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Die Demografie der Unternehmensnachfolge

Wir hören immer wieder, dass viele tausend Unternehmen in den nächsten Jahren ihre Unternehmensnachfolge regeln müssen. Doch was bedeutet das konkret für die regionale Wirtschaft? Am Beispiel einer von der Handelskammer Lübeck auf einer Tagung der KfW vorgestellten Studie versuchen wir einmal die Auswirkungen demografischer  Entwicklungen auf die Unternehmensnachfolge in Schleswig-Holstein zu skizzieren.

Autor des nachfolgenden Beitrags ist mein Kollege Ingo Claus, K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten – Osnabrück.

Laut dem Institut für Mittelstandsforschung stehen bis 2018 rund 9.300 Unternehmen in Schleswig-Holstein und Hamburg vor Ihrem Generationswechsel. Dies nahm ein schleswig-holsteinisches Beratungsunternehmen zum Anlaß, in beiden Bundesländern die Gesellschafterstruktur der Unternehmen  mit einem Umsatz zwischen einer und 200 Millionen Euro im Rahmen einer Studie zu untersuchen. Diese Erhebung kam zu interessanten Ergebnissen, die teilweise von denen des IFM abweicht.

Herausforderung-Unternehmensnachfolge-Schleswig-Holstein

Zum Vergrößern klicken: Diese Grafik zeigt die Bedeutung der Unternehmensnachfolge für die Wirtschaft in Schleswig-Holstein

Die Untersuchung macht allerdings zwei Dinge sehr deutlich:

  • In den nächsten Jahren steht Schleswig-Holsteins Wirtschaft ein tiefgreifender Generationswechsel bevor. Die geburtenstärksten Jahrgänge der Bundesrepublik kommen in den kommenden Jahren ins Ruhestandsalter. Die in diesen Jahren geborenen Unternehmer werden sich zwangsläufig mit der Regelung ihres unternehmerischen Erbes auseinander setzen müssen.
  • Etwa 7.000 Unternehmen in Schleswig-Holstein und Hamburg mit einem Umsatz von etwa 34,9 Milliarden Euro und weit über 200.000 Mitarbeitern sind heute in der Hand von Gesellschaftern, die älter als 65 Jahre sind. Viele von diesen sind noch in geschäftsführender Funktion tätig. Bei vielen Unternehmen wird der Handlungsbedarf in naher Zukunft steigen.

Handlungsdruck in Sachen Unternehmensnachfolge steigt bundesweit

Diese in der Studie dargelegte demografische Entwicklung kann so oder so ähnlich auf fast jedes deutsche Bundesland übertragen werden. Damit wird deutlich, dass der Handlungsdruck zur Regelung der Unternehmensnachfolge in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird.

Zwei Faktoren erschweren den Generationswechsel zusätzlich:

  • Der Fachkräftemangel in der Wirtschaft führt nach einer Studie des DIHK zum bevorstehenden Unternehmermangel. Bei der Suche nach einem externen Nachfolger kämpfen Deutschlands Unternehmer ebenfalls um die besten Köpfe.
    Doch eine Unternehmensnachfolge kommt für viele qualifizierte potentielle Kandidaten oftmals nicht in Betracht: Ihnen spielt der Fachkräftemangel in die Hände, so dass für sie eine sichere Festanstellung oftmals attraktiver als die riskante Übernahme einer Firma ist. Der Fachkräftemangel führt somit zu einem Unternehmermangel. Und viele Unternehmerkinder gehören ebenfalls zu diesen besonders umworbenen und gut ausgebildeten Fachkräften.
  • Unternehmerkinder scheuen die Übernahme der Verantwortung im Familienunternehmen. Dies sagt zumindestens eine Studie der Universität St. Gallen: Weniger als 40% aller Unternehmen gelingt die familieninterne Unternehmensnachfolge. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei mehr als 60%. Denn vielen Unternehmerkindern erscheint eine Angestelltenlaufbahn mit geregelten Arbeitszeiten, Einkommen und Urlaub deutlich attraktiver als eine 24/7-Unternehmerkarriere familieneigenen Unternehmen.

Der aktuelle und künftige Nachfolger-Notstand hat daher auch schon die Politik, Wirtschaftsverbände und Banken alarmiert. Deutschlandweit finden regelmäßig Beratungen, Vorträgen und Seminaren zum Thema Unternehmensnachfolge statt.

Der Seniorunternehmer macht den ersten Schritt zu einer Unternehmensnachfolge

Die Finanzierungsbedingungen und andere Rahmenbedingungen für Unternehmensnachfolger haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Bund, Länder und die Europäische Union stellen attraktive Fördermittel für Unternehmensnachfolger bereit.

Letztendlich können Externe nur für das Problem sensibilisieren. Den ersten Schritt muss der Seniorunternehmer selbst tun. Zur Gewährleistung eines geordneten Übergangs sollte sich ein Unternehmer mit Mitte 50 das erste Mal mit seiner eigenen Unternehmensnachfolge auseinander setzen.

Welche Fragestellungen ein Unternehmer in diesem Prozess beantworten muss, beleuchten wir in unserem nächsten Beitrag.


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Kommentare

  1. Wenn man dann in der Praxis ständig miterlebt, wie schwierig es beispielsweise bei einem Management-Buy-In eine Bankfinanzierung zu bekommen, muss man sich nur wundern. – Aber vielleicht wird der Strafzins auf Einlagen bei der EZB hier langsam ein Umdenken bringen und Banken auch wieder mal in vermeintliche Risiken gehen.
    Heute tut sich ein potentieller MBI-Kandidat sehr schwer, eine Finanzierung zu erhalten – will er nicht sein Privathaus und seine Lebensversicherung als Sicherheit opfern. Hier ist auch unser Staat gefragt, unbürokratisch und schnell zu unterstützen. Sonst brechen uns noch tausende von Arbeitsplätzen weg; ganz zu schweigen vom Steueraukommen, wenn ein Unternehmen ohne Nachfolgeraufgelöst werden muss.

    Antworten
  2. Danke für Ihren Hinweis. Dies macht noch einmal umso deutlicher, wie wichtig eine gute Vorbereitung einer Unternehmensnachfolge ist. Und zwar auf Seiten des Unternehmensnachfolgers als auch des abgebenden Unternehmers. Für den Übernehmer bedeutet dies ein Finanzierungskonzept zu entwickeln, dessen Dreh- und Angelpunkt der Geschäftsplan ist.
    Das Thema Sicherheiten spielt dabei immer eine große Rolle. Hier bedarf es auch einer Sensibilisierung von MBIs, die Haftungsfreistellung durch die KfW leider oft gleichsetzen, dass ohne persönliche Sicherheiten finanziert werden kann. Banken erwarten nun einmal je nach Branche zwischen 10 und 30% Eigenkapital und oftmals eine persönliche Haftung des Finanzierenden.
    Und vielleicht werden Banken zukünftig auch stärker ins Risiko gehen, wenn das Konzept eines MBI schlüssig ist. Dies wird sicherlich einzelfallabhängig bleiben.

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