Finanzierung, Mittelstandsbotschafter, solvent

Effizienz der Investitionsfinanzierung – Finanzchefs und kfm. Leiter sollten handeln

Wie gut es einem Unternehmen geht, kann man oft am Gesichtsausdruck des Finanzchefs ablesen. Wenn die die Konten voll sind, die Auftragsbücher gefüllt und alle weiteren Aufgaben und Projekte zuversichtlich in Erfüllung, dann strömen die positiven Wellen im Unternehmen. Die Geschäftsführung bzw. das Management hat es im Griff. Bei einigen Entscheidern in der Geschäftsführung bzw. der kaufmännischen Leitung o.ä. schleicht sich vielleicht dann eine ausgesprochene Zufriedenheit ein.

Nach meiner Meinung muss dieser Zustand eines gefühlten Wohlstands aber sofort verlassen werden, um Parameter der Finanz- und Leistungswirtschaft im Unternehmen zu hinterfragen. Als Schutz des Unternehmens für die nachhaltige Verantwortung der Geschäftsführung.

An einem Beispiel aus einem Finanzstrategie-Workshop, den ich mit einem Unternehmen durchgeführt habe, wird dies transparent:
– Der Geschäftsführer und Finanzverantwortliche eines produzierenden Unternehmens aus dem Mittelstand mit 240 Mitarbeitern beauftragte mich, meine Sicht auf die „Finanzdinge“ in seinem Unternehmen zu werfen.

– In Zeiten des Wachstum wolle er sich mal eine Meinung von außen einholen und erfahren, ob und was man anders in der Unternehmensfinanzierung machen könnte.

– Er schickte aber voraus, dass er keine großen Erwartungen an den Workshop habe. Ihm reiche schon die Bestätigung von mir, dass die finanzwirtschaftlichen Positionen seiner Investitionen im Grunde richtig umgesetzt worden seien.

Für mich ein klares Indiz, dass sich das Unternehmen im Zustand des gefühlten Wohlstands befindet. Da ich gerne mit erfolgreichen Unternehmen arbeite, um diese dann mit neuen Gedanken und Impulse zu bestücken, konzentrierten wir uns im Workshop auf die für die nächsten Jahre geplanten Investitionen des Unternehmens. Meine Aufgabe sehe ich auch immer damit verbunden, an dem bekannten Status zu rütteln. Das soll die Entscheider zum Nachdenken bringen, sich aus anderer Sichtposition dem jeweiligen Thema zu widmen.

Weiter mit dem Workshop:
– Der Maschinenpark sollte ergänzt und ausgebaut werden.
– Die Produktionshalle wird einen Anbau bekommen, damit eine Verladung schneller abgewickelt werden kann.
– Alles war auch schon mit den Gesellschaftern, dem Betriebsrat und den Mitarbeitern besprochen.

Wir haben uns dann im Workshop auf diese Positionen konzentriert und die Gedanken der Geschäftsführung am Beginn des Workshops waren wie folgt:
– Unsere gute Bonität hat einen günstigen Zins für die Investitionsfinanzierung zur Folge.

– Die Maschinen sollen diesmal gekauft werden, da unsere betriebswirtschaftlichen Zahlen und die vorhergehende Beratung durch den Steuerberater dies als sinnvolle Vorgehensweise ergeben hat.

– Die Nutzungsdauer der geplanten Investitionen passen wir mit der Abschreibungstabelle buchhalterisch ein und halten uns an die steuerlichen Vorgaben.

– Wir – aus der Geschäftsführung – haben ein sehr gutes Verhältnis zu den Banken und Kreditinstituten. Die Bank hat nach eigenen Aussagen ein günstiges Finanzierungsangebot aufgrund des Bilanz- und Unternehmensratings für das Unternehmen parat.

Dieser quasi „IST-Zustand“ ist ein Zeichen des erfolgreichen Arbeitens. Aber was bedeutet hierbei „erfolgreiches arbeiten“. Mit was wurde das verglichen? Gerade im finanzwirtschaftlichen Bereich ist es sehr spannend die Dinge zu hinterfragen!

Eine meiner Fragen in Bezug zum wirtschaftlichen Erfolg der zukünftigen Investition lautete dazu:

„ Haben Sie für Ihre Investitionen schon mal an geförderte und damit zinsgünstige Kredite gedacht?“
„Uns geht es doch wirtschaftlich sehr gut!“ „Wir benötigen keine geförderten Kredite!“

Nachdem weitere Argumente dazu an mich herangetragen wurden, habe ich dann den Blick auf die Frage gelenkt: „Ist es für Ihr Unternehmen interessant, die geplanten Investitionen mit Kreditmitteln finanziert umzusetzen und trotzdem erst in einem Jahr mit der Tilgung der Kreditmittel zu beginnen? – bei günstigeren Zinsen, als bisher?“
Der Finanzchef schaute auf mich und sagte dann: „Was würde das in Zahlen bedeuten?“

Ich stellte aufgrund der geplanten Investitionssumme folgende kurze Übersicht aus den Zahlen her – direkt im Workshop:

Klassische Bankfinanzierung
– Investitionssumme: 3.000.000,-€
– Laufzeit: 10 Jahre
– Zins: 2.05% eff.
– Erste Rate der Tilgung zahlbar 30 Tage nach Inanspruchnahme
– Anzahl der Raten 120
– Monatliche Tilgung: 25.000,-€, sofort
– Abschreibung ab dem 1.Tag nutzbar

Vergleich dazu:

– Finanzierung durch Förderkredit
– Investitionssumme: 3.000.000,-€
– Laufzeit: 10 Jahre
– Zins: 1,85% eff.
– Erste Rate der Tilgung zahlbar nach 360 Tagen der Inanspruchnahme
– Liquidität, die NICHT im ersten Jahr abfließt: 300.000,-€
– Anzahl der Raten 108
– Monatliche Tilgung: 27.777,-€, nach dem ersten Jahr
– Abschreibung ab dem 1.Tag nutzbar

 

Bei der Betrachtung der Übersicht, habe ich einige Gedanken und Impulse für das Unternehmen erläutert:
– Ein Unternehmen mit guter oder schlechter Bonität sollte sich hinterfragen lassen, wenn es auf günstigere Zinskonditionen, die mit geförderten Krediten zu bekommen sind, verzichtet. Was ist in diesem Zusammenhang mit der Aufgabe der Geschäftsführung und des Finanzverantwortlichen im Bereich des Vermögensinteresses der Gesellschaft. Muss nicht jeder mögliche (Zins-) Schaden abgewendet werden? Verringert der Zinsschaden das Vermögen des Unternehmens?

– Zinsschonung bzw. Zinsmanagement gehört zur Kostenoptimierung im Unternehmen – eine dauerhafte Aufgabe

– Wenn es Möglichkeiten gibt, dem Unternehmen neben einer Zinsschonung zusätzlich liquiditätsschonende Finanzierungslösungen zuzuführen (tilgungsfreie Anlaufzeit bei der Kreditrückführung), – müssen diese dann nicht genutzt werden, um weitere Vorteile für das Unternehmen zu sichern?

– Die „eingesparte“ Liquidität, die bei einem vergleichbaren Kredit (ohne tilgungsfreie Anlaufzeit) abgeführt werden würde, sollte dann in wertschöpfende neue bzw. andere Projekte investiert werden, um damit den Unternehmenswert zu steigern. Der damit verursachte Ertrag erhöht das Betriebsergebnis zusätzlich.

– Die „eingesparte Liquidität“ sollte deswegen als „finanzielle Ressource“ im Unternehmen anerkannt werden, die es wertreibend zu nutzen gilt.

Die vorgenannten Impulse und Gedanken schaffen bei Umsetzung eine effizientere Nutzung des Unternehmerkapitals. Diese verbesserte Effizienz des Kapitals – begründet durch die zeitweise erhöhte Liquidität – kann dann sogar eine Verbesserung der Effektivität im Unternehmen verursachen. Eine stärkere wirtschaftliche Aufwärtsbewegung des Unternehmens gegenüber dem Wettbewerb ist die Folge, die eine Verbesserung aller betriebswirtschaftlichen Positionen nach sich ziehen kann.
Ergebnis aus dem Workshop: Die genannten Vorteile wurden intern nochmal den strategischen Gegebenheiten gegenübergestellt. Nach weiteren Besprechungen hat das Unternehmen die Investitionsaktivitäten entsprechend angepasst und die „neue“ Investitionsfinanzierung wurde effizient umgesetzt.

Unternehmen und Bank – Förderkredite zur Effizienzsteigerung nutzen
– Förderkredite können Unternehmen bei ihren „Hausbanken“ aktuell bis 25 Mio. € beantragen. Die Zinskonditionen beginnen bei 1,00% eff.. Eine tilgungsfreie Anlaufzeit der Förderkredite kann bis zu 36 Monaten betragen.

– Der bisherige gute Kontakt mit den Banken und Sparkassen, kann bei Verwendung von Förderkrediten nur dazu führen, dass Investitionsfinanzierungen noch günstiger werden, als mit einem herkömmlichen Bankkredit. Die Förderkredite sind seitens der Förderbanken kostengünstiger ausgestaltet, was zur Zinsschonung für das Unternehmen führt. Die Kreditbänder (bonitätsabhängige Zinsspannen) sind in sich anpassungsfähig und es gibt bonitätsabhängig einen minimalen sowie maximalen Zins. Auch dabei gibt es noch Möglichkeiten der Verhandlung mit der Bank.

– Es macht keinen nennenswerten Mehraufwand den tilgungsfreien Förderkredit zu beantragen – im Vergleich zu einem „normalen“ Bankkredit.

– Finanzentscheider bzw. Geschäftsführer sollten sich unabhängig mit den vielschichtigen Möglichkeiten der Fördermittel und Förderkredite auseinandersetzen. Auch wenn manches „altmodisch“ aussieht und man denkt „das kenne ich schon alles“, kann man aus dem Thema Fördermittel und Förderkredite Chancen für neue Geschäftsfelder bzw. für die bessere Weiterentwicklung des Unternehmens erarbeiten.

Fazit:
Investitionsentscheidungen sollten aus verschiedenen Perspektiven der Finanzwirtschaft vorbereitet werden. Dabei sind Förderkredite und Fördermittel zu analysieren und als ein wirkvolles Finanzwerkzeug zu betrachten.  Tilgungsvorteile bei Krediten sollten aus Sicht einer effizienteren Wertschöpfung eingesetzt werden.
Vorteile aus Fördermitteln können auch als strategische Ressourcen angesehen werden und zur Wertsteigerung des Unternehmens dienen.

Die „Landschaft“ der Förderkredite und Fördermittel ist mit über 5.000 Fördermöglichkeiten sehr groß und ändert sich fast „täglich“ bzw. passt sich ebenfalls den wirtschaftlichen Gegebenheiten und Zielen des Landes bzw. der EU an. Die Handlungen und Investitionsentscheidungen der Finanzverantwortlichen in den Unternehmen stehen somit auch in diesem Bereich im direkten Bezug zum Unternehmenserfolg.

 

Ich wünsche ihnen gutes Handeln und Zeit um neue Perspektiven zu erkennen.

Ihr Kai Schimmelfeder
zertifizierter Fördermittelberater (FH)
Mittelstandsbotschafter für Fördermittel, Zuschüsse und Subventionen

 


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