erfolgreich, Märkte & Branchen, Strategie, vernetzt

Messe 2.0

Erst 21 Jahre ist sie jung, doch Lisa Schwarz gilt als Deutschlands erfolgreichste Auto-Bloggerin. Ihr Erfolgsrezept: Leidenschaft für Autos, ihre Fähigkeit, emotional und zugleich informativ über neue Modelle zu berichten. Schon mit 15 Jahren begann Lisa, Bilder und Videos von Modellen, für die sie sich damals als Teenager begeistern konnte, im Internet hochzuladen – garniert mit ihren ganz persönlichen Kommentaren und Urteilen zu den Wagen. Die stießen offenbar auf viel Zustimmung: 2011 startete sie ihren eigenen Auto Blog “Lisa the Car Addict”. Ihre Follower klicken sich aus aller Welt zu ihr. So viel Einfluss weckt selbstverständlich das Interesse der Industrie: Audi hat Schwarz bereits für Spritspar- und Klassikfahrten engagiert, über die sie unter anderem im Blog des Fahrzeugherstellers berichten soll.

Auch die Messe Friedrichshafen griff auf Lisas Know-how zurück, und zwar für den Online-Auftritt der “Tuning World Bodensee 2013″. Zudem erhielt sie den Auftrag, täglich in der Rubrik “Lisa’s Tuning World” live über das Messegeschehen zu berichten. Nicht so faktenorientiert wie in Pressemitteilungen üblich – stattdessen waren Geschichten über staunende Messebesucher vor aufgemotzten Autos gefragt. “Ihre Veröffentlichungen erfolgten unglaublich schnell und erhielten gute Reaktionen”, freut sich Messesprecher Wolfgang Köhle. “Für uns war es spannend, lehrreich, aber auch gewöhnungsbedürftig, zu erleben, wie sich Kommunikation auf andere, frische Art betreiben lässt – und dadurch auch neue Zielgruppen erreicht werden.” Interaktion mit den Lesern und Followern sei entscheidend, findet Bloggerin Schwarz: “Ich frage etwa über Facebook, ob meine Leser etwas Bestimmtes wissen möchten.”

Überhaupt schien 2013 das Jahr zu sein, in dem die deutsche Messewirtschaft Blogs & Co. für sich entdeckte. Unter blog. koelnmesse.de betreibt die Kölner Messegesellschaft seit August ihren eigenen Unternehmens-Blog mit “Geschichten aus der täglichen Arbeit”. Zu den Autoren zählt auch Messechef Gerald Böse: “Der Blog ist eine gute Ergänzung zu unserer klassischen Medienarbeit.” Auch Unternehmen nutzen mittlerweile Blogger-Dienste zu Messezeiten. So ließ Skoda während der IAA 2013 einen Blogger in Echtzeit das Treiben am Skoda-Messestand kommentieren.

Für Messegesellschaften und Aussteller können soziale Netzwerke einschließlich Blogs “nicht nur viel mehr Interaktivität mit potenziellen Interessenten” ermöglichen, wie es Martin Buhl-Wagner von der Leipziger Messe ausdrückt. Sie bieten auch die Chance, neue Trends aufzuspüren, Themen weiterzuentwickeln und alle Beteiligten “einander noch näher zu bringen”. Eine der Voraussetzungen hierfür ist allerdings, dass von Ausstellerseite im Vorfeld einer Messe nicht nur harte Daten und Fakten bekannt gegeben – sondern “auch nicht ganz ausgegorene Planungen und Absichten zur Diskussion gestellt” werden. Zur Verbreitung der Botschaften bietet sich auch das klassische Instrument des Dialogmarketings, der Newsletter, an: Von der Messegesellschaft kostenlos herausgegeben, bestückt mit kompakten bis unterhaltsamen Informationen der zahlenden Aussteller.

Die Deutsche Messe nutzt das Instrument Newsletter nach eigenem Bekunden schon sehr erfolgreich. Immerhin hat sie zehn Ausgaben am Start – jeweils für ihre Flaggschiffe wie “Ce-BIT”, “Hannover Messe” oder “Domotex”. Als Erfolgsfaktoren dieser Kundenbindungsinstrumente nennt Messechef Wolfram von Fritsch neben Business-Informationen und aktuellen Branchennews auch neue Service-Angebote für Besucher, die Möglichkeit zur aktiven Kontaktanbahnung mit relevanten Geschäftspartnern, den Meinungsaustausch zu Trends und Hintergründen sowie Sonderaktionen und attraktive Sonderleistungen.

Live im Messe-TV

Eine sinnvolle Ergänzung kann zudem das Internetfernsehen sein. In Hannover ist der Grundstein dafür schon gelegt: So startete zur “Ligna 2013″ der Web-Branchensender ligna.tv: “Wer im Netz erfolgreich kommunizieren möchte, kommt künftig um das Thema Bewegtbild nicht herum”, findet Bernhard Dirr, Geschäftsführer des VDMA Fachverbands Holzbearbeitungsmaschinen. Die Inhalte orientieren sich an den klassischen Informationsformaten des Fernsehens: Nachrichtensendungen, Hintergrundberichte, Magazine und Journale.

Seit der “drinktec 2013″ bietet die Messe München übrigens kostenloses WLAN für alle. Und die Messe Berlin ruft mit ihren “Virtual Market Places” die “Messe an 365 Tagen im Jahr” aus, etwa zur “Internationalen Grünen Woche”. “Auf dieser innovativen Informations- und Kommunikationsplattform gibt es ganzjährig aktuelle Informationen zu unseren Ausstellern und ihren Angeboten”, sagt der Messemanager, Christian Göke. Zudem könnten Surfer direkt mit Ausstellern Kontakt aufnehmen und zum Beispiel Termine vor Ort vereinbaren. Als “digitales Serviceangebot mit zunehmender Bedeutung” sieht Göke auch den “Sales Park” an: Ein Messekalkulator ermöglicht es erstmals, die Effektivität einer Ausstellung individuell zu ermitteln. Die Eingabe einiger Basisdaten reicht aus – und der Web-Rechner kalkuliert die Kosten und den Nutzen einer Messeteilnahme. Auch die Messe Frankfurt rüstet in Sachen digitale Serviceleistungen weiter auf, kündigt Kai Hattendorf an. Er leitet den Messebereich Digital Business und ruft gerade eine neue Abteilung ins Leben, die künftig Online-Auftritte und Veranstaltungen zentral betreuen und weiterentwickeln soll. Zum Wohle der Aussteller und Besucher, versteht sich.

Gerd Zimmermann

– Datenbanken: Auf den messeeigenen Servern können Sie Presseinformationen hinterlegen, die Journalisten jederzeit online abrufen können. Der Speicherplatz ist meist großzügig bemessen.

– Presseservice: Ob per Text, Foto, Audio- und Video-Beitrag, ob als Pressemitteilung, Hintergrundbericht, Interview oder als Praxisbeispiel – über den Online-Presseservice der Messegesellschaften können Aussteller über ihre Belange berichten.

– Archive: Die auf dem Messe-Server gespeicherten Informationen wirken bis kurz vor der nächsten Ausstellung nach. Im Zuge der Berichte über die aktuelle Veranstaltung und zum Abgleich mit dem Vorjahr lesen Journalisten gern auch ältere Pressetexte.

– Presse-Booklets: Viele Aussteller fassen zu Messebeginn alle Presseinformationen des Online-Presseservice in einem Presse-Booklet zusammen. Das wird dann Journalisten vor Ort von den Vertretern der Messe überreicht – als zusätzlicher Service des Veranstalters für Sie als Aussteller.

– Service-Dauer: Die Presseberichterstattung zu einer Fachmesse beginnt etwa sechs Monate vor Messebeginn. Von diesem Zeitpunkt an sollte ein Aussteller mit seiner messebezogenen PR- und Pressearbeit beginnen und seine Informationen einstellen. Die Berichterstattung endet meist rund zwei Monate nach Ausstellungsschluss. Nach der Messe sollte ein Pressetext über den Erfolg der Veranstaltung abrufbereit sein.

Online-Offensive in der Messewirtschaft: Welche Angebote Sie als Aussteller oder Besucher künftig zusätzlich erwarten können, verraten Deutschlands Messechefs – unter creditreformmagazin.de/messenonline


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