Carl-Dietrich Sander ist UnternehmerBerater und Mittelstandsbotschafter für Finanzierungsfragen. 
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Finanzierung, Mittelstandsbotschafter, solvent

Bargeldbegrenzung – unsere Freiheit und unsere Haftung

Die Diskussion über die Begrenzung von Bargeldzahlungen (oder gar die komplette Abschaffung des Bargeldes) hat viele Aspekte. Ein Kommentar.

Dass die Begrenzung von Bargeldzahlungen unsere private wie unternehmerische Freiheit beeinträchtigt, wird vielfach debattiert. Die Stimmen, die dazu auf die Datensicherheit verweisen, werden täglich durch neue Datencrash-Vorfälle widerlegt. Und dass der Staat einmal eingerichtete Datenzugänge immer intensiver nutzt, zeigt das aktuelle Beispiel der explosionsartigen Zunahme der Kontostandsabfragen. Gibt es dazu eigentlich schon ein Gesetz nach dem Motto: Wenn der Staat einmal Zugriff hat, wird dieser pro Jahr um mindestens 100 Prozent ausgeweitet?

Was aber bisher noch nicht so intensiv diskutiert wird, sind die damit einhergehenden Haftungsfragen aus dem Wirtschaftsverkehr und dem Finanzierungsgeschehen. Dazu ein tägliches Beispiel: Der Autokauf. Der Händler erwartet von mir als Käufer ein Zug-um-Zug-Geschäft: Auto gegen Geld. Also benachrichtige ich meine Bank, dass ich in drei Tagen 20.000 Euro in Bar abheben möchte. Fahre zur Bank, erhalte das Geld in meiner Filiale diskret im Hinterzimmer ausgehändigt, fahre zum Autohändler – und das Zug-um-Zug-Geschäft findet statt.

Was die Begrenzung ändert

Wie aber jetzt bei einer Begrenzung der Bargeldzahlung auf 5.000 Euro? Dann können Sie ja überweisen, heißt die Lösung. Klar, das muss ich aber einen Tag vorher tun. Und wenn an diesem Abend der Autohändler Insolvenz anmeldet?! Ich kann die 20.000 Euro aber gar nicht an einem Tag überweisen. Mein Konto lässt – zu meiner Sicherheit gegen möglichen Missbrauch – nur Überweisungen von in der Summe 5.000 Euro pro Tag zu. Also muss ich viermal 5.000 Euro überweisen. Konsequenz: Die Zeit, in der der Autohändler insolvent werden kann, verlängert sich damit auf vier Tage. Wenn die Insolvenz wirklich eintreten sollte: Entschädigt mich dann der Staat für meinen Ausfall, weil er mir das Bargeldgeschäft verboten hat? Naive Frage – oder?!

Dann müssen Sie sich eben über die Bonität des Autohändlers erkundigen. So führt ein Thema, zum nächsten Datenthema. Will ich das, wollen wir das wirklich?

Und spannende Frage: Welche Haftungsthemen würden bei Ihrem Geschäftsmodell durch eine Begrenzung der Bargeldzahlungen auftreten, über die Sie sich heute keine Gedanken zu machen brauchen?


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Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Sander, die Bargeld Abschaffung ist notwendig um Guthaben mit negativen Zinsen zu belegen. Damit wird dann die Staatsverschuldung reduziert. So ergibt die Ausweitung der Staatsschulden Sinn. Mit freundlichen Gruessen Ulrich Wemkel

    Antworten
    • Carl-Dietrich Sander

      Die volle Wirkung der Negativzinsen für alle Einleger ist ein Ziel der Bargeldabschaffung. Jounalist Norbert Häring geht in seinem Blog aktuell noch einen Schritt weiter und sieht eine abgestimmte Kampagne dahinter: http://p.feedblitz.com/r3.asp?l=113865044&f=936462&c=5113062. Wenn man seinen Gedanken folgt, ist es schon spannend sich die weitere Debatte vorzustellen. Nebenbei: Wieder ein Thema, das Wasser auf die Mühlen der AfD leiten wird. Hat Schäuble das bedacht? Oder auch die nächste Frage: Wären wir bereit, für diesen Aspekt unserer Freiheit zu demonstrieren?

      Antworten
  2. Finger in die Wunde gelegt! Exzellent und völlig richtig. Neben der Risikosteigerung für den Endverbraucher ist die immer weiter fortschreitende Entmündigung und Freiheitsbeschränkung für den Bürger allmählich unerträglich! Wo sind die politischen Kräfte, die die Freiheit bewahren wollen! George Orwells Prophetie bewahrheitet sich Stück für Stück. Das Terrorismus Argument ist lediglich vorgeschoben.

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