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Finanzierung, solvent

Finanz-Spezial (5): Glücksfall Sanierung

Private Investoren, öffentliche Geldgeber, Banken: In Krisensituationen haben Unternehmer einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, um neue Kapitalgeber zu gewinnen. Dabei kommt es vor allem auf ein erfolgversprechendes Sanierungskonzept an.

 

Die Praxis

In der Lebensmittelbranche gehört ein starker Preis- und Verdrängungswettbewerb zum Alltag. Albrecht Jud weiß das aus leidvoller Erfahrung. Der 45-Jährige ist Geschäftsführer der Jufico GmbH in Horb am Neckar. Die Firma produziert Smoothies, Frucht- und Gemüsepürees in Quetschbeuteln sowie Snacks für Kleinkinder in Bioqualität unter der Marke Fruchtbar. „Vor rund fünf Jahren steckten wir in einer schweren Krise, wir standen kurz vor der Zahlungsunfähigkeit“, erinnert sich Jud. Dabei war das Unternehmen erst vier Jahre am Markt.

„Wir waren die Ersten mit Smoothies in Deutschland. Als wir dann nach zwei Jahren auch den Lebensmitteleinzelhandel beliefern wollten, gab es 14 Wettbewerber, die dieses Marktsegment schon besetzt hatten“, so der Firmenchef. In dieser Situation entschied er sich gemeinsam mit seinem Partner Gordon Findlay dazu, die Produktpalette um Fruchtpürees für Kleinkinder zu erweitern. „Im ersten Schritt erstellten wir einen ausführlichen Businessplan für unser neues Konzept“, so Jud. Im zweiten Schritt nahm das Unternehmerduo Kontakt zu privaten Investoren auf. „Es war vor allem schwierig, auch die Bank zu überzeugen, uns weiter Kredit zu geben“, erinnert sich Jud. Das gelang nur mit einer privaten Bürgschaft . Zudem stockten die Unternehmer mit Privateinlagen das Eigenkapital der GmbH auf. Damit ist der Neustart auf ganzer Linie geglückt.

„Es war vor allem schwierig, auch die Bank zu überzeugen, uns weiter Kredit zu geben.“ Alfred Jud, Jufico GmbH

Die Finanzstrategie

Wenn eine Sanierung so wie bei Jufico läuft, ist das der Idealfall. Entscheidend für den Turnaround in der Krise ist es, mit einem tragfähigen Konzept mehrere Geldgeber ins Boot zu holen. Risikostreuung lautet das Motto. Wie die Restrukturierung und Neuorientierung der Firma gelingen kann:

Plan erstellen. Befindet sich die Firma in einer Krisenphase ist es besonders wichtig, den Status quo zu ermitteln. Das bedeutet: Der Unternehmer analysiert, ob er noch für die richtige Zielgruppe die Produkte oder Dienstleistungen erbringt und den tatsächlichen Bedarf überhaupt noch abdeckt. Danach ist festzustellen, mit wie viel Umsatz er welchen Ertrag erzielen kann und wo die Schwachstellen im Angebotsspektrum liegen. Aus diesen Erkenntnissen leitet der Unternehmer konkrete Maßnahmen ab, wie sich Umsatzchancen und gleichzeitig Deckungsbeiträge generieren lassen. „Es gilt neue Ziele zu formulieren, einen Unternehmensplan aufzustellen und das Betriebsergebnis vorausschauend zu kontrollieren“, erklärt Jörg T. Eckhold, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Eckhold Consultants GmbH im rheinischen Tönisvorst.

Hat umfassende Sanierungserfahrung: Berater Jörg Eckhold. © Eckhold Consultants GmbH

Hat umfassende Sanierungserfahrung: Berater Jörg Eckhold. © Eckhold Consultants GmbH

Dazu sollte ein erfahrener Unternehmensberater eingeschaltet werden. Erste Ansprechpartner können die Kammern und Verbände sein. Auch die KfW Förderbank unterstützt in schwierigen Situationen. Für eine Turnaround-Beratung durch einen qualifizierten Experten gibt es einen Zuschuss in Höhe von bis zu 75 Prozent. Die Firmenchefs erhalten Unterstützung bei wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen. Maximal zahlt die KfW 6.000 Euro für Betriebe in den neuen und 4.000 Euro für solche in den alten Bundesländern. Es darf allerdings noch kein Insolvenzantrag gestellt worden sein. Im vergangenen Jahr waren laut Schätzung der Vereine Creditreform rund 24.000 Firmen von einem Konkurs betroffen (siehe Grafik).

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