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Business-Kultur in den USA: Think positive! And yes, that’s you!

Der „American Way of Life“ klingt nachahmenswert. Doch ist diese Lebensart auch in der Business-Kultur der Vereinigten Staaten verwurzelt?

Eines stellte ich bei meinen vielen geschäftlichen Reisen in die USA schnell fest: Im Geschäftsleben ist in Amerika vieles ganz anders, als in Deutschland. Den deutlichsten Unterschied sehe ich darin, dass „Doing Business“ dort ganz massiv mit Networking verbunden ist. Jacqueline Whitmore, US-amerikanische Expertin für Business-Etikette, empfiehlt sogar, 30 Prozent des Tages für das Networking einzusetzen – und auch in der Freizeit so viel wie möglich am beruflichen Netzwerk zu arbeiten. Im Unterschied zu Deutschland geht das in den USA viel leichter. Amerikaner sind wahre Experten beim „Socializing“. Ob auf Konferenzen oder bei Meetings: Smalltalk ist für sie Standard im Business und daher fester Bestandteil jedes Termins. Für Deutsche wirkt dieses „working the crowd“ oft recht oberflächlich. In den USA ist es hingegen ganz normal, kurz an den Tisch zu treten, sich vorzustellen, etwas Smalltalk zu halten und sich danach zum nächsten Tisch zu begeben.

Diese vermeintliche Oberflächlichkeit hat einen echten Vorteil: In den USA ist es viel leichter, auf Menschen zuzugehen und Kontakte zu knüpfen, als in Deutschland. Doch Achtung: So locker die Menschen in den USA scheinbar auch sind – es gibt eine Reihe von Themen, die im Geschäftsleben Tabu bleiben sollten. Gesprächsthemen wie Religion oder Sex sind unangebracht. Auch in den USA gilt beim Smalltalk: Unverfängliches wie Sport, Wetter oder Neuigkeiten aus Deutschland gehen immer. Dabei sollte nicht zu viel gejammert werden – etwa über die Politik oder den Verkehr. Denn in den Staaten gilt „Think positive“ – auch und vor allem im Business.

Ein weiteres Merkmal der amerikanischen Geschäftswelt ist mir bei einer „Pitch Night“ vor Gästen aus der New Yorker Gründerszene aufgefallen: Während sich in Deutschland viele Startups sehr faktenorientiert und detailverliebt präsentieren, zählt für die amerikanischen Kapitalgeber erst einmal nur der Revenue. Die vielgerühmte deutsche Gründlichkeit kann dort eher von Nachteil sein, ausführliche Erklärungen technischer Features schrecken Investoren häufig ab. Es ist besser, rasch zur Sache zu kommen und eine klare Vision zu vermitteln. Schnelles Wachstum und eine konkrete Gewinnerwartung – darauf kommt es in den USA an. Daher sollten deutsche Gründer optimal vorbereitet sein: Umsatzzahlen und der konkrete Nutzen für die Zielgruppe müssen direkt und eindeutig benannt werden können. Gleichzeitig geht es mehr als in Deutschland um die richtige „Story“ zum Produkt. Große Visionen kommen gut an – sofern sie faktenbasiert und mit der nötigen Portion Pathos vermittelt werden.

Allzu viele Sorgen sollte sich aber niemand über die Unterschiede in der Business-Kultur zwischen Deutschland und den USA machen. Amerikaner sehen über den einen oder anderen Fauxpas im Geschäftsleben gerne hinweg. Bedingung dafür ist allerdings, die Bereitschaft an sich zu arbeiten. Und damit könnten die Deutschen ja schon einmal zu Hause anfangen.


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