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Chefsache Notfallplanung

Die Überraschung könnte für Johannes D., einem Unternehmer aus dem Rheinland, kaum größer sein, als ihm ein Kollege fast beiläufig mitteilt, dass dieser einen Versicherungsschaden von etwa 15.000 Euro selbst zahlen müsse. Dabei geht es um einen Wasserschaden im Betrieb, der wohl dazu führen wird, dass der kleine Mittelbetrieb für einige Tage schließen muss und in diesem Zeitraum naturgemäß keine Einnahmen erzielen kann. D. ist vor allem deshalb so überrascht, da er weiß, dass das Gewerbegebiet, in dem der Betrieb des Kollegen liegt, auf Grund der unmittelbaren Nähe zu einem Kanal eindeutig als Hochwasser gefährdet eingestuft wird – und der Unternehmer in der Betriebsversicherung auf den Einschluss einer für entsprechende Schäden grundsätzlich eintretenden Elementarversicherung bisher verzichtet hat.

Kritische Reaktion der Bank

Als dieser daraufhin seine Bank um eine zur Finanzierung dieser Kosten kurzfristige Erhöhung seines Überziehungskredites auf dem Geschäftskonto bittet, muss er sich dort nicht nur folgende vorwurfsvolle Frage gefallen lassen: “Gibt es denn bei Ihnen keine entsprechenden Vorsorgeplanung?”. Der Gesprächspartner macht auch deutlich, dass ein derartiger Vorsorge- oder Notfallplan für Kreditbeurteilung und Kreditvergabe als wichtiger Punkt gilt. Erst nach langem Hin und Her stimmt der Bankmitarbeiter dem Kreditwunsch zu – und das auch nur unter der Bedingung einer sofortigen und sorgfältigen Überprüfung des Versicherungsschutzes.

D. sieht sich nach der Erzählung seines Kollegen noch am gleichen Abend die eigenen Versicherungsunterlagen an und ist erstaunt darüber, dass er eine Neuordnung sowohl der privaten als auch der betrieblichen Versicherungen vor nahezu vier Jahren vorgenommen hat. Danach hat es zwar seitens des Ansprechpartners seines Versicherers immer wieder Versuche gegeben, ein Vier-Augen-Gespräch zu führen. Tatsächlich geschehen ist aber nichts, da D. dazu keine Veranlassung sah und regelmäßig Gründe fand, sich vor einem solchen Gespräch zu drücken. Erst jetzt, nach dem geschilderten Problem seines Kollegen, denkt er anders darüber und wird mit dem Versicherungsmitarbeiter kurzfristig Kontakt aufnehmen.

Vielschichtige Notfallplanung

D. ist mit seiner bisherigen Einstellung zum Vorsorgethema kein Einzelfall: Es gibt je nach Betrieb zum Teil erhebliche Mängel in der individuellen Notfallplanung, die sich auf sämtliche unternehmensrelevanten Bereiche erstrecken sollte. Zweifellos gehört dazu auch ein kontinuierlich anzupassender Versicherungsschutz, der sich an der jeweiligen Entwicklung des Betriebes orientiert. Hier sollte ähnlich verfahren werden wie bei privaten Versicherungspolicen, die möglichst auch an die sich verändernden Lebensverhältnisse des Unternehmers und seiner Familie anzupassen sind. Bei einem weiteren, ebenfalls wichtigen Problembereich unternehmerischer Vorsorge geht es um ein funktionierendes Controlling, das unmittelbare Konsequenzen als Reaktion vor allem auf Umsatz- und Ertragsrückgänge durch rechtzeitiges Auswerten betriebswirtschaftlicher Kennzahlen ermöglicht. Darüber hinaus sollte ein funktionierendes Forderungsmanagement für die im Betrieb wichtige Liquidität sorgen. Das gilt auch für die Fremdkapitalfinanzierung durch eine oder mehrere Hausbanken. Neben dem obligatorischen Überziehungskredit, dessen Höhe und Laufzeit regelmäßig zu überprüfen sind, stehen hierzu ebenfalls betriebliche Darlehen zur Disposition. Mögliche Umschuldungen können hier genauso wichtig sein wie ein regelmäßiger Informationsaustausch zwischen Bank und Kunde etwa über Sonderkredite oder über öffentliche Förderprogramme. Auch eventuelle Mängel in der Datentechnik dürfen nicht unterschätzt werden: So sollte etwa über die sorgfältige Verwahrung von Sicherungskopien mit wichtigen betrieblichen Daten ebenso nachgedacht werden wie über eine regelmäßige Aktualisierung der jeweils genutzten Hard- und Software.

Planungsfaktor Unternehmer

Bei aller Sorgfalt im Hinblick auf betriebliche Details darf aber nicht übersehen werden, dass die Arbeitskraft des Unternehmers die wohl größte Bedeutung für den Fortbestand des Betriebes besitzt. Konkret bedeutet das: Es ist sicherzustellen, dass bei einem plötzlichen Ausfall des Betriebsinhabers das Unternehmen weitgehend reibungslos fortgeführt werden kann. Dazu gehören Bankvollmachten ebenso wie klare und verbindliche Regelungen beim täglichen Geschäftsverkehr.

Nochmals zurück zu D., der sich nun entschlossen hat, mit Hilfe seines Steuerberaters und seiner Hausbank sämtliche relevanten Punkte zu bereden und innerhalb eines betriebsinternen Organisationshandbuchs für alle Mitarbeiter verbindliche Regeln einzuführen. Er verspricht sich davon auch eine Verbesserung seines betrieblichen Kreditratings. Immerhin zeigt er seiner Bank damit, dass er auch an dieser Stelle deren Vorstellung von einer professionellen Unternehmensführung Rechnung trägt.

Michael Vetter

- Einerlei ob Vorsorge- oder Notfallplan: Mittelbetriebe sollten bei erkannten Lücken im Betriebsbereich kurzfristig Gegenmaßnahmen einleiten.

- Neben Standesorganisationen können hierzu vor allem Banken und Steuerberater Hilfe leisten, da sie den jeweiligen Betrieb meist gut kennen und auch Erfahrungen mit vergleichbaren Unternehmen – selbstverständlich anonymisiert – einbringen können.

- Einmal verabschiedete Regelungen sollten nicht statisch gesehen, sondern regelmäßig aktualisiert werden.

- Von großer Bedeutung ist bei so gut wie allen Maßnahmen die Einbindung der im Betrieb tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Immerhin sind sie meist für die jeweilige Umsetzung dieser Maßnahmen in hohem Maße mitverantwortlich.

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