erfolgreich, Mittelstandsbotschafter, Strategie

Zwischen Shopfloor und Schreibtisch – Kampf dem Flaschenhals

In den Produktionshallen deutscher Industrieunternehmen haben sich die Methoden des Lean Managements längst etabliert. Laut der aktuellen Studie „25 Jahre Lean Management“, für die von der Staufen AG in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt mehr als 1.300 Führungskräfte aus der deutschen Industrie befragt worden sind, liegt die Umsetzungsquote auf dem Shopfloor bei beindruckenden 90 Prozent. 

Die Ergebnisse der Staufen-Studie geben hier eine klare Antwort: In den Fabrikhallen geht es nicht mehr ohne, in den anderen Unternehmensbereichen häufig noch nicht mit Lean Management. Erst in jedem fünften Industriebetrieb arbeiten beispielsweise auch Forschung und Entwicklung oder die klassischen Verwaltungsbereiche nach den schlanken Managementmethoden. Langsam aber setzt ein Umdenken ein, fokussieren sich die Unternehmen stärker darauf, die Lean Kultur in allen Abteilungen zu etablieren (siehe Grafik).

Staufen Blog

 

Gerade in den sogenannten indirekten, also eher produktionsfernen Bereichen wie beispielsweise Vertreib, Einkauf, Controlling, Entwicklung / Konstruktion oder auch Personalwesen kann die Leistung durch Fokussierung auf das Wesentliche noch deutlich erhöht werden. Eine gezielte Analyse lässt dabei recht schnell erkennen, welche Bestandteile signifikant zur Wertschöpfung beitragen und welche Verschwendung sind.

Die wertstromorientierte Organisation auch produktionsferner Bereiche vermindert Schnittstellen, verbessert die Kommunikation und schafft deutlich kürzere Durchlaufzeiten bei gleichzeitig besserer Qualität. Eine sinnvollere Arbeitsplatzorganisation sowie mehr Standardisierung und Transparenz erleichtern die Zusammenarbeit zusätzlich. Weniger Schnittstellen und klar geregelte Kompetenzen im Team machen aber nicht nur einzelne Abteilungen für sich schlagfertiger. Auch im direkten Austausch und der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmensbereichen können so enorme Potenziale gefördert und Reibungsverluste minimiert werden.

Reden ist Silber, miteinander reden ist Gold

Beispiel Personalwesen: So wird das Potenzial von Lean Administration eben nur teilweise ausgeschöpft, wenn die Kollegen in der Personalabteilung zwar intern ihre Prozesse beschleunigt und damit beispielsweise den Suchprozess nach geeigneten neuen Mitarbeitern verkürzt haben, aber die Anfragen oder Bedarfsmeldungen aus den einzelnen Unternehmensbereichen nach wie vor „ohne Vorwarnzeit“ und völlig unstrukturiert dort eintreffen.

Die Lösungen für beide Probleme liegen auf der Hand: So sorgt etwa eine Standardisierung der Bedarfsmeldungen dafür, dass von Beginn an klar ist, welche Qualifikationen neu- oder nachbesetzt werden müssen. Und damit die Personalabteilung nicht von Anfragen „überrascht“ wird, sollte sie sehr frühzeitig (Stichwort Frontloading) in strategische Planungen – z.B. zu neuen Standorten, Werken oder auch Produkten – eingeweiht werden, um nicht plötzlich zum Flaschenhals zu werden.

Fazit

Je mehr Bereiche dieses Bewusstsein verinnerlichen, desto eher wird ein Unternehmen zum umfassenden Lean Enterprise. Das in vielen Unternehmen übliche Schimpfen auf die internen Dienstleister hilft dabei nicht weiter und ist häufig recht wohlfeil. Die bessere Alternative: Reden ist Silber, miteinander reden ist Gold.

Weiterführende Informationen:


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