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erfolgreich, Fuhrpark

Neues vom Straßenzoll

Ständige Änderungen bei der Maut erschweren Logistikbetrieben das Geschäft – etwa eine verlässliche Preisfindung. Das Creditreform-Magazin gibt einen Überblick: Was ändert sich wann? Und wie sollten Unternehmer reagieren?

Mit der Lkw-Maut hat sich Karlhubert Dischinger schon lange abgefunden. Doch über eins kann sich der Chef der Karldischinger Logistikdienstleister GmbH aus Kirchhofen bei Freiburg dennoch ärgern: „Drei Änderungen bei der Mautpflicht in einem einzigen Jahr sind eindeutig zu viel des Guten“, schimpft der Unternehmer. „Wie soll ich da mit meinen Kunden über  Transportpreise reden?“

Was bisher geschah

Wir erinnern uns: Zum 1. Januar 2015 wurden die Luftverschmutzung von Lkws in die Mautbeträge eingerechnet und für die besonders schadstoffarmen Euro-6-Lkws eine eigene günstigere Mautklasse geschaffen. Seither setzt sich die Gebühr aus zwei sogenannten Mautteilsätzen zusammen – für Infrastruktur- und für Luftverschmutzungskosten. Der erste Teil ändert sich vom 1. Oktober an, Letzterer bleibt bis Ende 2017 konstant, immerhin.

„Drei Änderungen bei der Mautpflicht in einem einzigen Jahr sind zu viel.“ Karlhubert Dischinger, Karldischinger Logistikdienstleister GmbH

Zum 1. Juli war nämlich die nächste Neuerung in Kraft getreten: Die Mautpflicht wurde um weitere 1.100 Kilometer ausgedehnt – auf nun insgesamt 2.350 Kilometer autobahnähnliche vierstreifige Bundesstraßen. Dischingers Unternehmen ist davon nicht allzu sehr betroffen, denn seine Lkws sind überwiegend regional unterwegs. „In Baden-Württemberg gibt es ohnehin nicht so viele vierstreifige Bundesstraßen wie in anderen Bundesländern“, so Dischinger.

Insgesamt müssen Lkws nun auf etwa 15.000 Kilometern Autobahnen und autobahnähnlichen Bundesstraßen Maut zahlen. Dabei wird auch zum ersten Mal auf sogenannten Inselstrecken die Benutzungsgebühr fällig. „Das sind Straßen, die nicht unmittelbar an das übrige mautpflichtige Netz angeschlossen sind“, erklärt Claudia Steen, Sprecherin von Toll Collect. Deren Länge muss mindestens eine Strecke von vier Kilometern betragen.

Wie viele Achsen?

Die nächste Änderung steht ebenfalls kurz bevor: Vom 1. Oktober 2015 an sinkt die Zahlgrenze von derzeit zwölf Tonnen auf dann nur noch 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Zudem ändert sich die Anzahl der Achsklassen und – dadurch bedingt – fallen für den Mautteil „Infrastrukturkosten“ neue Sätze an. Toll Collect betreibt mit dem Bundesamt für den Güterverkehr (BAG) „ein System zur Erhebung einer streckenbezogenen Benutzungsgebühr (Maut) für schwere Nutzfahrzeuge“. Die Mitarbeiter des Bundesamts kontrollieren dabei die Brummis mit mobilen und stationären Geräten, aber auch mit speziell ausgerüsteten Fahrzeugen. So seit dem 1. Juli auch auf der vierspurigen Bundesstraße zwischen Reutlingen und Metzingen.

Einschneidend wird für Logistikunternehmer Dischinger allerdings die Neuregelung der Achsklassen von Oktober an ausfallen. Bislang gibt es nur zwei Kategorien mit unterschiedlichen Tarifen – je nachdem, ob der Brummi bis zu drei Achsen hat oder mehr. Von Oktober an existieren jedoch insgesamt vier Klassen: mit zwei, drei, vier sowie fünf und mehr Achsen. Zahlen Fahrzeuge mit vier und fünf Achsen bis zu diesem Termin das Gleiche, werden vierachsige Lkws von Oktober an bessergestellt. So werden dann für einen vierachsigen Lkw der Euro-6-Schadstoffklasse 11,7 Cent und für einen Fünfachser der gleichen Klasse 13,5 Cent fällig, also 1,8 Cent mehr pro Kilometer.

Das ist allerdings für Dischinger kein Argument, auf vierachsige Fahrzeuge umzusteigen. Zum einen, weil diese Fahrzeuge weniger Waren und Produkte transportieren können, und zum anderen, weil sein Unternehmen sich nicht bei jeder Mautänderung neue Fahrzeuge zulegen kann. Außerdem betont der Unternehmer, der auch Vorsitzender des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg ist: Ein Fünfachser schädigt die Straßen weniger als ein vierachsiger Lkw, weil bei diesem mehr Druck auf den einzelnen Achsen lastet. Und laut Berechnungen des Verbands Pro Mobilität steigt die Belastung der Straßenoberfläche durch höhere Achslasten sogar um 40 Prozent, wenn bei jeweils maximal zulässigem Gesamtgewicht statt eines fünfachsigen 40-Tonnen-Sattelzugs ein vierachsiger mit 38 Tonnen zum Einsatz kommt.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wie Sie Gesetzeslücken nutzen können.


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