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    Liquiditätspotenziale nutzen – Working Capital optimieren

    Deutschlands Wirtschaft befindet sich nach wie vor auf Wachstumskurs. Trotzdem müssen sich die Unternehmen weiteren erheblichen Herausforderungen stellen, um ihren mittelfristigen Finanzierungsbedarf zu decken. Verbesserungen beim Working Capital helfen dabei. 

    Die Konjunkturexperten blicken optimistisch in die Zukunft. Nach ihren Schätzungen gewinnt die derzeitige Expansionsphase weiterhin an Fahrt, sie erwarten für 2014 mehr Stabilität und gehen von künftigen Wachstumsraten in Höhe von circa 1,5 Prozent pro Jahr aus. Um von dem anhaltenden Aufwärtstrend zu profitieren, müssen viele Chefs mittelständischer Betriebe zunächst einmal in neue Maschinen und Anlagen investieren. Das sind aber längst nicht alle finanziellen Belastungen, denen die Unternehmen ausgesetzt sind: Neben den notwendigen Wachstumsinvestitionen gilt es in nächster Zeit, aufwendige Refinanzierungsprojekte zu stemmen, beispielsweise durch auslaufende Mezzanine-Programme sowie fällige Anleihen. Und nicht zuletzt wird sich auch die restriktivere Kreditvergabe im Rahmen von Basel III auf die Finanzsituation der Betriebe auswirken. Die neuen finanziellen Rahmenbedingungen veranlassen wachstumsorientierte Betriebe, ihre eigene Finanzkraft durch ein optimiertes Working-Capital-Management zu stärken. Working Capital, das ist die Differenz zwischen Umlaufvermögen, vor allem Vorräte und Forderungen, und den kurzfristigen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Wie effizienzsteigernd sich hier Optimierungen auswirken können, unterstreicht die aktuelle Studie “Cash for Growth 2013″ von Roland Berger Strategy Consultants und Creditreform. Die Analyse von Daten über das Liquiditätsmanagement von mehr als 2.700 Unternehmen kommt zu dem Ergebnis: In den mittelständischen Betrieben in Deutschland schlummert ein ungenutztes Liquiditätspotenzial von insgesamt 87 Milliarden Euro. Die Stärkung der internen Finanzierungskraft gehört deshalb zu den wichtigsten Stellschrauben für dauerhaften Erfolg. 89 Prozent der befragten Unternehmen sind sich bewusst, dass die Innenfinanzierung die erfolgversprechendste Maßnahme ist, um die Kapitalkraft zu verbessern.

    Fast überall noch Potenzial

    Das Liquiditätspotenzial der befragten Mittelständler lag 2012 zwischen zwölf und 18 Prozent ihres Working Capital. Bei der Erschließung der notwendigen Reserven erweisen sich – neben dem Abbau von Vorräten (44 Prozent) – ein optimiertes Kundenforderungsmanagement inklusive Prozessoptimierungen im Mahnwesen (35 Prozent) sowie das Aushandeln günstigerer Konditionen bei Lieferantenverbindlichkeiten (21 Prozent) als besonders erfolgversprechend. 55 Prozent der Betriebe wollen deshalb die Lagerhaltung verbessern. Etwa jedes zweite Unternehmen plant, den Kunden weniger Zeit zum Bezahlen zu geben, oder will selber erst später als bislang bezahlen. Andere interne Finanzierungsformen wie etwa Leasing (29 Prozent) kommen deutlich weniger zum Tragen. Die Ausprägung des jeweiligen Working Capital hängt von den folgenden Aspekten ab: 1. Unternehmensgröße. Je größer das Unternehmen, desto geringer das Working Capital. 2. Industriezweig. Die Höhe des Working Capital hängt stark von der Branche des jeweiligen Unternehmens ab. 3. Profitabilität. Profitable Betriebe erhalten bessere Konditionen am Kapitalmarkt und können damit in der Regel ihr Working Capital problemlos finanzieren. 4. Verschuldungsgrad. Es besteht eine positive Korrelation zwischen Verschuldungsgrad und Working Capital. 5. Creditreform-Bonitätsindex. Firmen mit besserer Bonität betreiben meist ein effizienteres Working-Capital-Management. 6. Zahlungspünktlichkeit. Zwischen dem Niveau der Zahlungspünktlichkeit und der Höhe des Net Working Capital besteht kein eindeutiger Zusammenhang.

    Kapitalbindung steigt moderat

    Die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer mittelständischer Betriebe in Deutschland hat sich in den Jahren 2010 bis 2012 leicht erhöht. Lag der Wert 2010 bei 59 Tagen, reduzierte er sich 2011 leicht auf 58 Tage und stieg 2012 auf 61 Tage. Diese Entwicklung begründet sich vor allem durch den Anstieg der Lagerbestände aufgrund des Wirtschaftswachstums. Forderungslaufzeiten und Zahlungsziele für Lieferantenverbindlichkeiten blieben von der Expansion weitgehend unberührt. Die Kapitalbindungsdauer bei deutschen Großunternehmen veränderte sich ebenfalls nur minimal – von 55 Tagen (2010) über 54 Tage (2011) auf 56 Tage (2012). Bei den Betrieben mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro blieben Forderungslaufzeiten und Lieferantenzahlungszeiträume nahezu gleich. Der Vergleich der Kapitalbindungsdauer nach Umsatzgrößenklassen zeigt die meist höhere Effizienz des Working-Capital-Managements größerer Betriebe. So erreichen Firmen, die weniger als fünf Millionen Euro Umsatz erzielen, eine Kapitalbindungsdauer von 75 Tagen. Bei Betrieben mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz sind es nur 56 Tage. Kleinere Mittelständler haben gegenüber größeren Konkurrenten Nachholbedarf. Aber auch bei den umsatzstärkeren mittelständischen Unternehmen gibt es Verbesserungspotenzial. Bei ihnen ließen sich mit kürzeren Inkassoperioden zusätzliche Erfolge erzielen.

    Große Branchenunterschiede

    Die Bekleidungsindustrie weist schon seit vielen Jahren das meiste gebundene Kapital auf. In diesem Bereich ist die Kapitalbindung seit 2010 um zehn Tage gestiegen und erreichte 2012 mit durchschnittlich 93 Tagen den höchsten Wert. Mit gerade mal 43 Tagen überzeugte die Papierbranche 2012 mit einem Bestwert. Auch die Kapitalbindungsdauer in der Pharmaindustrie entwickelte sich positiv: Sie reduzierte sich im Gegensatz zu den meisten anderen Branchen und ging um drei Tage auf durchschnittlich 56 Tage zurück. Mit bis zu 60 Tagen werden die Branchenunterschiede bei den Lagerbeständen am deutlichsten. Anders bei den Zahlungszielen für Lieferantenverbindlichkeiten: Hier liegen alle Bereiche auf nahezu gleich hohem Niveau. Besonders kurz lässt die chemische Industrie ihre Zulieferer warten und zahlt durchschnittlich bereits nach 17 Tagen. Die Nahrungsmittelbranche lässt sich mit 27 Tagen am längsten Zeit.

    Zahlungspünktlichkeit nimmt deutlich zu

    Eine gute Nachricht für Unternehmen, die häufig über säumige Schuldner klagten: Die Zahlungspünktlichkeit erhöhte sich zwischen 2010 und 2012 um sieben Prozentpunkte. Bezahlten 2010 rund 63 Prozent der Kunden ihre Verbindlichkeiten pünktlich, waren es zwei Jahre später branchenübergreifend 70 Prozent. Verspätete Zahlungen entwickelten sich entsprechend rückläufig. Nur vier der analysierten Branchen (siehe Grafik) beklagten eine Zahlungspünktlichkeit von weniger als 70 Prozent.


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