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Digitalisierung – die wichtigsten Entwicklungen der kommenden Jahre

Das weltweite Netz verbindet immer mehr Menschen, Maschinen und Geräte. Experten sind sich einig: In den nächsten zehn Jahren weitet sich die Kommunikation zwischen den Akteuren auf Alltagsgegenstände aus. Text: Manfred Buchner

“Total digital” heißt ein Bestseller aus dem Jahr 1995, der in 40 Sprachen übersetzt wurde. Nicholas Negroponte, ehemals Leiter des Media-Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/ USA, schildert darin seine Vision von der schönen digitalen Wunderwelt: Vernetzte Armbänder und Ohrringe, die über Satelliten mit uns kommunizieren und uns den Weg zeigen; Senioren in T-Shirts, die deren Gesundheitszustand überwachen; Kühlschränke, die dem Fahrer im Auto melden, dass die letzte Milchflasche zur Neige geht.

© John Lund/ Blend Images / Getty Images

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Visionär Negroponte hat die radikale Digitalisierung der Medien, der Technik und vieler Lebensbereiche angekündigt. Und er hatte recht: Schon heute beherrscht das Internet Wirtschaft und Gesellschaft. Wie aber geht es den nächsten zehn Jahren weiter? Leben wir künftig total digital, so wie es Negroponte vor mehr als 20 Jahren ankündigte?

Für Arzu Uyan, Leiterin der Gruppe Smart Environment des Internetverbands Eco, rückt dieser Zeitpunkt immer näher: „Nach den Prognosen gibt es im Jahr 2020 bereits rund 50 Milliarden vernetzter intelligenter Geräte. In unserem Lebens- und Arbeitsalltag ist der Mensch mit bis zu 50 vernetzten Gegenständen umgeben.“ Die Marktforscher von IDC rechnen in der Folge damit, dass in fünf Jahren das weltweite Datenvolumen von derzeit 4,4 Zettabyte auf 44 Zettabyte steigt und sich damit verzehnfacht. Über die Zukunft des Internets machen sich viele Propheten der digitalen Welt Gedanken. Etwa die Experten des IT-Beratungsunternehmens Gartner aus den USA.

© Matt Bird/ Corbis/ Getty Images

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Sie haben festgestellt: Digitale Anwendungsszenarien wie etwa aus „Total digital“ sind in der Fachwelt hinlänglich bekannt. In der Praxis haben sie sich allerdings noch nicht durchgesetzt. Wie es dazu kommt, erklärt Gartner mit dem sogenannten Hype Cycle for Emerging Technologies (siehe Grafik auf dieser Doppelseite). Es handelt sich um ein Diagramm, in dem die neuesten Web-Technologien aufgereiht sind. Damit lässt sich die Entwicklung einer Innovation bis zur Realisierung im Zeitablauf verfolgen. Der Hype Cycle nennt dazu fünf Abschnitte:

© CHBD/ E+/ Getty Images

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Phase 1: Innovative Neulinge. Technologischer Auslöser einer Innovation ist meist ein Forschungsprojekt. Sogenannte Early Adopters probieren es aus. Aktuell gilt das etwa für die Einführung von Smart Dust, zu Deutsch: intelligenter Staub. Das sind funkgesteuerte Computernetze aus winzigen Sensoren, die einen Zustand melden und zur Steuerung bereitstehen.

Phase 2: Höhepunkt der Erwartungen. Berichte über Innovationen erzeugen in der Fachszene oft Enthusiasmus und treiben die Erwartungen weiter hoch. Es gibt schon erste Anwendungen, doch die Technik kämpft noch mit Kinderkrankheiten. Das ist derzeit bei den Wearables der Fall, also bei Mini-Computern, die in die Kleidung eingewebt sind oder in mobilen Geräten wie Armbanduhren oder Brillen stecken.

Phase 3: Tal der Desillusionierung. Zur Enttäuschung wird eine Technologie, wenn sie nicht alle Erwartungen erfüllt. Weil sie sich etwa nicht schnell genug weiterentwickelt. Die Berichterstattung ebbt ab. Das gilt etwa für Augmented Reality, die die reale und die computergenerierte Welt verschmelzen lässt. Etwa wenn Monteure den nächsten Arbeitsschritt in ihr Sichtfeld einblenden oder Designer am dreidimensionalen Modell arbeiten.

© Colin Anderson/ Blend Images/ Getty Images

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Phase 4: Kurve der Aufklärung. Realistische Einschätzungen führen zu einer positiven Wende. Man begreift die Vorteile einer neuen Technologie, die praktischen Umsetzungsmöglichkeiten, aber auch die Grenzen sieht man klarer. Das gilt zum Beispiel für Gesture Control, eine Methode zum Erkennen und Steuern von Körperbewegungen durch Computer.

Phase 5: Phase der Produktivität. Sie beginnt im Endstadium einer Entwicklung. Hohe Aufmerksamkeit erhält eine Technologie, wenn sie den Massen- oder einen Nischenmarkt erreicht. Dies trifft im nächsten Jahr für die Spracherkennung durch Computer zu.

© Miguel Navarro/ Stone/ Getty Images

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Doch wie sieht der Realitätsbezug dieser Prognosen aus? Treten die Vorhersagen ein oder sind es nur ungenaue Vermutungen? Diese Frage wollte die Fachzeitschrift „Computerwoche“ klären und hat die Hype Cycle der vergangenen zehn Jahre unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist überraschend: Mit erstaunlicher Präzision haben die Analysten die Trends der IT-Welt vorhergesehen und einst marktferne Themen in einen zeitlichen Kontext gesetzt. So prognostizierten sie zum Beispiel 2005, dass das Thema Augmented Reality binnen fünf bis zehn Jahren seinen Höhepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung erreicht. Ein anderes Beispiel ist der 3-D-Druck, der erstmals im Hype Cycle für das Jahr 2007 auftauchte und der 2016 seine Produktivitätsebene erreichen sollte – exakt so, wie es eingetreten ist.

© Westend61/ Getty Images

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Der Blick in die Glaskugel
Sechs wichtige Entwicklungen, die die kommenden Jahre beherrschen werden:

Computing überall. Mobile Geräte bieten ständigen Online-Anschluss. Dadurch ist die kontinuierliche und damit aktuelle, weltweite Information der Nutzer, auch in der Produktion und im Handel, möglich.

Internet der Dinge (IoT). Geräte tauschen untereinander und mit den Nutzern automatisch Infos aus. Etwa die Haushaltsgeräte mit dem Stromzähler, um die günstigsten Verbrauchszeiten herauszufinden.

3-D-Druck. Die neuen Drucker können fast jedes dreidimensionale Objekt herstellen. Typische Materialien sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle.

Big Data. Große Datenmengen, etwa aus dem IoT, von Social Media oder aus mobilen Geräten, werden automatisch analysiert und sind in Anwendungen eingebettet.

Intelligente Maschinen. Sie lernen selbstständig und handeln entsprechend dem Trends zur Industrie 4.0. Die smarten Maschinen gelten als Technologie, die vorhandene Geräte weitgehend ersetzt.

Systeme mit Umgebungsdaten. Sie erfassen, etwa via Sensoren, den Kontext der Nutzer und der Geräte und liefern ausgewählte Daten. Damit lassen sich zum Beispiel Sicherheitssysteme verstärken.


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