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    Mobile Business, vernetzt

    Vernetzung total: Wie der neue Mobilfunkstandard 5G die Wirtschaft revolutionieren soll

    Alltagsgegenstände, Maschinen, Fabriken und sogar ganze Städte – mit dem neuen Mobilfunkstandard lässt sich in Zukunft alles miteinander vernetzen. Bereits im Jahr 2020 soll 5G marktreif sein. Höchste Zeit also für weitsichtige Unternehmer, über neue Geschäftsmodelle nachzudenken. Text: Iris Quirin

    Kaum haben wir uns an die schnelle Datenübertragung per Smartphone gewöhnt, taucht schon ein neuer Standard auf, der rund zehnmal schneller sein soll: 5G heißt das Netz der Zukunft. Es soll als Nachfolger das heutige 4G-Netz – üblicherweise unter LTE bekannt – ergänzen und die herkömmlichen Mobilfunknetze in einigen Jahren ablösen. Einen Vorgeschmack auf die schnelle, vernetzte Welt von 5G erhielten ausgewählte Gäste der Telekom während der Internationalen Funkausstellung in Berlin. Mit Unterstützung des Netzwerkunternehmens Nokia übertrug sie das Internationale Leichtathletik Sportfest ISTAF im Olympiastadion mit 360-Grad-Aufnahmen in Echtzeit. Die staunenden Gäste empfingen die interaktiven Videodaten in ultrahoher Auflösung als Live-Übertragung auf ihren Virtual-Reality-Brillen – fast so, als wären sie mitten im Stadion. Mit ihrer Demo hatte die Telekom im Berliner Netz weltweit erstmalig die Schallmauer von einem Gigabit pro Sekunde für mobile Datenübertragungen durchbrochen.

    „Wir haben gezeigt, wie viele Daten in kürzester Zeit mit 5G übertragen werden können und wie schnell moderne Infrastruktur reagieren kann“, erklärt Bruno Jacobfeuerborn. „Mit derartigen Demos machen wir 5G anfassbar“, sagt der Technikchef der Telekom, der im Telekom-eigenen Innovationslabor 5G:haus (www.telekom.com/5g-haus) mit internationalen Partnern eifrig an dem Netz der Zukunft forscht.

    » Der neue Standard 5G wird fast alle Wirtschaftsbereiche positiv beeinflussen. «
    Bruno Jacobfeuerborn, Telekom

    Die fünfte Mobilfunkgeneration soll ein wahrer Tausendsassa werden: Im Vergleich zum aktuellen Mobilfunkstandard 4G (LTE Advanced) bietet die Technik eine 1.000-fach höhere Kapazität, eine 100-fach höhere Verbindungsdichte, eine zehnfach höhere Geschwindigkeit und vor allem zehnfach geringere Latenzzeiten mit Datenraten von bis zu 20 Gigabit pro Sekunde. Klar, dass mit so viel Leistung ganz andere Anwendungen möglich sind ist als schnödes Telefonieren oder Daten-dienste. 5G stellt eine wahre Revolution in den Netzwerken dar:

    Die klassischen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen werden aufgelöst, alles kann mit allem vernetzt werden. 5G soll zur Schlüsseltechnologie des Internets der Dinge (IoT) werden, bei dem mit Sensoren ausgestattete Geräte und Maschinen untereinander kommunizieren (M2M-Kommunikation). Forscher gehen davon aus, dass ab 2020 schon mehr als 100 Milliarden Dinge weltweit miteinander vernetzt sein werden, die Daten sammeln und weiterleiten – von der Smartwatch am Handgelenk über den Kühlschrank im Smart Home bis zur Maschine in der smarten Fabrik. Zahlreiche Allianzen, wie die der Deutschen Telekom und SK Telecom mit Technologieführern und Netzbetreibern aus den USA, Asien und Europa oder die von AT&T, Huawei, Nokia, Ericsson, Qualcomm und Samsung, formieren sich, um den kommenden globalen Kommunikationsstandard schneller marktreif zu machen. Damit 5G funktioniert, muss nicht nur die Technik stehen, sondern es müssen auch einheitliche Standards geschaffen werden und die Netzabdeckung verlässlich zur Verfügung stehen. Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone investieren Milliarden Euro in neue 5G-Funktürme und Netzwerk-Infrastrukturen.

    „Ab 2020 wird 5G flächendeckend ausgerollt“, erklärt Frank H. P. Fitzek, Koordinator des 5G Lab Germany (http://5glab.de) an der TU Dresden. Dort arbeiten Hunderte von Experten aus mehr als 50 Industrienationen am Netz der Zukunft, darunter führende Netzausrüster und Telekommunikationsunternehmen wie Vodafone. Die Erwartungen sind hoch. „Die Entwicklung von 5G orientiert sich dabei an den Bedürfnissen und Anforderungen der Kunden und der Industrie“, erklärt Telekom-Technikchef Jacobfeuerstein. Er ist sich jedenfalls sicher: „Es wird kaum einen Bereich ohne positive Impulse durch den neuen Kommunikationsstandard geben.“

    Entdecke die Möglichkeiten

    5G ist der Treibstoff für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und eröffnet neue Geschäftschancen.

    Zum Beispiel in den folgenden Bereichen:

    Automobil.
    Über das Hochgeschwindigkeitsnetz kommunizieren Fahrzeuge in Echtzeit miteinander und erhalten Informationen über die Verkehrsinfrastruktur. Sie koordinieren ihre Fahrmanöver mit denen anderer Autos und umgehen Gefahrensituationen automatisch. Innerstädtische Kreuzungen funktionieren ohne Ampeln und lange Wartezeiten. Die Ziele: Staus gibt es nicht mehr und auf den Straßen wird es sicherer.

    Augmented- und Virtual-Reality-Dienste.
    Neue Services werden mit dem leistungsstarken 5G-Mobilfunknetz möglich. Der Anbieter Korea Telecom beispielsweise arbeitet an hochauflösendem Fernsehen und an Hologrammen, die bei Telepresence-Anwendungen via 5G übertragen werden könnten.

    Landwirtschaft.
    Nutztiere werden mit Sensoren ausgestattet, die den Landwirt via 5G-Netz über ihren Zustand informieren. So kann er das Melken oder Scheren zeitlich optimieren. Felder und Anbauflächen werden von Drohnen gescannt, um unterschiedlichen Düngebedarf zu ermitteln. Der Anbau von Getreide wird so ressourcen- und umweltschonender.

    Logistik.
    Fahrerlose Kurierfahrzeuge sind an den Ladestationen, wenn die Ware zur Auslieferung bereit ist. Die gesamte logistische Kette wird beschleunigt, Ressourcen werden gespart. Ist die Ware im Lkw, koordiniert dieser sich mit weiteren Lastkraftwagen zu hochautomatisierten „Windschatten-Fahrgemeinschaften“. Das spart nicht nur Kraftstoff, sondern auch Zeit.

    Medizinanwendungen.
    Vitaldaten von Patienten werden über Mobilfunk an die Ärzte übermittelt. Die Behandlung von Langzeitpatienten erfolgt aus der Ferne. Logistische Prozesse in Krankeneinrichtungen werden vereinfacht, indem beispielsweise automatisch Krankenbetten signalisieren, wenn sie gereinigt werden müssen. Bei Unfällen erhalten Notärzte im autonom fahrenden Krankenwagen direkt die digitale Patientenakte und aktuelle Vitaldaten des Verletzten dank dessen smartem Trikot, das automatisch über Mobilfunk die wichtigsten Informationen übermittelt.

    Nahverkehr.
    Busse, Bahnen und Haltestellen kommunizieren untereinander und reagieren unmittelbar, wenn es eine erhöhte Nachfrage zur Personenbeförderung gibt oder eine Route nicht befahren werden muss, weil keine Fahrgäste an den Haltestellen stehen.

    Produktion.
    Maschinen tauschen während des Produktionsprozesses ohne menschliche Eingriffe untereinander in Echtzeit Millionen von Daten über das 5G-Netz aus. Die Fehlerwahrscheinlichkeit wird auf ein Minimum reduziert.

    Obst- und Weinanbau.
    Winzer nutzen Sensoren, um Reifegrad und Wasserbedarf der Früchte zu ermitteln. Die Versorgung übernehmen autonome Traktoren. Im vernetzten Weinkeller etwa stehen Weinfässer, Thermometer und Temperaturregler ständig im Austausch und passen die Klimatisierung an die Wetterlage an.

    Smart Home.
    Mit dem neuen Netzstandard soll das Internet der Dinge in den eigenen vier Wänden so richtig in Schwung kommen – vom selbstständig nachordernden Kühlschrank bis zum selbst startenden Mähroboter, wenn das Gras zu hoch gewachsen ist.

    Smart City.
    Wichtige Teilbereiche wie etwa Umwelt, Energie und Verkehr werden klug miteinander vernetzt. So messen zum Beispiel Sensoren in Abfallcontainern den Füllstand und rufen bei Bedarf die Müllabfuhr und Parksensoren lotsen Autofahrer via App auf freie Parkplätze. Barcelona zeigte auf dem diesjährigen Mobile World Congress, wie es geht (http://smartcity.bcn.cat/en).

    Unterhaltung.
    Filme in HD-Auflösung lassen sich in wenigen Sekunden herunterladen; Online-Gamer können in Strategiespielen dank der geringen Latenzzeiten schnell reagieren. Auch bei Massenveranstaltungen mit hoher Nutzer- und Gerätedichte wie in Stadien sorgt es für den notwendigen Datendurchsatz.

    Quellen: Nationaler IT-Gipfel Berlin 2015, Telekom, Vodafone


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