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Tolle Performance: Unternehmenswert steigern

Clevere Firmenchefs geben sich nicht mit dem Status quo zufrieden. Sie arbeiten vielmehr permanent daran, den Wert ihres Betriebs zu steigern. Lesen Sie, auf welche strategischen Maßnahmen es dabei ankommt.

Die Aliseo GmbH in Wolfach im Schwarzwald verzeichnet seit Jahren stetig steigende Umsätze und Erträge. Die Firma beliefert weltweit die führenden Hotelketten mit modernen Haartrocknern und Badzubehör. „Unsere Philosophie ist Schnelligkeit, Aktualität und betriebswirtschaftliche Exzellenz“, erklärt Geschäftsführer Jan Hellfritz. Dazu gehört es für ihn auch, kontinuierlich Verbesserungen anzustreben. Zu diesem Zweck kooperiert Hellfritz zum Beispiel mit Hochschulen: Gemeinsam mit einem Betriebswirtschaftsprofessor analysierte er die Firmenbilanz sowie das Rating. „Für die Unternehmenssteuerung haben wir eine Balanced Scorecard sowie ein Risikomanagement eingeführt“, sagt Hellfritz.

Kontrollierter Wertzuwachs

Derartige Aktivitäten tragen nicht nur zu mehr Planungssicherheit bei, sondern helfen auch, den Unternehmenswert zu steigern. „Es ist eine immanente Aufgabe und das Ziel jedes Managers, den Wert des Unternehmens stetig zu steigern oder wenigstens zu erhalten“, sagt Christian Groschupp, Experte der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner in München. Denn der Wert des Unternehmens spiegelt letztendlich die Zukunftsfähigkeit der Firma wider. Zwar gibt es nicht den einen objektiven Wert und auch nicht nur eine Methode, ihn zu ermitteln. Doch in jedem Fall steigt der Unternehmenswert, wenn der Firmenchef alle Hebel in Bewegung setzt, um seine Erträge nachhaltig zu maximieren.

Clevere Unternehmer analysieren laufend die Stärken und Chancen ihres Betriebs ebenso wie die Herausforderungen durch den Markt und die Konkurrenz. Die Basis für einen hohen Unternehmenswert sind immer auch eine ausgefeilte Strategie sowie schlanke und effiziente Prozesse. Anlass genug für jeden Firmenchef, an den wesentlichen Stellschrauben für Ertragsoptimierung und damit nicht zuletzt für einen hohen Unternehmenswert zu drehen. Die wichtigsten drei Aspekte, die die Geschäftsführung genauer unter die Lupe nehmen sollte, sind:

1. Umsatzwachstum anstreben

Als treibende Kraft für eine Steigerung des Unternehmenswerts gilt das Umsatzwachstum. Diese Größe zeigt an, wie die Leistungen der Firma am Markt ankommen und welchen Mehrwert sie für die Auftraggeber bieten. Besonders wichtig: Eine Umsatzsteigerung darf nicht teuer erkauft werden. Die Erträge sollten mindestens proportional zum Mehrgeschäft steigen. Nur dann wird sich auch der Firmenwert nachhaltig verbessern lassen. Deshalb sollte die Geschäftsführung der Frage nachgehen, mit welchen Maßnahmen sich Umsatz und Profit gleichermaßen steigern und sich Spitzenleistungen erreichen lassen.

Doch Vorsicht: Das Unternehmen darf nicht isoliert gesehen werden. „Erfolgreiche Firmenchefs haben den Markt permanent im Blick“, erklärt Groschupp. Sie trennen sich frühzeitig von wenig rentablen Angeboten und nehmen innovative, ertragreiche Produkte oder Leistungen ins Portfolio mit auf.

2. Mit Innovationen punkten

Nach einer Studie der Universität Wien sammeln besonders fortschrittliche Firmen fast die Hälfte ihres Umsatzes mit neuen Produkten ein. Mit durchschlagendem Erfolg: Die Mehrzahl dieser Unternehmen erzielt ein höheres Wachstum als der Marktdurchschnitt.

Der deutsche Mittelstand setzt hier sogar Maßstäbe: In puncto Forschung und Entwicklung agiert er im Ländervergleich auf den vorderen Plätzen, wie der aktuelle Europäische Innovationsanzeiger belegt. Nach Angaben des Statistischen Amts der Europäischen Union sind hierzulande 37 Prozent der Patentinhaber mittelgroße und 22 Prozent kleine Firmen. „Innovationen sind ein Wachstumsmotor für die gesamte Wirtschaft“, sagt Iris Gleicke, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeswirtschaftsministerium.

» Innovationen entstehen nicht aus Zufall. Wir scannen intensiv den Markt und wollen unseren Kunden einen besonderen USP liefern. « Sabine Herold, Delo

Betriebe, die mit einem professionellen Innovationsmanagement arbeiten, sind deshalb auch klar im Vorteil. „Die Mitarbeiter sollten einbezogen werden“, nennt Experte Groschupp als wichtigen Erfolgsfaktor für ein effizientes Innovationsmanagement. Die Arbeitnehmer dürfen keine Scheu haben, ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Ein gutes Arbeitsklima unterstützt ihre Kreativität. Prämiensysteme beispielsweise motivieren zu außerordentlichem Engagement.

Auch das Unternehmen Delo sichert sich mit der Entwicklung von Produktneuheiten ein Potenzial von gleich mehreren Millionen Euro Umsatz. Die Firma mit Sitz in Windach am Ammersee hat sich auf die Herstellung von Klebstoffen spezialisiert. Unter anderem brachte das Unternehmen einen Display-Klebstoff auf den Markt, für den es in diesem Jahr in der Kategorie Mittelstand mit dem Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet wurde. Der Betrieb mit 400 Mitarbeitern überzeugte die Jury mit seinem systematischen Innovationsmanagement: Kundenwünsche werden gesammelt und als Impulse für Neuheiten genutzt. Meinungs- und Marktführer testen neue Produkte bereits in einer frühen Entwicklungsphase, was eine hohe Reputation bei der Markteinführung schafft.

Dabei nimmt das sogenannte Projektinformationsteam eine zentrale Rolle ein. Beteiligt sind neben der Geschäftsleitung Mitarbeiter der Abteilung Forschung und Entwicklung bis hin zum Vertrieb. Jeder Teilnehmer engagiert sich von der Idee bis zur Markteinführung am Innovationsprozess und entscheidet über jeden Schritt mit. „Innovationen entstehen nicht aus Zufall. Wir scannen intensiv den Markt und wollen unseren Kunden einen besonderen USP liefern“, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin Sabine Herold.

3. Eine Firma aufkaufen

Wertsteigernde Effekte erzielen Unternehmer darüber hinaus durch Übernahmen und Fusionen. Akquirierende Firmen konnten nach dem Quarterly Deal Performance Monitor der Beratungsgesellschaft Towers Watson weltweit einen um 4,5 Prozentpunkte höheren Wertzuwachs verzeichnen als nicht-akquirierende Wettbewerber. Die zentrale Rolle spielt dabei die Qualität der Fusion. Unternehmen, die in der Deal-Bewertungsphase umsichtig agieren und sich mehr als 70 Tage für ihre Wahl Zeit lassen, erzielen nach der Studie bessere Ergebnisse als schnelle Entscheider. „Eine sorgfältige Risikoeinschätzung, eine kritische Beurteilung der Performance und der sensible Umgang mit der Unternehmenskultur von Übernehmer und Übernehmendem sind zentral für das Gelingen einer Transaktion“, erklärt Helmuth Uder, M&A-Experte bei Towers Watson.

Wertorientierte Firmenchefs stellen also regelmäßig ihr Unternehmensportfolio auf den Prüfstand und sind bereit, bei Bedarf strategische Veränderungen einzuleiten. Wenn nicht alle an der Unternehmensführung Beteiligten an einem Strang ziehen, können solche Neuausrichtungen den Anstoß für eine Treuhandlösung geben. Dabei übernimmt ein Treuhänder auf Zeit die Unternehmensführung, um das Konzept umzusetzen. „Das Werkzeug der Treuhand kann zur nachhaltigen Wertsteigerung eingesetzt werden“, erklärt Experte Groschupp. Und zwar zum Beispiel dann, wenn Unstimmigkeiten im Gesellschafterkreis die Wertentwicklung des Unternehmens behindern. In diesen Fällen wird ein „neutraler“ Chef eingesetzt, der alle notwendigen Entscheidungsbefugnisse erhält. „Wesentlich für den Erfolg einer solchen Treuhandlösung ist es, alle Teilhaber frühzeitig einzubinden sowie die einzuleitenden Maßnahmen klar zu definieren. Nicht zuletzt sollte der Grad der Zielerreichung mit einem entsprechenden Controlling und Reporting überprüfbar sein“, sagt Groschupp. Die Rechte und Pflichten des Treuhänders sind dabei passend zum jeweiligen Konzept auszugestalten.

(c) Erhan Ergin/ fotolia.com/ Eurostat/ BVD, Creditreform-Magazin 11/2014

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Eine solche Wertsteigerungstreuhand wird allerdings bei den meisten mittelständischen Firmen nicht gefragt sein. Bei inhabergeführten Betrieben kommt es nämlich vielmehr darauf an, gemeinsam im Team mit den übrigen Führungskräften eine wachstumsorientierte Unternehmensstrategie zu justieren. Eine Strategie, die beispielsweise Aliseo-Chef Jan Hellfritz erfolgreich in die Praxis umsetzt.

 

SO STEIGERN SIE DEN WERT IHRES BETRIEBS

Firmenchefs können strategisch wie auch operativ ihren Unternehmenswert erhöhen – zum Beispiel anlässlich einer mittelfristig geplanten Nachfolge oder im Zuge einer Expansion in neue Märkte. Die wichtigsten Aspekte, auf die es ankommt:

Diversifizierung

Eine breite Leistungspalette ist in vielen Unternehmen die Basis für langfristigen Erfolg. Der Firmenchef sollte ermitteln, mit welchen Leistungen und Produkten sich die höchsten Deckungsbeiträge ergeben, um durch deren gezielten Abverkauf die Erträge zu steigern. Eine marktgerechte und wettbewerbsfähige Leistungspalette sichert den Wert der Firma. Spezialisierungen in Märkten mit hoher Nachfrage wirken sich positiv aus. Der Firmenchef sollte darauf achten, das Leistungsspektrum neuen Entwicklungen frühzeitig anzupassen.

Kosten

Die Entwicklung der einzelnen Kostenstellen haben Unternehmer selbstverständlich auf dem Radar. Davon ausgehend leiten sie Maßnahmen ein, um die Produktivität zu erhöhen. Die internen Abläufe hinterfragen sie jährlich über alle Leistungsbereiche und Hierarchieebenen hinweg. Zudem verhandeln sie Verträge mit Lieferanten neu und loten Optimierungspotenziale bei Beschaffung und Absatz aus. Das Ergebnis dieser Bemühungen: Die Fixkosten werden niedrig gehalten, die Prozesse optimiert und die Produktionskosten gesenkt. Zudem ist ein Outsourcing einzelner Bereiche zu prüfen.

Finanzierung

Ein perfekt organisiertes Forderungsmanagement, kurze Zahlungsfristen bei den Abnehmern, die Nutzung von Factoring und Vorkasse sowie die Lageroptimierung – solche Maßnahmen steigern die Liquidität. Je besser das Unternehmen aufgestellt ist, desto weniger Risiken bestehen für die Finanzierung. Langfristige Investitionen sollten nach der goldenen Finanzierungsregel mit langfristigen Krediten gedeckt sein.


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