Christoph Leichtweiß ist geschäftsführender Gesellschafter von zwei Unternehmen der YPOS-Gruppe. 
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solvent, Vorsorge

Aktien im Höhenflug – Politische Risiken auch

Die globalen Aktienmärkte zeigen sich angesichts der vielerorts politisch heiklen Situation in erstaunlich guter Verfassung. Das liegt zum einen an den möglicherweise für die Wirtschaft positiven Folgen der Wahl des US-Präsidenten Donald Trump und zum anderen an den steigenden Inflationserwartungen weltweit. Die Börsen haben bereits ein hohes Maß an positiven Zukunftsprognosen eingepreist. Damit sind die Erwartungen an die neue US-Regierung sehr hoch und diese wird sich anstrengen müssen, die hochgesteckten Ziele zu erreichen.

Am Anleihemarkt nimmt der Gegenwind allmählich zu. In den USA stehen die sicheren Häfen in Form von Staatsanleihen am stärksten unter Verkaufsdruck. Die Erwartung massiver Investitionsprogramme von Seiten der neuen US-Regierung ließ die Renditen am US-Anleihemarkt (mit Ausnahme der riskanten Hochzinsanleihen) deutlich steigen. In der Eurozone stützt die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren massiven Kaufprogrammen den Anleihemarkt. So kommt es, dass sich der Markt im EURO-Raum noch sehr stabil darstellt.

Wirtschaft überrascht positiv

Anhand des von der Citi Group errechneten wirtschaftlichen Überraschungsindex‘ ist gut zu erkennen, dass die Aktienmarktrallye der letzten Handelstage nicht ohne fundamentale Grundlage zustande kommt. Der Index zeigt, ob und wie stark die veröffentlichten Wirtschaftsdaten die Erwartungen der Marktteilnehmer überraschen. Wie in der nachfolgenden Grafik deutlich wird, entwickelt sich die Konjunktur zuletzt deutlich besser als von den Experten prognostiziert.

Politisch weiter heikel

Besonders in der Eurozone wird bleibt die politische Situation angespannt. Das Referendum in Italien hat das Dilemma, ich welchem das Land sich befindet, deutlich gemacht. Die populistischen Parteien erfreuen sich derzeit eines enormen Rückenwinds und das nicht nur in Italien. Die wirtschaftlichen Probleme in den südlichen Eurostaaten (siehe Grafik unten) sorgen für eine steigende Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Hinzu kommt die wachsende Kluft zwischen den Staaten der Europäischen Union (z.B. Flüchtlingspolitik). Unter dem Strich verharren die Staaten der Eurozone bzw. der Europäischen Union in einer abwartenden politischen Haltung, ohne drängende Probleme nachhaltig zu lösen. Solange diese Problematik nicht angegangen wird, werden die politischen Extreme weiter an Zuspruch gewinnen. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis das erste Land aus dem Euro ausscheidet.

Fazit

Die aktuellen wirtschaftlichen Daten haben positiv überrascht. Die großen Notenbanken fahren überwiegend eine expansive Geldpolitik. Die anziehende Inflation unterstützt diese Tendenzen zusätzlich. Mit zunehmenden fiskalen Investitionsmaßnahmen (siehe USA) ergibt sich ein Umfeld, das für steigende Aktienmärkte spricht. Doch die zunehmenden Risiken auf politischer Ebene werden auch im nächsten Jahr immer wieder für Aufregung an den Märkten sorgen. Die rentabelste Anlageklasse scheint ein gut (!) gestreutes Aktienportfolio zu sein. Gleichzeitig müssen Anleger hier auch die größten Schwankungen erwarten. Umso wichtiger ist es, dass der persönliche Anlagehorizont und auch die Erwartungshaltung an die Kapitalmärkte richtig definiert werden.


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