erfolgreich, Mittelstandsbotschafter, Strategie

Den Zufall kreativ nutzen – Effectuation und Agile Optimierung

Als Unternehmer haben Sie sich sicherlich schon einmal die Frage gestellt, warum manche Unternehmen erfolgreicher sind als andere. Es kursieren bereits zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema. Die Ergebnisse reichen von „Sie schreiben keine To-do-Listen“ über „Erfolgreiche Unternehmen setzen auf eine strategische Projektkommunikation“ bis hin zu „Erfolgreiche Unternehmen sind einzigartig, innovativ und schnell“. In meinen Augen ist die Antwort nicht in einem dieser Ratgeber zu finden, sie ist viel einfacher und gleichzeitig viel umfassender.

„Es ist nicht die stärkste Spezies, die überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern diejenige, die am besten auf Veränderungen reagiert“, beschrieb Charles Darwin im 19. Jahrhundert in der Strategie „Survival of the fittest“ die entscheidende Fähigkeit, die das Überleben und somit auch den Erfolg sichert. Meines Erachtens lässt sich diese Erkenntnis auch zielführend auf das Management übertragen. Wer agil auf Störungen und Unvorhergesehenes reagieren kann, sich Chancen schafft und diese auch nutzt, generiert einen entscheidenden Vorteil.

Dies belegt die empirische Untersuchung der amerikanischen Wissenschaftlerin Prof. Saras Sarasvathy von der University of Virginia. Sie hat die Denk- und Handlungsweisen erfolgreicher Unternehmer analysiert und dabei festgestellt, dass diese „die Macht des Zufalls“ nutzen. Anstatt ihre Energie in die Vermeidung von potentiell schädigenden Zufällen zu stecken, erkennen führende Manager in ihnen die Chance auf Verbesserung und nutzen sie entsprechend zu ihrem Vorteil. Prof. Sarasvathy hat aus den Ergebnissen ihrer Forschung eine eigene Entscheidungslogik entwickelt – die Effectuation.

Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach

Diese Logik basiert auf fünf Prinzipien. Das Bird in Hand Principle stellt die verfügbaren Mittel des Unternehmens in den Mittelpunkt und leitet daraus realistisch erreichbare Ziele ab. Leitfragen, denen sich die Unternehmen stellen, sind: Wer bin ich? Was weiß ich? Wen kenne ich? Aus den Antworten lassen sich Ziele ableiten, die immer wieder verändert und an die aktuell verfügbaren Mittel angepasst werden können. Bei INFORM haben wir uns beispielsweise von Anfang an nur auf agile Optimierungssoftware konzentriert, weil wir wussten, dass darin unsere Stärke liegt. „Be focused yet diversified“ – nach diesem Motto haben wir bereits Anfang der 90er Jahre Geschäftsfelder gesucht, in denen Agilität schon immer eine große Rolle spielte, wie beispielsweise bei der Echtzeit-Disposition von Fahrzeugflotten in der Logistik. Nachdem wir zufriedene Kunden in diesem Bereich hatten, haben wir unsere Produkte auf weitere Geschäftsfelder ausgeweitet. So erschlossen wir uns die Produktionssteuerung, das Supply Chain Management, die Steuerung von Materialflüssen, Distributionsnetze, Containerterminals und Verkehrsflughäfen. Mittlerweile bieten wir in sieben Geschäftsbereichen rund 20 verschiedene Produkte an. Diese Diversifikation ist für die nachhaltige Stabilität eines Unternehmens sehr wichtig, aber der Fokus auf vorhandene Kenntnisse und Mittel ist fast noch wichtiger.

Beim zweiten Prinzip der “Effectuation”, dem Crazy Quilt Principle, geht es darum, vertrauenswürdige Partner einzubinden, um die eigenen Fähigkeiten in Hinblick auf ein umfassendes Marktangebot zu steigern.

Agil durch verschmerzbare Verluste

Verluste zu begrenzen, dabei geht es bei dem Affordable Loss Principle. Statt den Blick einseitig nur auf mögliche Erfolge zu richten, betrachten Unternehmen hierbei auch das Risiko und tätigen lediglich Investitionen, deren Verlust sie verkraften können. Projekte starten, deren Ausgang hinreichend sicher erscheint, und mögliche Verluste auf das Leistbare begrenzen – dadurch behalten Unternehmen immer die nötige Anpassungsfähigkeit, um auch bei kurzfristigen, aber einschneidenden Veränderungen in ihren Märkten gut agieren zu können.

Der Zufall als Chance

„Beschert Dir das Leben Zitronen, so mach‘ Limonade daraus!” Nach diesem Lemonade Principle sehen erfolgreiche Unternehmen den Zufall als Chance, die Zukunft besser zu gestalten zu können. Die Zukunft kann man ebenso wenig vorhersagen wie viele Marktentwicklungen. Daher ist das Experimentieren mit und die Suche nach neuen Produkten, Features und Einsatzmöglichkeiten ein wichtiger Puffer gegen unerwartete Marktentwicklungen. Durch derartige Investitionen in die Produktentwicklung bleiben Unternehmen widerstandsfähig gegenüber unvorhersehbaren Rückschlägen – und gleichzeitig offen für unerwartete Marktchancen.

Kreativ auf Unplanbares reagieren

Beim Pilot in the Plane Principle steht der Mensch mit seiner Kreativität im Mittelpunkt. Erfolgreiche Unternehmer verzichten laut Prof. Sarasvathi darauf, die Zukunft möglichst genau zu prognostizieren. Stattdessen stellen sie ihre Unternehmen so auf, dass sie flexibel und kreativ mit Veränderungen umgehen können. Denn Unplanbarkeit ist ein immer wichtigeres Phänomen in der Geschäftswelt. Das haben auch unsere Kunden erkannt: Viele der klassischen Planungsmethoden, die einige Manager noch in ihrem Studium erlernt haben, sind heute obsolet. Stattdessen bietet sich in der heute hochvernetzten und sich oft schnell verändernden Wirtschaft ein agiles Management an, verbunden mit einer IT-Unterstützung, die hinreichend schnell neu planen und aus vielen alternativen Handlungsoptionen die jeweils beste blitzschnell berechnen kann.

Effectuation und agile Optimierung

Die fünf Prinzipien der Effectuation steigern die Wettbewerbskraft, vor allem in technologiegetriebenen Unternehmen. Dies bestätigte bereits vor Jahren ein Team der RWTH Aachen, das Saravathys Theorie überprüfte und die Erkenntnis erlangte, dass Effectuation sich besonders für Firmen mit hohem Innovationsgrad eignet.

Unternehmen müssen immer schneller und flexibler auf das Verhalten und Wünsche ihrer Kunden reagieren. Beide Konzepte, Effectuation und IT-gestützte agile Optimierung, steigern nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern insbesondere auch die Prozesssicherheit und Resilienz von Unternehmen. Ich sehe sie als eine Grundlage für den Erfolg und damit auch die Überlebensfähigkeit in der freien Marktwirtschaft.


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