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Wie zukunftsfähig ist die deutsche Wirtschaft? Das hängt ab vom Umgang der Politik mit unserem Mittelstand

Die aufstrebende chinesische Industrie sorgt hierzulande für wachsende Konkurrenz – gerade derzeit, wo nachlassende Wachstumsraten des Landes viele chinesische Unternehmen umso aktiver nach Exportmöglichkeiten suchen lassen. Zur gleichen Zeit dringen US-Konzerne wie Google, Amazon und Apple mit ihrer Startup-DNA auf immer neue Märkte vor, wo sie, etwa in der fahrerlosen Mobilität und Elektromobilität, mit Kernkompetenzen der deutschen Industrie in Wettbewerb treten. Oft gilt die ingenieurgetriebene deutsche Mentalität im Gegensatz zur amerikanischen (und asiatischen) als gründlich, aber etwas langsam. Wie steht es angesichts dieser globalen Herausforderungen um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, die traditionell stark vom Export abhängig ist?

Bislang hat die deutsche Wirtschaft alle Herausforderungen des globalen Strukturwandels gut gemeistert und angesichts der Stärke im Anlagenbau sogar vom rasanten Aufstieg Chinas zum Industriestaat profitiert. Deutschland hat seinen Anteil am Welthandel in den letzten 20 Jahren verteidigt, während andere klassische Industrieländer wie die USA, Großbritannien und Frankreich ihre Industrieproduktion erheblich einschränken mussten und globale Marktanteile an China verloren haben. Insbesondere der industrielle Mittelstand und die etwa 1.300 exportstarken „Hidden Champions“ konnten sich auf den weltweiten Märkten behaupten. Hilfreich waren dabei allerdings die Reformen der Agenda 2010, die Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit insgesamt erhöht haben. Seit 2005 schaffen die deutschen Unternehmen unter dem Strich wieder Arbeitsplätze, während sie zuvor die Anzahl der Stellen im Inland angesichts vielfältiger Belastungen reduzieren mussten.

Flexibilisierung des Arbeitsmarkts nicht zurückdrehen

Wenn die Politik diese Reformerfolge bei der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts nicht weiter zurückdreht – eine Reihe von Belastungen für die Wirtschaft von der Rente mit 63 über den Mindestlohn bis zu neuer Regulierungen bei der Zeitarbeit ist leider schon zu verzeichnen – und die Unternehmen die Herausforderungen durch die New Economy und den demografischen Wandel offensiv annehmen, dürfte die positive Entwicklung der letzten 10 Jahre auch in Zukunft fortgeschrieben werden. Wichtige Ansatzpunkte hierfür sind erhöhte Industrie-4.0-Investitionen, die Weiterbildung der Belegschaften und die Gewinnung von ausländischen Fachkräften einschließlich der Ausbildung und Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen. Allerdings muss auch die Politik mitspielen und zusätzliche Rentengeschenke und weitere staatliche Wohltaten, die angesichts der Demografie in Kürze unfinanzierbar sein werden, vermeiden.

Die Basis des andauernden Erfolges des deutschen Wirtschaftsmodells ist in der breiten Aufstellung der Industrie von Großkonzernen über starke Hidden Champions bis zu kleineren, regional verankerten Mittelständlern zu sehen, die in vielfältiger Form miteinander kooperieren. Zusammen mit der Wahrung der erforderlichen Flexibilität sowohl in den Unternehmen selbst wie auch in der Public Governance konnte so die große Deindustrialisierungswelle, die viele hoch entwickelte Volkswirtschaften erfasst hat, verhindert werden. Hinzu kommt eine enge Verzahnung von Industrie und Dienstleistungen, die zusammen mit herausragender Qualität einen Vorsprung gegenüber billigeren „reinen“ Produkten ermöglicht. Auf diesen Erfolgsfaktoren lässt sich auch in der Zukunft bauen.


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