entspannt, Leben

Nachgefragt bei Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer

Sie beide sind die “dienstältesten” Köche im WDR. In Ihren Sendungen sprühen Sie vor Lebenslust und Entdeckerfreude und vermitteln den Zuschauern das Gefühl, dass Kochen, Essen und Trinken Ihre Leidenschaft sind. Wie ist es dazu gekommen?

Neuner-Duttenhofer: Tatsächlich feiern wir im kommenden März 25. Geburtstag mit unserer Sendung im WDR. Angefangen hatte alles Mitte der Achzigerjahre. Da hatte Martina mal zusammen mit Wolfgang Menge, dem Millionenspiel-Autor und Ekel-Alfred-Erfinder, der einfach gerne isst, eine Art Pilot für eine Kochsendung gemacht, die aber damals nicht über mehr als zwei Folgen hinaus gedieh. Man glaubte, Kochen allein sei nicht attraktiv genug! Als aber der SDR den ARD-Ratgeber Essen & Trinken abgeben wollte, da griff die Redaktion des WDR zu und erinnerte sich an Martina. Das Konzept, das sie zusammen mit mir für diesen Sendeplatz entwickelte und vorschlug, gefiel, und seither sind wir mit unseren Kochideen regelmäßig auf Sendung.

Selbst wenn Sie reisen, geht es meist um die Gaumenfreuden in fremden Ländern. Was fasziniert Sie daran?

Meuth: Es ist einfach so, dass man ein Land am allerbesten kennenlernen kann, indem man über die Märkte zieht und sich das Angebot dort betrachtet, die Speisekarten der Gasthäuser studiert und mit den Bauern, Winzern oder Produzenten redet. Besser und ausführlicher kann man kaum alles über die Menschen und ihre Fähigkeiten erfahren. Ob sie bei angenehmem Klima sich leicht tun oder unter schweren Bedingungen einem kargen Boden das Nötige abringen müssen, das prägt die Menschen und ihr Dasein. Die kulinarischen Erfahrungen bestimmen so das ganze Leben, die Kultur und die Geschichte eines Landes.

Gibt es aus Ihrer Sicht eigentlich die typisch gute deutsche Küche?

Meuth: Es gibt keine deutsche Küche – aber eine typische, sehr gute Küche in nahezu allen deutschen Regionen. Kriegszeiten, Hungersnöte, Armut, die die deutsche Geschichte über Jahrhunderte kennzeichneten, sind ja weiß Gott nicht gerade ideale Voraussetzung für kulinarische Höhenflüge. Aber man kann in jeder Region gerade in den sogenannten Arme-Leute-Rezepten großartige Entdeckungen machen. Die graben wir übrigens besonders gern für unsere Sendungen aus und versuchen deren Grundgedanken mit unseren modernen Möglichkeiten aufzubereiten und daraus was Neues zu entwickeln.

Ihr Wohnsitz ist das Duttenhofer’sche Apfelgut. Warum haben Sie 1985 gerade diesen Ort zu Ihrem Lebensmittelpunkt gewählt?

Meuth: Wir wollten das Apfelgut nicht aufgeben, und es brauchte nach dem Tod von Moritz’ Mutter die lenkende Hand. Natürlich war es ein Sprung vom behüteten Redakteurs-Dasein ins kalte Wasser des freischaffenden Autors, aber wir haben es nie bereut.

Rund ums Haus befindet sich ein Garten mit mediterranem Flair. Wie ist das im Nordschwarzwald möglich, und wer von ihnen hat die gärtnerische Ader?

Neuner-Duttenhofer: Natürlich helfen eine Orangerie, die benachbarte Gärtnerei und mehrere Folientunnel, all die empfindlichen Pflanzen in unserem rauen Klima zu kultivieren oder zu überwintern. Ich bin Gärtner aus Liebe und bedauere es sehr, nicht immer die nötige Zeit dafür aufwenden zu können. Martina hingegen ist eher die Nutznießerin, die erntet, was der Gärtner sät …

Was darf in Ihrem Garten nicht fehlen?

Meuth: Blumen zum Schneiden, Kräuter, Salate, Früchte, Kartoffeln, Tomaten und Chilis, Zwiebeln …

Neuner-Duttenhofer: … Knoblauch, fortlaufend junge Radieschen, echter französischer Estragon, 25 Sorten Basilikum, ebenso viele Tomaten- und Chilisorten.

Auf Ihrem “Apfelgut” veranstalten Sie auch Koch-Seminare. Wie darf ich mir das vorstellen?

Meuth: Wir bieten verschiedene Kurse an: Vom Kompaktkurs, der nur einige Stunden dauert, über Tageskurse, die einschließlich großem Festmenü am Abend auch die danach nötige Übernachtung bieten, bis zu Seminaren, die sich über drei Tage hinziehen. Da versammeln sich wissbegierige Frauen und Männer jeglichen Alters, ganz unterschiedlicher Herkunft und aus allen Berufen. Wir kochen meist unter einem bestimmten Motto und natürlich gehören stets die passenden Weine dazu.

Was tun Sie, wenn sie Zeit für “Privates” haben, zum Beispiel an einem “typischen” Sonntag?

Neuner-Duttenhofer: Wenn er verregnet ist, dann lieben wir es, auszuschlafen. Und unsere kleine Jack-Russel-Dame Pünktchen, die sonst um 8 Uhr ihren Morgenspaziergang einfordert, gesteht uns das auch netterweise zu. Bei schönem Wetter werkel ich im Garten bis der Rücken schmerzt. Martina liegt dann lieber im Liegestuhl und liest.

Vor der Kamera kabbeln Sie sich gerne. Ist das auch im Privatleben so?

Meuth: Unsere Kabbelei haben wir natürlich extra fürs Fernsehen einstudiert – und wenn uns wieder mal jemand sagt “genau, wie bei uns in der Küche!” dann wissen wir, dass sie gut ankommt.

Wer ist der Chef bei Ihnen in der Küche?

Neuner-Duttenhofer: Richtig: Einer muss der Chef sein – und das ist meistens Martina. Aber manchmal eben auch ich. Vor allem, wenn es um Kartoffelsalat geht. Ich bin der Meinung, dass ein Tag ohne Kartoffelsalat, kulinarisch gesehen, ein verlorener Tag ist.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?

Meuth: Eier (von unseren eigenen glücklichen Hühnern), gute Butter, ein schönes Assortiment an Würsten und Rohmilch-Käsen, Ingwer, Chilis, Knoblauch, sowie eine Auswahl unterschiedlicher Weine.

Sie sind 29 Jahre verheiratet – glücklich, wie ich annehme. Haben Sie dafür eigentlich ein Erfolgs-Rezept?

Meuth: Rücksicht aufeinander nehmen, und sich selber nicht zu wichtig. Und: immer miteinander lachen können.

Die Fragen stellte Marie-José Kann-Hüting


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Kommentare

  1. Liebe Martina und Moritz

    Möchte Ihnen einmal ein großes Kompliment aussprechen.
    Ich schreibe Ihnen aus Wien und wir lassen keine Sendung von Ihnen aus.
    Denn so wie Sie kochen ist sensationell da können sich alle Sterneköche verstecken.
    Außerdem sind Sie beide eine Augenweide ich bewundere immer Martinas Haarschnitt.
    Wir hoffen dasSie noch sehr viele Sendungen machen und wir noch viele tolle Rezepte erhalten

    Alles Liebeund herzliche Grüße aus Wien

    Familie Danninger

    Antworten
  2. Hallo Ihr 2 Lieben
    ich wusste nicht, dass ihr verheiratet seid doch wundert es mich eigentlich gar nicht, ihr seid perfekt zusammen und ich liebe eure Kochsendung am Samstag. Wenn immer möglich schaue ich was ihr wieder gutes auf dem Speiseplan habt. Wünsche euch von Herzen alles Gute und auf noch viele Jahre, damit ich euch sehe und mich freuen kann an den neuen Rezepten und eurem Lachen.

    Antworten

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