausgaben verfolgen KMU kaufmännische und technische Ziele, so die Erkenntnis der Deutschen Messe. Zu den kaufmännischen gehören: Steigerung von Effizienz und Produktivität, Kostenreduzierung, Optimierung von Geschäftsprozessen, Erhöhung der Kundenbindung und -zufriedenheit, Umsatzwachstum, Ertragssteigerung, Synergien zwischen Abteilungen, Standorten und Niederlassungen herstellen, Verbesserung des Controllings, Erhöhung der Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit. Technische Ziele ergeben sich zum Teil zwangsläufig. Denn neue Softwarelösungen stellen in der Regel höhere Anforderungen an vorhandene Hardware. Um Störungen und Ausfälle zu vermeiden, ist meist eine Aufrüstung oder Neuanschaffung unumgänglich.

Neben der Systemanpassung gibt es die Technikziele: Software für Daten- und Prozessanalysen sowie Ressourcenplanungen, Einführung eines Dokumentenmanagements, Steigerung der IT-Sicherheit, Auslagerung von IT-Teilbereichen, Einrichtung von mobilen Kommunikationsnetzen, Verbesserung der Netzwerktechnologie. Für Lauren Ventura, Senior Director bei Cisco Systems, bietet das letztgenannte Ziel besonderes Potenzial. “Ein modernes Netzwerk kann eine bedeutende Rolle bei der Verbesserung der Betriebseffizienz spielen, wenn Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten sicher und in Echtzeit auf Daten zugreifen können. Das erleichtert geschäftliche Entscheidungen und trägt letzten Endes auch zur Verbesserung des Kundendienstes bei”, begründet Expertin Ventura.

Gerd Zimmermann





Die wichtigsten Themen und Trends auf der diesjährigen CeBIT für kleine und mittelständische Unternehmen sind:

Datenanalyse: Dienstleistungen und Softwareangebote unter dem Schlagwort Business Intelligence (BI) beinhalten die Umwandlung von vorhandenen Unternehmensdaten in relevantes, handlungsanleitendes Wissen – erreicht durch eine regelmäßige, systematische und präzise Datenanalyse. Regelmäßig deshalb, weil in Unternehmen immer mehr Daten anfallen. Die Analyseergebnisse machen Zusammenhänge deutlich und erleichtern hinsichtlich der Unternehmensziele operative und strategische Entscheidungen, etwa die bessere Gestaltung von Geschäftsabläufen, das Erzielen von profitableren Kunden- und Lieferantenbeziehungen und das Minimieren von Risiken.

Prozessanalyse: Unter Business Process Management (BPM) sind Lösungen zu verstehen, welche die permanente Begleitung, Dokumentation, Überwachung und Auswertung von Geschäftsprozessen vorsehen. Die Ergebnisse versetzen Unternehmen in die Lage, ihre Prozesse flexibler an neue Erfordernisse anzupassen, schneller auf neue Informationen zu reagieren und Potenziale für Kostensenkungen in den Kernprozessen zu erkennen.

Ressourcenplanung: Enterprise Resource Planning (ERP) sind Software-Offerten zur Unterstützung der Ressourcenplanung. Sie erleichtern es, vorhandene Ressourcen wie Kapital, Betriebsmittel oder Personal effizient für den betrieblichen Ablauf einzusetzen. ERP-Systeme gelten daher als eine Art zentrales Nervensystem in einem Unternehmen.

Kundenkontaktmanagement: Softwareangebote im Bereich Customer Relationship Management (CRM) beinhalten die Dokumentation und Verwaltung von sämtlichen kundenspezifischen Unternehmensaktivitäten, von der Auftragsabwicklung über Versand, Rechnungslegung bis Zahlungseingang – stets mit dem Ziel, die Kundenansprache und -bindung zu verbessern. In der Datenbank sind die Informationen so integriert und aufbereitet, dass sie im Unternehmen an jeder Stelle in der passenden Zusammenstellung zur Verfügung stehen. CRM zeigt auch die Schwachstellen in der Kommunikation mit Kunden.

Datendokumentation: Unterteilt sich in Systeme, die von der analogen zur digitalen Archivierung (“Document Management Solutions”, DMS) führen – und in Lösungen, welche das schnelle Auffinden des richtigen Dokuments garantieren (“Enterprise Content Management”, ECM). Durch die Verlagerung der Papierflut vom Schreibtisch auf den PC, wo sie entsprechend den Unternehmensabläufen verwaltet werden, reduzieren sich die Zugriffszeiten auf Dokumente erheblich. Weiter werden Büroflächen eingespart, Kosten gesenkt und gesetzliche Richtlinien der Archivierung erfüllt.

Sicherheit: Bereits jedes zweite Unternehmen greift auf Security-Leistungen von außen zurück, um strategisch und technisch Kundendaten und Geschäftsprozesse abzusichern. Dazu gehören auch extern betriebene Schwachstellen-Audits. Zunehmend gefragt ist die Speicherung von Unternehmensdaten auf Storage-Systemen. Gemeint ist die Datenspeicherung über das Netz auf einem Server in einem externen Rechenzentrum, wodurch auch ein Schutz vor äußeren Einflüssen wie Feuer oder Einbruch gewährleistet ist. Über standardisierte IP-Protokolle ist ein Datenzugriff zu jeder Zeit möglich. Im Bereich E-Mail-Verkehr sind Spam-Filter und Verschlüsselungslösungen gefragt.

Services: Aufgrund von schlechten Erfahrungen mit im Ausland betriebenen Dienstleistungszentralen zeichnet sich eine Renaissance der deutschen Serviceleistungen rund um die IT ab. Im Focus sind schnellere, transparentere und sicherere Services zu möglichst geringen Kosten, was besonders Fernwartungslösungen zu Gute kommt. Standardisierte Service-Prozesse sollen für Kostenreduzierungen sorgen.

Server: Konsolidierung und Virtualisierung heißen die Schlagwörter: Durch moderne Server oder aktuelle Software können bis zu 50 Prozent der Server eines Unternehmens eingespart werden. Das bedeutet: weniger Betreuungs- und Lizenzkosten, weniger Platzbedarf und geringere Aufwendungen für die Datensicherung. Bisherige Strukturen, für bestimmte Dienste jeweils einen eigenen Server, bleiben erhalten, dafür sorgt die Virtualisierungssoftware.

Sie ist in der Lage, eine Vielzahl virtueller Systeme gleichzeitig und unabhängig voneinander auf einem physischen Server auszuführen und zu administrieren. Das heißt: Auf einem physischen Server können, je nach Anwendungsgebiet, bis zu 30 virtuelle Server installiert werden. Dadurch ist die vorhandene Hardware effektiver und flexibler einsetzbar.

Anpassung: Mit Service Oriented Architecture (SOA) sind Lösungen angesprochen, die für eine flexible Anpassung eines Netzwerks an neue Anforderungen sorgen. Möglich durch die Integration und Verknüpfung von wiederverwendbaren Geschäftsanwendungen oder -services auf einer zentralen Plattform. Geschäftsprozesse, zum Beispiel die Vorgehensweise in einem Autohaus bei Inzahlungnahme eines Gebrauchtwagens, können als eine Art Vorlage permanent genutzt werden, was Zeit und Kosten spart. Zudem lässt sich deren Wert durch neue Praxiserkenntnisse immer wieder steigern.

Integration: Supply Chain Management (SCM), Angebote in diesem Bereich stehen für optimale Arbeitsabläufe durch unternehmens- und systemübergreifende Zusammenarbeit. Durch die Integration von beispielsweise Zulieferern können Angebot und Nachfrage, Material- und Informationsfluss über Unternehmensgrenzen hinweg synchronisiert, die Wertschöpfungskette optimiert werden. Willkommene Nebeneffekte sind: niedrigere Kosten, kürzere Durchlaufzeiten, bessere Produkt- und Servicequalität.

Mobilität: Gefragt sind Lösungen, bei denen mit jedem Endgerät über jedes Netzwerk und in jeder IT-Umgebung kommuniziert und zusammengearbeitet werden kann. Erreicht wird dies etwa durch das Zusammenbringen von bislang getrennten Kommunikationseinrichtungen wie Telefon, Fax, E-Mail, Web-, Audio- und Videokonferenzen sowie Instant Messaging auf einer Plattform. Mit einem einzigen Zugang können alle Kommunikationsformen genutzt werden, unternehmensweit und unabhängig von Ort und Zeit (“Unified Communications”, UC). Dadurch werden Zeit gewonnen, der Informationsfluss beschleunigt, ein Ansprechpartner besser erreicht, die Arbeitsproduktivität gesteigert – und Entscheidungen können schneller getroffen werden.

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