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Altersvorsorge: Betongold jetzt versilbern

Wer sein lieb gewonnenes Eigenheim auch im Alter nicht verlassen möchte, kann dessen Marktwert zumindest anteilig in monatliche Rentenzahlungen umwandeln. Zwei Ansätze stehen zur Auswahl – mit unterschiedlichen Folgen für die Erben.

Jeder zweite Senior in Deutschland wohnt in der eigenen Immobilie – und mehr als drei Viertel davon haben ihr Eigenheim vor Erreichen des 69. Lebensjahres bereits abbezahlt. Das vermeldet die Deutsche Leibrenten AG nach einer gemeinsamen Studie mit der Uni Köln. „Die überwältigende Mehrheit dieser Menschen, 98 Prozent, möchte so lange wie irgend möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen“, fasst Deutsche-Leibrenten-Vorstand Friedrich Thiele seine Umfrageerbnisse zusammen. Dieser Wunsch bestehe selbst dann, wenn das Haus oder die Wohnung für diese Lebensphase eigentlich zu groß ist, was 30 Prozent der Befragten einräumen, – oder die Arbeit im Garten inzwischen schwer fällt.

Wenn die Immobilie die Rente auffrisst

Wer selbst im Pflegefall in eigenen vier Wänden bleiben möchte, sollte dies rational durchplanen: Viele Eigentümer unterschätzen nämlich nicht nur die Kosten der häuslichen Pflege, sondern auch die Aufwendungen für den Unterhalt ihres Objekts und dessen altersgerechten Umbau: „Es kommen eben nicht nur die Besitzer, sondern auch die eigenen vier Wände in die Jahre“, sagt Peter Härtling von der Deutschen Gesellschaft für Ruhestandsplanung und ergänzt: „Die Ausgaben für Instandhaltung sowie die Nebenkosten einer Immobilie können die Rente stark belasten.“

Doch selbst wenn ausreichend Finanzpolster vorhanden sind: Warum sollten Senioren ihr in der Immobilie gebundenes Vermögen nicht flüssig machen, solange sie hierfür nicht ausziehen müssen? Wer keine Erben hat oder seine Immobilie nicht ausdrücklich in der Erbmasse belassen, sondern versilbern möchte, hat die Wahl zwischen den folgenden beiden Modellen, denen eines gemeinsam ist: Sie garantieren, dass der Senior seine Wohn- und Nutzungsrechte an der Immobilie nicht verliert.

Die Umkehrhypothek

Die Grundidee dahinter ist einfach: Immobilienbesitzer beleihen ihr Eigenheim und erhalten im Gegenzug von der Bank einen Kredit, für den weder Tilgung noch Zins fällig werden. Das Darlehen wird ihnen als Einmalzahlung oder als monatliche Rente überwiesen. Seine Höhe hängt vom Einzelfall ab: Maßgeblich sind der Zustand, das Alter und insbesondere die Lage der Immobilie. „Unterm Strich können das mehrere Hundert Euro pro Monat sein“, heißt es beim Fachportal Immobilienscout24.

Auch die voraussichtliche Lebenserwartung des Kunden spielt den Experten zufolge eine maßgebliche Rolle. Zwar sei ein Mindestalter sei nicht zwingend vorgesehen – das Modell richte sich aber vorwiegend an Ruheständler ab dem 60. Lebensjahr: Je älter der Kreditnehmer ist, desto höher kann die Rente ausfallen.

Doch Obacht: Ist die Beleihungsgrenze der Hypothek erreicht, enden die Zahlungen der Bank. Damit handelt es sich um eine Zeitrente, die beim Erreichen eines hohen Lebensalters noch zu Lebzeiten beendet wird.

Die Immobilien-Leibrente

Hierbei gehen die Erben leer aus, denn die Immobilie wird bereits zu Lebzeiten verkauft. Die Senioren erhalten dafür ein notariell zugesichertes, mietfreies Wohnrecht plus eine monatliche Leibrente – beides wird lebenslang garantiert. Auch eine Einmalzahlung direkt nach dem Verkauf ist möglich, um etwa den altersgerechten Umbau zu stemmen. Das Kalkül der Käufer: „Stirbt der Verkäufer unerwartet früh und endet die Leibrente vorzeitig, ist das für sie ein versicherungsmathematischer Gewinn“, sagt Norbert Heydorn, der im Netz einen Rechner zur Kostenabschätzung für Investoren betreibt.

So entwickelt sich die Leibrente bei unterschiedlicher Laufzeit – zum Vergrößern bitte klicken. © Pogonici / Thinkstock; Creditreform-Magazin 08/2016

So entwickelt sich die Leibrente bei unterschiedlicher Laufzeit – zum Vergrößern bitte klicken. © Pogonici / Thinkstock; Creditreform-Magazin 08/2016

„Dank unserer Mindestlaufzeit können die Berechtigten ihre Rentenzahlungen sehr wohl vererben“, hält Friedrich Thiele dagegen. Üblich seien fünf Jahre, doch auch zehn Jahre lassen sich aushandeln (siehe Beispielrechnung). Sollte der Senior innerhalb dieser Mindestlaufzeit versterben, kommen die restlichen Zahlungen den Nachkommen zugute, auch wenn diese die Immobilie selbst nicht mehr nutzen dürfen.

„Wer im Alter den Umzug nicht scheut, ist alternativ auch gut beraten, zu verkaufen und sich im Alter eine kleinere Wohnung zu mieten“, räumt Thiele ein. „Doch wer keine Erben hat oder nicht zwingend Steine vererben möchte, gewinnt bei uns zusätzlichen finanziellen Spielraum“, wirbt der Investor, der die Immobilien- Leibrente gern mit einer Lebensversicherung vergleicht: Angespartes Kapital kommt im Alter zur Auszahlung und damit vor allem den Sparern zugute – mit höchstens indirekten Effekten für die Erben.

Umkehrhypothek und Immobilien-Leibrente im Vergleich

Auf zwei Wegen lassen sich aus dem Eigenheim schon zu Lebzeiten finanzielle Vorteile ziehen. Klicken Sie auf die Tabelle, um sie zu vergrößern. © Creditreform-Magazin 08/2016

Auf zwei Wegen lassen sich aus dem Eigenheim schon zu Lebzeiten finanzielle Vorteile ziehen. Klicken Sie auf die Tabelle, um sie zu vergrößern. © Creditreform-Magazin 08/2016


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Kommentare

  1. Guten Tag,

    ich habe mit großem Interesse Ihren Artikel “Umkehrhypothek” gelesen. Wie verhält sich dieser Sachverhalt bzgl. der seit 21.3.2016 gültigen Wohnimmobilienkreditrichtlinie? Nach dieser ist es nicht möglich Darlehen auszugeben, die dann durch den Verkauf der beliehenen Immobilie getilgt werden. Ziel dieser Richtlinie war den Erhalt der Immobilie zu sichern.
    Voraussetzung für die Kreditgewährung ist weiterhin die nachhaltige kapitaldienstfähigkeit sowie die Rückzahlung vor Erreichen der durchschnittlichen Lebenserwartung.

    Mit besten Grüßen

    Bernd Bicker

    Antworten

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