Hard- & Software, vernetzt

(Digitale) Chancen sind zum Nutzen da

Die Integrated Industry, wie sie auch auf der diesjährigen Hannover Messe diskutiert wird, bereitet vielen Unternehmen noch Kopfzerbrechen. Dabei müssen sie aber wissen: Technologie ist kein Selbstzweck. Doch leider nutzen noch viel zu wenige Firmen die Chancen, die sich durch Digitalisierung und Vernetzung eröffnen. „Deutschland digitalisiert sich zu zaghaft“, titelt der Spiegel und spricht damit einige dringliche Probleme in unserer Wirtschaft an, etwa die abnehmende Bereitschaft der kleinen und mittleren Unternehmen, in Forschungs- und Innovationsaktivitäten zu investieren. „Deutsche Unternehmen sind in der Gesamtschau der Digitalisierungsaktivitäten nach 40 Jahren allenfalls internationales Mittelmaß“, liest man betroffen.

Technologie ist kein Selbstzweck. Unternehmer automatisieren und optimieren ihre Prozesse durch IT-Systeme, um ihre Firmen auch in der Zukunft fit zu halten für den Wettbewerb. Denn wie in der Wirtschaftswoche meines Erachtens nach korrekt dargestellt gilt: „Das Schlüsselwort heißt bei Unternehmen wie Zulieferern Agilität: die Lieferkette muss genauso schnell und anpassungsfähig sein wie die Mitarbeiter der heimischen Produktion. […] Wer schnell auf Unvorhergesehenes reagieren kann, ist erfolgreicher als andere.“ Automatisierung und Digitalisierung bieten hier entscheidende Chancen.

Kleine Störungen mit großem Schaden

Ob fehlende Maschinenkapazitäten in der Produktion, verspätete LKW mit benötigten Ersatzteilen oder spontan eingehende Kundenaufträge, die die Absatz- und Beschaffungsplanung durcheinander bringen: Jeder Mittelständler kennt diese kleinen Störungen im Alltag, die Betriebsabläufe so eindringlich behindern und Schaden anrichten, insbesondere wenn Kundenerwartungen dadurch nicht erfüllt werden können. Dem kann das Management heute Abhilfe schaffen, wenn es Technologien nutzt, die die Agilität des Unternehmens stärken.

Das Familienunternehmen Arburg GmbH + Co KG mit Sitz im Nordschwarzwald beispielsweise produziert Spritzgussmaschinen für Kunststoffteilfertigungen, die in zahlreichen Branchen zum Einsatz kommen. Die auftragsorientierte Einzelfertigung benötigt eine komplexe und weit vorausgreifende Kapazitätsterminierung. Neben der Auslastung der Fertigung hat vor allem eine maximale Termintreue der Kundenaufträge höchste Priorität im Prozess. Darum wirken sich unvorhersehbare Störungen in den geplanten Abläufen umso schlimmer aus.

Agiles Management gegen das Unerwartete

Erreicht eine Materiallieferung das Unternehmen verspätet oder in unzureichender Qualität, müssen alle Arbeitsgänge, die dieses Material benötigen, verschoben werden. Mehrere Tage oder sogar Wochen können verloren gehen. Die Termintreue leidet, im schlimmsten Fall kann der Kundenauftrag nicht fristgerecht ausgeliefert werden. Gleichzeitig bleiben durch das fehlende Material zeitnah Fertigungs­kapazitäten ungenutzt, die für den nun verzögerten Auftrag eigentlich eingeplant waren.

Hier setzen jene Chancen an, die sich durch die digitalisierten Arbeitswelt auftun. Computertechnologie hilft dem Management, selbst unter hohem Zeitdruck den Überblick über alle dringlichen Vorgänge zu behalten. Speziell agile Optimierungssoftware geht noch einen Schritt weiter: Sie ist sogar in der Lage, die vorhandenen Daten in bestmögliche Entscheidungen zu übersetzen. Im Fall von Arburg kann sie Arbeitsgänge anderer Fertigungsaufträge nach vorne ziehen – und zwar gezielt solche mit Verspätungen infolge früherer Störungen. Per Saldo lassen sich so möglichst viele Termine, die zu einem früheren Zeitpunkt verschoben wurden, doch noch „retten“.

Ganz allgemein stärkt diese Form des agilen Managements die Widerstandskraft von Unternehmen, ihre Resilienz. Sie ist eine angemessene Antwort auf das Phänomen zunehmender Unplanbarkeit in Zeiten immer größerer Komplexität, Vernetzung, Beschleunigung und Termindrucks in Produktion, Supply Chain und Logistik.

Optimierung im Kleinen beginnen

Ich kann nur empfehlen, dem digitalen Wandel offen gegenüberzustehen und sich aktiv mit neuen Lösungen zu beschäftigen. Es muss nicht sofort der komplexeste oder strategisch relevanteste Prozess im Unternehmen sein, der optimiert wird. Wer Bedenken hat, beginnt mit einem kleineren, überschaubaren Prozess und probiert sich dort aus. Die Ergebnisse lassen sich später auf umfangreichere Projekte anwenden. Dafür findet man heutzutage eine ganze Reihe an Technologien, die auch kleineren und mittelständischen Unternehmen leicht zugänglich und einfach umsetzbar sind. Sei es im Bereich von Hardware, etwa der industriellen Robotik, oder Software im Bereich entscheidungsintelligenter Algorithmen.


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