Mittelstandsbotschafter, solvent, Steuern

Auslandsengagements im Fokus der Betriebsprüfung

Die Finanzverwaltung achtet sehr genau darauf, zu welchen Preisen Waren und Dienstleistungen zwischen deutschen und ausländischen Gesellschaften ausgetauscht werden. Hierauf gilt es sich rechtzeitig vorzubereiten.

Große Teile des deutschen Mittelstands sind längst international ausgerichtet

Das Auslandsengagement reicht von der einfachen Repräsentanz im Ausland bis zur rechtlich selbständigen Produktionsstätte mit eigener Verantwortlichkeit für einen bestimmten Markt

Da verwundert es nicht, dass grenzüberschreitende Geschäfte in den Fokus der Finanzverwaltung rücken. Sie haben sich zunehmend zu einem Schwerpunkt in steuerlichen Betriebsprüfungen entwickelt

Hinzu kommt, dass die Kapazitäten in der Finanzverwaltung durch einen verstärkten Einsatz von Auslandsfachprüfern deutlich ausgebaut wurden, und zwar sowohl auf Länder- als auch auf Bundesebene

Leistungsaustausch über die Grenzen hinweg

Innerhalb international tätiger Unternehmensgruppen werden bestimmte Aufgaben häufig zentral von einer Gruppengesellschaft übernommen. Üblich ist das etwa bei der IT, der Finanz- und Lohnbuchhaltung, dem Controlling oder der Personalentwicklung. Für die zentrale Übernahme solcher Leistungen haben die anderen Gruppenunternehmen eine Managementumlage zu bezahlen

Solche Umlagen bzw. Verrechnungspreise spielen aber auch eine Rolle bei Warenlieferungen, bei der Nutzung von Patenten, Software oder Knowhow sowie bei der Überlassung von Mitarbeitern

Für Verrechnungspreise gilt der Fremdvergleichsgrundsatz.

Der Leistungsaustausch zwischen verschiedenen Gesellschaften einer Unternehmensgruppe über die Landesgrenzen hinweg ist angemessen zu bepreisen. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Verrechnungspreise dem sogenannten Fremdvergleichsgrundsatz standhalten

Das bedeutet: Die Höhe des Entgelts muss dem entsprechen, was unter fremden Dritten in vergleichbaren Fällen üblich wäre. Andernfalls nimmt die Finanzverwaltung Korrekturen vor. Diese Korrekturen sind selten von Vorteil. Sie führen meist zu einer höheren Steuerlast

Die Betriebsprüfer rechnen nach.

Sollte eine deutsche Muttergesellschaft ihren Tochtergesellschaften im Ausland nur die tatsächlich entstandenen Kosten weiter belasten, wird die deutsche Finanzverwaltung die Umlage um einen angemessenen Gewinnaufschlag erhöhen. Damit ergibt sich für die Muttergesellschaft ein Mehrergebnis, das zu versteuern ist

Sollte umgekehrt einer deutschen Tochtergesellschaft ein überhöhter Gewinnaufschlag in Rechnung gestellt worden sein, der gegenüber einem fremden Dritten nicht durchzusetzen gewesen wäre, wird die deutsche Finanzverwaltung allenfalls den aus ihrer Sicht angemessenen Gewinnaufschlag akzeptieren. Den darüber hinausgehenden Betrag wird der Fiskus als verdeckte Gewinnausschüttung behandeln

Vorbeugen durch gute Dokumentation.

Wie können nun Unternehmen der Finanzverwaltung belegen, dass ihre Verrechnungspreise einem Fremdvergleich standhalten? Dazu fordert das Gesetz eine angemessene Dokumentation. Diese beschreibt, welcher Leistungsaustausch innerhalb der Gruppe stattfindet (Sachverhalt) und wie die Verrechnungspreise bestimmt wurden (Angemessenheit)

Verrechnungspreise können sonst schnell ein Problem werden.

Die Beispiele zeigen: internationale Leistungsbeziehungen spielen in steuerlichen Betriebsprüfungen eine zunehmende Rolle. Sie sind für den Betriebsprüfer ein lohnendes Revier, um Mehrsteuern zu erzielen

Von zentraler Bedeutung ist daher, dass der Unternehmer in Zusammenarbeit mit seinem Steuerberater eine tragfähige Dokumentation erstellt. Diese sollte nicht nur den deutschen Fiskus zufriedenstellen. Sie muss auch auch die steuerlichen Regelungen des oder der jeweiligen Auslandsstaaten berücksichtigen

Vor einer Betriebsprüfung sollten alle Unterlagen noch einmal auf mögliche steuerliche Risiken hin analysiert werden. Die Zeit drängt: die Verrechnungspreisdokumentation ist auf Anforderung der deutschen Finanzverwaltung innerhalb einer Frist von längstens 60 Tagen vorzulegen


Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

CAPTCHA-Bild

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie weiter