Zur Person: Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie. © Julian RentzschZur Person: Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie. © Julian Rentzsch

    entspannt, Gesundheit

    »Fructose – der Feind in meinem Essen«

    Fruchtzucker hört sich zunächst einmal gesund an, da er natürlicher Bestandteil von Obst und manchen Gemüsesorten ist. Viele Menschen glauben darum, Fructose wäre gesünder als Haushaltszucker. Weit gefehlt! Text: Dr. Michael Spitzbart

    Haushaltszucker an sich ist schon schlecht – und Fructose ist gleich doppelt schlecht. Nur zehn Prozent vom Fruchtzucker können wir als Energie verwenden. Der überwiegende Teil wird in Fett umgewandelt. Die Folge: Gewichtszunahme, Erhöhung der Triglyceride im Blut und die Entstehung einer Fettleber. Diabetes mellitus, Arteriosklerose und die sogenannte nichtalkoholische Fettleber werden durch den Verzehr von Fructose enorm beschleunigt. Da hat so mancher das Äquivalent einer Säuferleber und hat noch nicht mal etwas davon gehabt. Schade eigentlich. Merke: Die Fettleber selber tut nicht weh, aber Müdigkeit ist der Schmerz der Leber! Viele Menschen essen im guten Glauben große Mengen süßes Obst und schaden ihrem Körper mehr, als sie ihm nutzen.

    Unerkannte Gefahr

    Die Industrie liebt den Fruchtzucker, da er billig herzustellen ist und die doppelte Süßkraft vom Haushaltszucker besitzt. Darum findet man Fructose in Limonaden, Cola, Marmeladen und vor allem in Light-Produkten. Letztere dürfen mit der irreführenden Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ werben. Klar: Haushaltszucker wurde nicht zugesetzt. Wohl aber die nicht deklarationspflichtige und noch viel ungesündere Fructose.

    Der Verzehr von Fructose hemmt die Ausschüttung des Hormons Leptin, welches das Sättigungsgefühl an das Gehirn vermittelt. Darum kann Fructose wahre Heißhungerattacken auslösen. In Zukunft sollten Sie sich also sehr genau mit diesem ungesunden Zucker auseinandersetzen und ihn vermeiden, wo es geht. Und das ist gar nicht so einfach. Unsere Obstsorten wurden nämlich in den letzten Jahrzehnten immer süßer gezüchtet: Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Aprikosen, Pfirsiche, Weintrauben und Dörrobst sind wahre Fructosebomben. Fructosearm sind dagegen Limetten, Zitronen und Orangen. Alle naturbelassenen Jogurts und Milchprodukte gehören ebenfalls in die letzte Kategorie, nicht aber solche mit Fruchtzubereitung oder Honig.

    Achtung: Fructose im Gemüse

    Auch bei den Gemüsen gibt es Unterschiede: Kopfsalat, Feldsalat, Chicorée, Löwenzahn, Spinat, Pilze, Brokkoli, Spargel, Rettich, Radieschen und Rhabarber sind fructosearm. Fructosehaltiger sind Auberginen, Blumenkohl, Bohnen, Erbsen, Fenchel, Gurken, Karotten, Lauch, Rosenkohl, Kohlrabi, Tomaten, Weißkohl, Zucchini, Zuckermais und Zwiebeln.

    Grundsätzlich sollten Sie sich das Süßempfinden abtrainieren. Auch wenn Industrie um das Gegenteil bemüht ist. Über den süßen Geschmack versucht sie die Waren an die Verbraucher zu bringen. Das fängt schon im Kindesalter an. „Fruchtzwerge“ etwa sind Zuckerbomben. Kein Wunder: Kinder haben eine um das Vierfache höhere Süßschwelle als Erwachsene. Das bedeutet: Es muss viermal so viel Zucker rein, damit Kinder Essen als süß empfinden. Und die natürlichen Lebensmittel schmecken dann einfach nicht mehr so gut. Damit ist den ungesunden Industrieprodukten der Weg geebnet.

    Ich garantiere Ihnen: Wer seinen Kaffee einmal 14 Tage ohne Zucker trinkt – und danach aus Versehen einen Kaffee mit Zucker erwischt – der spuckt die süße Plörre angeekelt wieder aus. Dies Beispiel zeigt, dass man sich innerhalb von zwei Wochen ein anderes Geschmacksverhalten antrainieren kann. Meiden Sie alle süßen Getränke und Light-Produkte, essen Sie viel mehr Gemüse (auch gerne einmal roh mit Dip) als Obst. Im Gemüse befinden sich die gleichen Vitamine und Spurenelemente ohne den ungesunden Fruchtzucker. Ihre Blutfette werden sich verbessern – die Leber atmet auf.


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    Kommentare

    1. Nur was in den Fabriken an Zucker/Fructose hergestellt wird ist schädlich. Fructose in Obst oder Gemüse ist natürlich und kann vom Körper gut verarbeitet werden. Ebenso schädlich sind Auszugsmehle (Weißmehle). Dem kann man entgehen, indem man sein Mehl aus vollem Korn mahlt und dann sein Brot/Brötchen selber herstellt.
      Die Leute hier für Dumm verkaufen geht gar nicht.

      Fructose steht für Fruchtzucker. Fructose ist natürlicherweise in Obst und Gemüse enthalten und in dieser Form nicht schädlich. Doch gibt es noch eine ganz andere Fructose: Die isolierte und hochkonzentrierte industriell hergestellte Fructose. Sie findet in vielen Fertigprodukten Verwendung und ist ausgesprochen gesundheitsgefährdend. Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes oder Gicht stellen nur eine kleine Auswahl der möglichen Auswirkungen dieser Fructoseart dar.
      Fructose ist nicht gleich Fructose
      Wenn Fructose nichts anderes als Fruchtzucker ist, dann müsste sie ganz hervorragend für die Gesundheit sein – so könnte man meinen. Schliesslich sind Früchte sehr gesund, warum dann nicht auch ihr Zucker?
      Fruchtzucker ist jedoch nicht gleich Fruchtzucker, und für den menschlichen Organismus macht es einen deutlichen Unterschied, ob der Fruchtzucker nun in Form einer Frucht im Körper landet oder als Bestandteil eines Schokoriegels, Fertigkuchens oder eines Getränks.
      Denn ganz gleich ob Fruchtgummi, Eispralinen, Milchschnitten, Griessbreidesserts, Schokoriegel, Marmorkuchen, Mixed Pickles, Essiggürkchen, Ketchup, Dressings, Nussgebäck, Limonaden etc., sie alle werden immer häufiger mit Fructose gesüsst.
      Wenn also von Fructose die Rede ist, geht es schon lange nicht mehr um den Fruchtzucker in der Kirsche, im Apfel oder in der Banane, sondern sehr viel häufiger um den hochkonzentrierten und industriell hergestellten Fruchtzucker bzw. Fruchtzuckersirup (Fructose-Sirup) in Fertigprodukten oder Getränken.

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    2. Hallo Herr Riethmüller, besten Dank für Ihren Kommentar. Hier die Antwort von unserem Gesundheitskolumnisten Dr. Spitzbart:

      “Fructose bleibt Fructose, egal ob industriell hergestellt oder aus dem Obst. Richtig ist, dass im Obst zusätzlich zur ungesunden Fructose Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe, Mineralstoffe und Spurenelemente geliefert werden. Diese fehlen natürlich bei der Fructose in gesüßten Fertiglebensmitteln und Limonaden. Dieser Punkt geht zweifellos an das Obst. Fakt ist aber auch, dass der übermäßige Verzehr von unnatürlich süß gezüchtetem Obst den Organismus mit Fructose überlastet. Wer sich ganz viel bewegt, tolle Blutfettwerte sowie wenig Harnsäure hat und am süßen Obst hängt, dem sei es doch gegönnt! Wer aber mehr am Schreibtisch und im Auto sitzt sollte mehr Gemüse als Obst essen. Das gilt auch für das Getreide — und zwar ganz egal ob selbst gemahlen und selbst gebacken. Letzteres ist natürlich das kleinere Übel, doch man muss immer schauen, wer fragt: Triathlet (obwohl die Hawaii-Gewinner im Gegensatz zu Provinzsportlern schon lange keine Kohlenhydrate mehr essen) oder Coach-Potatoe? Viel Bewegung kann auch eine nicht ganz optimale Ernährung teilweise kompensieren.”

      Antworten
      • Hallo Dr. Spitzbart,

        ich sitze im Büro, esse mit meiner Familie jeden morgen zum Frühstück eine Schale Obst (Banane, Äpfel, Kiwi, Honigmelone, Weintrauben usw.) mit Getreide (Weizen wird über Nacht in Wasser eingeweicht) und einen Schuss Sahne.
        Und es ist sehr wohl ein Unterschied ob man Brot, hergestellt mit Auszugsmehl kauft oder seine Brote und Brötchen (Hergestellt aus Vollkornmehl (selber frisch gemahlen) selber herstellt. Es macht nämlich den Unterschied der Gesundheit aus, also bin ich Gesund oder nicht.
        Ich bin lieber Gesund (früher, bevor wir unsere Ernährung umstellten, war ich oft, so 3-4 Mal/Jahr, krank. Mandeln dick usw. und das trotz viel Sport. Heute nicht ganz soviel Sport, aber dafür relativ gesunde Ernährung und dafür gar nicht mehr krank. Wie ist ihr Erklärung dazu??)
        Ich empfehle hierzu das Buch: Unsere Nahrung – unser Schicksal von Dr. M.O. Bruker, der seiner Zeit weit voraus war.
        @ creditreform: Laden sie doch mal Dr. Jürgen Birmann von der Gesellschaft für Gesundheitsberatung aus Lahnstein ein. Der erzählt den Menschen mal was über vernünftige Ernährung.

        Beste Grüße

        Jörg Riethmüller

        Antworten
        • Dr. Bruker war damals seiner Zeit weit voraus, ist leider heute aber wieder weit hinten dran. Das ist der Zahn der Zeit. Die Wissenschaft bleibt nicht stehen. Auch die Ernährungspyramide hat sich umgestellt, natürlich nicht die im Müsli- und Vollkorn-Deutschland, sondern die der Harvard Universität.

          Natürlich zählt immer das subjektive Empfinden, als Arzt messe ich jedoch jeden Tag Laborwerte, die hochgerechnet – trotz augenblicklichem Wohlbefinden und scheinbar gesunder Ernährung- langfristig zu Krankheiten führen können. Für meine Patienten versuche ich das jedenfalls zu vermeiden. Natürlich kann sich jeder Patient seinen Arzt selbst aussuchen. Das gilt umgekehrt natürlich auch,

    3. das “Bauchgefuehl” wird am Ende das Beste sein.

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    4. 10.01.2017 – Hilde Mader

      Für mich war und ist Gemüse in erster Linie Kohlenhydrat, weil wenig eiweißhaltig. Natürlich ist das KH nicht in hochkonzentrierter Form wie im “Kraftfutter” Getreide und Zucker vorhanden. Aber der KH-Anteil ist wesentlich höher als der Eiweiß-Anteil.

      Ausschließliche Eiweißernährung ist nicht möglich, weil alle pflanzlichen Nahrungsmittel, außer Öle, Mischprodukte sind. Mal mehr kohlenhydratlastig, mal mehr eiweißlastig.

      KH ganz zu vermeiden ist meiner Meinung nach nicht möglich, sonst müsste man zum nur Fleischfresser werden.

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