Dena-Gechäftsführer Andreas Kuhlmann © Julian RentzschDena-Gechäftsführer Andreas Kuhlmann © Julian Rentzsch

    erfolgreich, Nachhaltigkeit

    Kommentar: „Energieeffizienz ist Hightech“

    Das Thema Energieeffizienz braucht neuen Schwung. Die Potenziale sind groß, die Technik ist ausgereift – und die Investitionen amortisieren sich meistens schon nach kurzer Zeit. Aber das Handlungsfeld ist kleinteilig und schwer überschaubar. Wie können wir also mehr Begeisterung für das Thema wecken?

    Ein guter Anfang sind die positiven Erfahrungen aus der Praxis. Die Preisträger des internationalen Energy Efficiency Award der Dena liefern jedes Jahr hervorragende Beispiele. Zuletzt gehörten dazu etwa der Discounter Lidl, der einen nachhaltigen Standard in 217 Filialen einführte und dadurch jährlich 35 Millionen Kilowattstunden Energie spart. Oder die mittelständische Unternehmensgruppe Bauer, die ihren Energieverbrauch mit einem Energiemanagementsystem um insgesamt 32 Prozent senken konnte. Insgesamt 79 Referenzprojekte aus allen Branchen hat die Dena in einer Onlinedatenbank anschaulich aufbereitet, vom Aluminiumwalzwerk bis zum Rechenzentrum.

    Aus solchen Vorzeigebeispielen müssen wir mehr machen, darüber reden, dafür werben – insbesondere im Mittelstand. Umfragen der Initiative Energieeffizienz der Dena zeigen: Viele kleine und mittlere Unternehmen unterschätzen ihre Möglichkeiten und scheuen vor den Investitionskosten zurück. Je kleiner der Betrieb, desto eher ist er auf externe Unterstützung angewiesen. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit aber nur rund 2.200 Anträge für Energieberatungen im Mittelstand gestellt, obwohl bis zu 80 Prozent der Kosten staatlich gefördert werden. Da geht noch mehr!

    Zur Person
    Andreas Kuhlmann ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (Dena).

    Mit dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) hat die Bundesregierung Ende 2014 ihre Maßnahmen bereits verstärkt. Dieser sieht mehrere Instrumente vor, die sich an Unternehmen richten. So will die Bundesregierung gemeinsam mit Verbänden und Wirtschaftsorganisationen bis 2020 rund 500 Energieeffizienznetzwerke hierzulande etablieren. Denn im Austausch mit anderen Unternehmen ist es leichter, Potenziale zu erkennen und zu erschließen. Der aktuelle Stand: Mittlerweile sind 65 Netzwerke gelistet. Außerdem bietet die Bundesregierung Förderprogramme unter anderem für energieeffiziente Querschnittstechnologien, für die Zertifizierung von Energiemanagementsystemen und für Stromeffizienzmaßnahmen, die sich im Wettbewerb als besonders günstig erweisen. Und schließlich erleichtert die neue Kampagne „Deutschland macht’s effizient“ den Einstieg ins Thema für Unternehmen.

    Digitalisierung macht’s möglich

    Wir stehen nicht zuletzt vor einer kommunikativen Herausforderung. Was wir brauchen, sind engagierte Vorreiter und Fürsprecher. Dabei wird es helfen, wenn wir Energieeffizienz als Innovationsthema verstehen und mit dem Trend zur Digitalisierung verbinden. Digitalisierung macht Prozesse besser steuerbar und eröffnet neue Möglichkeiten für Energieeffizienz. Mit Anlagen, deren Energieverbrauch sich steuern lässt, können Unternehmen auch zu Anbietern von Flexibilität im Energiesystem werden. Smarte Energieeffizienz macht mittelständische Betriebe fit für die Zukunft und bringt die Energiewende voran. Wir müssen nur lernen, Energieeffizienz mit neuen Augen zu sehen: als Hightech-Ansatz mit viel Potenzial – sowohl für Kosteneinsparungen als auch für Innovationen.


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