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    erfolgreich, Nachhaltigkeit

    “Immer schön sauber bleiben”: Green Buildings und Tipps für mehr Energieeffizienz im Firmengebäude

    Ein neuer Trend für umweltbewusste Unternehmen: ein CO2-neutrales Firmengebäude. Mit diesen Technologien gelingt die Energieversorgung des Betriebs ohne Nachteile für die Umwelt. Text: Wilfried Katterbach

    Selten passen bei einem Unternehmen Name, Produkt und Firmengebäude so gut zusammen wie bei der Braunschweiger Solvis GmbH. Unter der Bezeichnung „Sol vis“, lateinisch für die Kraft der Sonne, entwickelt und produziert die Firma solare Heizsysteme. Dazu zählen unter anderem hocheffiziente Solarkollektoren zur Unterstützung von Heizungsanlagen. Um diese umweltfreundliche Technik glaubhaft an den Kunden zu bringen, setzte das Unternehmen noch eins drauf – und produziert diese Anlagen in einer Immobilie, der keinerlei Ausstoß von schädlichen Umweltgasen mehr nachzuweisen ist.

    „Nullemissionsfabrik“ nennen die Niedersachsen ihre Produktionsstätte, die inklusive Büros, Produktionsbereiche und Lager stolze 14.000 Quadratmeter umfasst. „Wir versorgen sie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien aus eigenen Anlagen“, sagt Helmut Jäger von Solvis. So erzeugen 2.000 Quadratmeter Photovoltaikfläche eine Leistung von 220 Kilowatt Strom. Die restliche benötigte Energie liefert ein Rapsöl-Blockheizkraftwerk. Dieses sorgt außerdem zusammen mit Solarabsorbern und drei Langzeitspeichern mit insgesamt 100.000 Litern Inhalt für Wärme im Unternehmen.

    »Viele Konzerne wollen Leistungen klimaneutral beim Mittelstand einkaufen.«
    Tristan A. Foerster, Climatepartner

    So wie Solvis produzieren mittlerweile viele Unternehmen. Sämtliche Handlungen und Prozesse, die im Firmengebäude stattfinden, beeinflussen das Klima nicht – sind also CO2- und somit klimaneutral. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Einsatz treibhausgasfreier Energiequellen wie Sonnen-, Wind- und Wasserkraft oder Erdwärme sowie pflanzlicher, nicht-fossiler Brennstoffe wie Bioethanol oder Rapsöl vonnöten.

    Doch damit tun die Betreiber nicht nur der Umwelt Gutes und senken langfristig ihre Energiekosten, sie verbessern zudem ihr Image. Klimaengagement ist nämlich zunehmend zu einem schlagenden Vertriebsargument geworden und ist auch für Zulieferer großer Konzerne ein gewichtiger Wettbewerbsvorteil, wie auch Tristan A. Foerster beobachtet: „Viele Konzerne wollen Leistungen klimaneutral einkaufen und nehmen Mittelständler in Sachen CO2 deshalb rigoros in die Pflicht“, so der Geschäftsführer von Climatepartner, einem Dienstleister, der unter anderem IT-Lösungen zur Berechnung von CO2-Emissionen zur Verfügung stellt. Nicht zuletzt die ständig wachsende Zahl von Nachhaltigkeitsberichten zeigt, wie weit oben auf der Agenda das Thema stehe, bestätigt Sabine Reichert vom Wirtschaftsverband Unternehmensgrün in Berlin: Viele Firmen seien sich bewusst, dass das Thema für ihr Marketing entscheidend sein kann.

    Umweltschutz – Thema für kleine und große Firmen

    Doch daneben gibt es für viele Unternehmen – auch für größere – einen weiteren Grund, ihre Immobilien klimaneutral zu betreiben. In ihrem Corporate-Responsibility-Programm sagen sie zu, einen aktiven Beitrag für den Umweltschutz zu leisten. Wie etwa der Ingolstädter Automobilhersteller Audi. Dem Autoproduzenten war bei der Planung und dem Bau seines neuen Fahrgeländes „Audi Driving Experience Center“ in Neuburg an der Donau Nachhaltigkeit und Energieeffizienz besonders wichtig. Ziel war es, eine CO2-neutrale Strom- und Wärmeversorgung auf dem 47 Hektar großen Areal zu gewährleisten. „Die Audi AG definiert für Investitionen die gleichen Ziele wie bei der Entwicklung ihrer Fahrzeuge“, erklärt Klaus Bumba, Fachplaner im Bereich Versorgungstechnik beim Automobilhersteller.

    Die Lösung war eine Energiezentrale, in der Wärme, Kälte und elektrische Energie bereitgestellt werden. Die Verteilung geschieht über ein ausgeklügeltes Infrastrukturnetz. Großen Wert legte Audi dabei auf eine kostengünstige Lösung bei den technischen Anlagen. Das gelang zum einen durch den Anschluss an das Fernwärmenetz der Stadt Neuburg, das auf Abwärme aus der regionalen Glasindustrie zurückgreift. Zusätzlich nutzt man die Abwärme aus dem eigenen Prüfstandsbetrieb aus. So viele Mühe wird belohnt: Das Audi-Fahrgelände inklusive Infrastruktur und Beheizung wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB mit dem Zertifikat in Platin gewürdigt.

    Um das Ziel eines klimaneutralen Unternehmens zu erreichen, spielt neben der Eigenerzeugung auch die Reduzierung des Energieverbrauchs eine wichtige Rolle. Beim Zulieferer von Vakuumtechnik für die Verpackungsmaschinenhersteller, der J. Schmalz GmbH aus Glatten bei Karlsruhe, trägt gleich eine Vielzahl von Maßnahmen dazu bei, möglichst effizient mit Strom und Wärme auszukommen. Schmalz speist die Bremsenergie der Regalbediengeräte des automatischen Kleinteilelagers ins Stromnetz zurück und nutzt sie wieder. Nicht benötigte Stromkreise schaltet das Unternehmen nachts und am Wochenende ab. Die Beleuchtung in Büro- und Produktionsgebäuden wird tageslichtabhängig geregelt. Auch die Drucklufterzeugung ist frequenzgeregelt und wird von einer speziellen Software überwacht. Zudem optimiert ein intelligentes Lastmanagement-System den Energieverbrauch. Kommt es zu einer Lastspitze, schaltet das System Verbraucher, die nicht dauerhaft eingeschaltet sein müssen, für mindestens fünf Minuten ab oder reduziert deren Leistung. So spart Schmalz effektiv Strom ein und reduziert gleichzeitig durch die Vermeidung von Lastspitzen Stromkosten.


    FÖRDERPROGRAMME NUTZEN

    Firmen, die künftig umweltfreundlicher produzieren wollen, stehen zahlreiche Geldquellen der KfW zur Verfügung. Hier einige Beispiele:

    Energieeffizienzprogramm – Abwärme. Von dieser neuen Förderquelle profitieren kleine und mittelgroße Firmen: „Sie erhalten einen zusätzlichen Bonus von zehn Prozent auf den Tilgungszuschuss“, so KfW-Direktorin Harriet Wirth.

    Erneuerbare Energien Standard.
    Mit diesem Programm stellt die KfW zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse für die Investition zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien sowie für Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK-Anlagen) bereit. Dazu gehören auch PhotovoltaikAnlagen, Windkraftanlagen an Land sowie Batteriespeicher für Erneuerbare-Energien-Anlagen.

    Erneuerbare Energien Premium.
    Dieses Angebot „stellt zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse für die Erzeugung von Wärme aus Sonnenenergie im großen industriellen Maßstab zur Verfügung. Dazu gehören Investitionen zur Nutzung von Wärme aus regenerativen Energien. Zu den geförderten Vorhaben gehören zum Beispiel große Solarkollektoranlagen, große Anlagen zur Verbrennung fester Biomasse, große Wärmespeicher, große effiziente Wärmepumpen sowie KWK-Anlagen.

    Erneuerbare Energien Premium – Tiefengeothermie.
    Bei diesem Förderprogramm gibt es zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse für Energievorhaben von Unternehmen, die Erdwärme erschließen und nutzen wollen. Geld gibt es für die Errichtung von Anlagen zur thermischen Nutzung, für Bohrungen zur thermischen Nutzung und/oder Stromerzeugung und für den Mehraufwand für Bohrungen mit erhöhten technischen Risiken.


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