entspannt, erfolgreich, Gesundheit, Personal

Die Qual der Wahl: Privat oder Kasse? Die Vor- und Nachteile der privaten und gesetzlichen Krankenkassen

Privat oder gesetzlich? Diese Wahl war nie einfach zu treffen – doch die zum neuen Jahr angekündigten Beitragserhöhungen der Krankenversicherungen machen sie endgültig zur Qual. Wir geben Orientierungshilfe.

Das Jahr 2017 wird für privat Krankenversicherte ein teures Jahr: Bis Redaktionsschluss haben einige Anbieter bereits Beitragserhöhungen von bis zu 15 Prozent angekündigt. Weitere Versicherer dürften bis Erscheinen dieser Ausgabe nachziehen. Zwei von drei Policen sind von dieser erneuten Anhebungsrunde betroffen – und damit mehr als sechs der insgesamt neun Millionen Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV). An Kassenpatienten geht dieser Kelch im nächsten Jahr zwar erst einmal vorüber, doch heißt aufgeschoben nicht aufgehoben. Denn auch in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) klafft ein Finanzloch von 1,3 Milliarden Euro, das sich nur noch mit Zuschüssen aus den Reserven des Gesundheitsfonds stopfen lässt. Was sollten Versicherte und Wechselwillige also beachten?

Die Gesetzlichen

Zum Vergrößern klicken.

Zum Vergrößern klicken.

„Die Gesundheitsausgaben steigen schneller als die Einkommen der Versicherten“, warnte Jürgen Wasem von der Uni Duisburg-Essen bereits im Sommer in einem Interview. Der Professor für Medizinmanagement hat hochgerechnet, was das mittelfristig für Kassenpatienten bedeutet: Ihre Zusatzbeiträge könnten sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppeln. Dabei sind die von den Krankenkassen individuell festgelegten Zusatzbeiträge nicht mit dem regulären Beitragssatz zu verwechseln. Dieser liegt im gesetzlichen System aktuell bei 14,6 Prozent, die sich bei Angestellten Mitarbeiter und Chef zur Hälfte teilen. Doch selbst wenn dieser Beitragssatz stabil bleibt, ziehen die Kosten für Gutverdiener indirekt an. „Der Grund ist die steigende Beitragsbemessungsgrenze – vor allem Gutverdiener zahlen so bei gleichem Beitragssatz Jahr für Jahr mehr – und das auch ganz ohne steigende Zusatzbeiträge“, warnt Oliver Mest vom 1A Verbraucherportal. Aktuell sind das zwar selbst bei den teuersten Kassen lediglich 1,9 Prozent des Bruttoeinkommens, doch wie lange noch?

Unternehmer und generell Selbstständige, die freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, zahlen ihren Kassenbeitrag allein. Und haben mit ihrem ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent ihrer Gesamteinnahmen nicht einmal Anspruch auf Krankengeld. Kein Wunder, dass viele dieser freiwillig Versicherten mit einer privaten Police liebäugeln, bei der die Beiträge nicht pauschalisiert erhoben, sondern in einem Individualvertrag niedergelegt werden.

netzwert
Gesetzlich oder privat? Eine kompakte Übersicht mit den wichtigsten Vor- und Nachteilen gibt es in unserer App oder auf creditreform-magazin.de/pkv2017

© altrendo images/ Juice Images/ Getty Images

© altrendo images/ Juice Images/ Getty Images

Die Privaten

Angestellte haben die Wahl zwischen privat oder gesetzlich nur bei einem Jahresgehalt oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG). 2017 müssen sie voraussichtlich mehr als 57.600 Euro brutto verdienen, um ins private Lager zu wechseln. Ihre Kinder sind, anders als bei den Gesetzlichen, dabei nicht mitversichert. Und die Hürden für eine Rückkehr in die GKV sind hoch.
Mehr hierzu auf: creditreform-magazin.de/pkv2016

Zum Vergrößern klicken.

Zum Vergrößern klicken.

Kinderlose gesunde Angestellte liebäugeln dennoch wegen der geringeren Kosten mit der PKV: So erhalten gesunde Gutverdiener mit 30 bis 35 Jahren schon für 300 Euro im Monat einen guten Schutz, von denen der Chef die Hälfte übernimmt. In der gesetzlichen Kasse läge ihre Belastung doppelt so hoch. Und, wie bereits angerissen: Bei Selbstständigen ohne Arbeitgeberanteil fällt diese Schere noch größer aus (siehe Tabellen). Zudem gibt es mit den meisten privaten Policen deutlich mehr fürs Geld: „Die höhere Leistungsdichte der privaten Krankenversicherung ist ein großer Vorteil“, unterstreicht Mest: So werden je nach Vertrag die Kosten für Zahnersatz komplett erstattet, alternative Behandlungsmethoden übernommen – und die Wartezeit auf Facharzttermine ist deutlich kürzer.

Versicherte mit Vorerkrankungen müssen allerdings scharf kalkulieren: Jedes bekannte Leiden kann bei Vertragabschluss zu Risikozuschlägen oder gar zur Ablehnung führen. Trotz des geringeren Leistungsniveaus empfiehlt sich dann meist der Verbleib in der GKV, die keine Gesundheitsprüfung durchführt. Zudem lässt die freie Beitragskalkulation die PKV-Beiträge im Alter oft rapide ansteigen – aktuell kämpfen vor allem ältere Versicherte mit Beitragssteigerungen von bis zu 20 Prozent. Die heutige Ersparnis sollte also unbedingt so angelegt werden, dass sie im Alter zur individuellen Beitragsentlastung zur Verfügung steht. Sonst wird aus der exklusiven Gesundheitsabsicherung schnell ein Eigentor. Immerhin gibt es nach Einschätzung von Oliver Mest hier eine Fluchtmöglichkeit: „Wenn der PKV-Schutz zu teuer wird, lässt sich innerhalb des Versicherers in einen anderen Tarif wechseln. Diesen Anspruch muss man allerdings vehement durchsetzen, weil viele Anbieter mauern und ihre Kunden lieber im bisherigen Tarif halten möchten.“

Mit einer Selbstbeteiligung können gesunde Versicherte allzu hohen Beiträgen ebenfalls entgegenwirken, indem sie Rechnungen und Medikamente bis zu einer vorab vereinbarten Summe selbst übernehmen. Alternativ beteiligen sie sich prozentual an sämtlichen Kosten, bis ihr Eigenanteil erreicht ist. Dafür erhalten sie einen Nachlass auf den Beitrag oder eine Rückerstattung und sparen so in Jahren, in denen sie selten erkranken. Doch während die Beiträge zur PKV steuerlich absetzbar sind, sind es Eigenleistungen nur begrenzt und verpuffen steuerlich schnell. Doppelt ärgerlich für Angestellte: Während der Chef zum Beitrag die Hälfte dazugibt, werden Eigenbeteiligungen nicht subventioniert. Apropos Steuern: „Seit ein paar Jahren sind die Kosten für die Gesundheitsabsicherung deutlich besser absetzbar“, so Mest: „Die Kosten für eine Basisvorsorge auf GKV-Niveau können auch Privatversicherte voll absetzen.“ Der Versicherer weist diesen Anteil auf der Beitragsrechnung am Jahresende aus – er liegt im Schnitt bei 80 Prozent der Gesamtkosten.


Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

CAPTCHA-Bild

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie weiter