erfolgreich, Kolumne, Marketing & Vertrieb

Content-Diebstahl im Netz – so schützen Sie Ihre Texte

Content is king“ – diese Parole hört man von Onlinemarketing- und SEO-Beratern oft, wenn es um das Puschen und suchmaschinentechnische Optimieren von Webseiten geht. Entsprechend verzweifelt suchen sie zuweilen nach Content für ihre Webseiten und Blogs, um diese regelmäßig mit Inhalt zu füttern. Denn das Verfassen eines knackigen Blog-Beitrags oder knackiger Tipps kostet Zeit. Und selbst dem kreativsten Menschen gehen irgendwann die Ideen aus, wenn er ein, zwei Mal pro Woche einen Blog-Beitrag verfassen möchte. Was also tun, wenn mal wieder die erforderliche Zeit oder Idee fehlt?

Manch findiger Wiki- oder Blog-Betreiber hat dann den Geistesblitz: Ich kann ja mal das World-wide-web durchforsten. Schließlich hält es einen nahezu unerschöpflichen Fundus an Texten parat. Gedacht, getan! Und stößt der Blogger auf einen interessanten Text, dann kopiert er ihn – wie weiland Karl-Theodor zu Guttenberg – per „copy and paste“ mal eben schnell, schreibt ihn kurz um und stellt ihn anschließend als eigenes Werk ohne Quellenangabe auf seine Webseite oder in seinen Blog.

Text-Klau ist ein verbreitetes Phänomen

Text-Klau im Internet – das ist weit verbreitetes Phänomen. Diese Erfahrung sammeln Autoren immer wieder. Und setzen sie sich dagegen zur Wehr – zum Beispiel, indem sie die Plagiatoren in einer Mail bitten, den Text von ihrer Webseite oder aus ihrem Blog zu entfernen? Dann reagieren die Angeschriebenen meist nicht – zumindest wenn man ihnen nicht sogleich mit der großen juristischen Keule droht.

Oder sie reagieren wie der Inhaber einer Onlinemarketing-Agentur, der vom Inhaber eines Beratungsunternehmens wegen „Text-Klau“ angeschrieben wurde. Er antwortete lapidar: „War ein Versuch! Ich arbeitete den Artikel am Wochenende um.“ Ohne Anrede, Entschuldigung oder sonst etwas.

Und als der Berater dem Betreiber eines Blogs daraufhin schrieb: „Nicht umschreiben, sondern aus dem Netz entfernen. Sonst ergreife ich juristische Schritte“, da verschwand der Artikel aus dem Blog. Parallel dazu sandte dessen Betreiber jedoch eine Mail an den Berater, er verstehe dessen Aufregung nicht: „Ich habe doch nur ein Thema im Internet aufgegriffen … – das passiert Tag-täglich da draußen.“ Erneut ohne Anrede, Entschuldigung oder sonst etwas.

Plagiatoren plagt kein schlechtes Gewissen

Stimmt! Es passiert „Tagtäglich da draußen“, dass Blog- und Webseiten-Betreiber sowie „Social-Media-Aktivisten“ Texte von anderen Personen und Organisationen klauen, sie leicht umschreiben und dann als eigene Machwerke publizieren – ohne Nennung ihrer Quellen. Und dabei empfinden sie auch kein Unrechtsgefühl – schließlich ist das, was im Netz steht, ja kostenlos. Oder? Also kann man einen Text auch mal schnell mit „copy and paste“ kopieren und für eigene Zwecke verwenden – selbst wenn dessen Urheber in die Erstellung Zeit oder Geld investiert hat.

Wenn Schüler und Studenten für ihre Referate oder Seminararbeiten so verfahren, dann mag das akzeptabel sein – hierüber mögen ihre Lehrer und Professoren entscheiden. Anders ist es, wenn ein Unternehmen einem anderen dessen Texte klaut und diese fürs eigene Marketing nutzt – insbesondere dann, wenn der Plagiator sich zudem im selben oder in einem verwandten Geschäftsfeld tummelt wie deren ursprünglicher Verfasser. Dann sollten die Betroffenen konsequent dagegen vorgehen. Zum Beispiel, indem sie den Text-Dieb zunächst bitten, den Text von seiner Webseite oder aus seinem Blog zu entfernen. Und wenn das nicht fruchtet, ihm mit einer Abmahnung drohen.

Zwischen „Ideen-“ und „Text-Klau“ unterscheiden

Dabei gilt es jedoch zwischen einem Ideen- und einem Text-Klau zu unterscheiden. Denn Ideen und Gedanken sind, sobald sie publiziert wurden, nicht nur für jeden zugänglich. Jeder kann sie sich auch aneignen, mit den eigenen Erfahrungen verknüpfen und sie so für sich verarbeiten. Das tut (hoffentlich) jeder Berater Tag für Tag, denn nichts anderes bedeutet letztlich Lernen.

Anders sieht es bei Texten aus. Sie sind und bleiben das Eigentum ihres Schöpfers. Und wer sie trotzdem klauen und für sich kostenlos (gewerblich) nutzen möchte? Der sollte wenigstens so schlau sein, die Texte so stark zu überarbeiten, dass ihre Herkunft nicht mehr erkennbar ist. Doch hierzu sind die meisten Text-Diebe zum Glück nicht nur zu faul. Ihnen fehlt häufig auch die nötige Phantasie oder Erfahrung, um beispielsweise die Praxisbeispiele in einem Text durch neue zu ersetzen. Deshalb sind Text-Plagiate meist leicht zu erkennen – zumindest für den Verfasser des Originals.

Gegen Text-Diebe vorgehen

Doch Personen oder Organisationen, die im Netz nach gewissen Inhalten (oder Leistungen) suchen? Sie wissen, wenn ihnen bei Suchabfragen mehrere (nahezu) identische Texte von verschiedenen Verfassern angezeigt werden, nicht: Was ist das Original und was das Plagiat? Deshalb sollten Autoren gegen einen Text-Klau vorgehen – auch um dem leisen Verdacht zu entgehen, sie seien eventuell selbst die Plagiatoren und nicht die „Text-Diebe“.

Über den Autor: Bernhard Kuntz ist Geschäftsführer der PRofilBerater GmbH. Ende Oktober erscheint die 4. völlig überarbeitete und aktualisierte Fassung seines Buchs „Die Katze im Sack verkaufen: Wie Sie Bildung und Beratung mit System vermarkten – offline und online“.

Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

CAPTCHA-Bild

*

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie weiter


erfolgreich, Marketing & Vertrieb, Mittelstandsbotschafter, Strategie, vernetzt

Kundenorientierung total: Über das Mitmach-Marketing und die „Consumer-driven-Company“

Kundenaktivitäten finden heutzutage parallel und in Echtzeit in der realen Welt und im Internet statt. Wie Unternehmen ihre Kundenorientierung darauf einstellen können, zeigt dieser Beitrag