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    Finanzierung, solvent

    Finanz-Spezial (4): Expandieren – Erweiteter Horizont

    Für den deutschen Mittelstand werden auch entferntere Märkte immer bedeutsamer – und damit deren Währungen. Es gibt Strategien, mit denen sich deutsche Exporteure, aber auch Importeure im Auf und Ab von Euro, US-Dollar, Renminbi und Co. optimal aufstellen können.

     

    Die Praxis

    Produkte im Ausland zu vertreiben, ist das eine – Rohmaterialien in fernen Ländern einzukaufen, das andere. „Es gibt immer mehr Umsätze in Fremdwährungen“, sagt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. „Unternehmer tun sich aber manchmal noch schwer, die damit verbundenen Risiken zu steuern.“ Die Situation ist stets die gleiche, erklärt Schiereck: Lieferung und Zahlung finden nicht gleichzeitig statt. Aus Sicht eines Exporteurs, der in fremder Währung abrechnet, besteht die Gefahr, dass er Ware liefert und – weil die Devisen abwerten – später weniger Euro in der Hand hat als kalkuliert. Umgekehrt kann es einem Importeur passieren, dass er Wochen und Monate nach der Lieferung zu viel bezahlt, weil etwa der Euro-US-Dollar-Kurs gefallen und der US-Dollar-Rechnungsbetrag umgerechnet in Euro damit teurer geworden ist.

    Die Finanzstrategie

    „Unternehmen, die exportieren oder importieren, können verschiedene Strategien verfolgen, um sich abzusichern, etwa Devisentermingeschäfte, Devisenoptionen oder Fremdwährungskredite nutzen“, erklärt Ralf Vogt, WGZ-Bank- Experte für Zins- und Währungsmanagement. Wer geschickt mit solchen Instrumenten operiert, schaut dann bei jedem Geschäft, was gerade am günstigsten für ihn ist. Die Differenz macht mitunter bis zu zehn Prozent aus. Hier einige Szenarien:

    Fremdwährung einnehmen. Gerade kleinere Betriebe können ihre Produktion oft nicht in die Zielmärkte verlagern. Wenn ihre Kunden nicht in Euro zahlen wollen, erhalten sie ihr Geld also in fremder Währung – und zwar fast immer mehrere Wochen oder gar Monate nach Lieferung. Verliert die Auslandswährung zwischenzeitlich an Wert, erhalten sie im Tausch weniger Euro. Dagegen sichern sich Unternehmer zum Beispiel per Devisentermingeschäft ab. Das Prinzip: Sobald sie die Ware liefern, sichern sie sich für den Gegenwert der offenen Rechnung die fremde Währung, und zwar basierend auf dem aktuellen Kassakurs. Dieser Terminkurs gilt dann etwa, bis die Zahlung fällig wird. Nachteil: Sollte sich der Wechselkurs zugunsten des Unternehmers entwickeln, muss er am Ende der Laufzeit trotzdem zum Terminkurs tauschen.

    In Fremdwährung bezahlen. Bei den wenigsten Exporteuren fließen Devisen nur in eine Richtung. Meist beziehen sie auch Rohstoffe oder Vorprodukte aus fremden Währungsräumen. Damit ist eine gewisse Währungssicherung eingebaut. Dennoch bleibt ein Risiko. Richtig kompliziert wird es, wenn mehr als zwei Währungsräume im Spiel sind, aus denen man sowohl Waren bezieht als auch dorthin liefert. Neben Termin- und Devisenoptionsgeschäften lässt sich auch sofort nach Bestellung ein Eurokredit aufnehmen, das Geld in die fremde Währung tauschen und es bis zur Zahlung anlegen.

    Von Währungsschwankungen profitieren. In Situationen, in denen Wechselkurse erheblich schwanken oder in denen der Wert einer Fremdwährung tendenziell sogar steigt, kann es sich lohnen, Exportgeschäfte nicht nur nach unten abzusichern, sondern potenzielle Kursgewinne mitzunehmen. Dafür eignen sich Devisenoptionen. Das Prinzip: Der Unternehmer erwirbt das Recht, die Devisen am Ende der Laufzeit zu einem Terminkurs zu tauschen. Damit sichert er sich gegen Wechselkursverluste ab. Er muss diese Devisenoption aber nicht ausüben, sondern kann sie auch zum aktuellen Kurs, falls dieser günstiger ist, tauschen. Nachteil: Devisenoptionen als Sicherungsinstrument sind teurer als Termingeschäfte.

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