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1 Euro = 1 Dollar?

Wie entwickeln sich die Leitzinsen dies- und jenseits des Atlantiks in diesem Jahr – und folgt auf die lockere Geldpolitik gar eine expansive Fiskalpolitik mit staatlichen Konjunkturprogrammen? Worauf sich Unternehmer an der Preis- und Devisenfront einstellen sollten, verraten die Chefvolkswirte der vom Creditreform-Magazin befragten Banken.

© DSGV

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„Wir hoffen, dass 2017 den Einstieg in die geldpolitische Wende bringt. Die USA können und sollten hierbei vorangehen. Für den Euroraum rechnen wir in diesem Jahr noch nicht mit sinkenden Leitzinsen. Ein Zinsvorsprung der USA würde zwar für einen festeren Wechselkurs des Dollars sprechen, doch größere Verwerfungen zwischen den Leitwährungen muss das nicht provozieren, wenn es parallel einen Inflationsunterschied gibt. Bei den Verbraucherpreisen rechnen wir diesseits des großen Teichs mit einem Anstieg von rund 1,5 Prozent – im Euroraum generell etwas weniger, in Deutschland etwas mehr.“
Michael Wolgast, Deutscher Sparkassen- und Giroverband

„Die Märkte glauben fest daran, dass Trumps Politik einem Konjunkturprogramm gleichkommt, das mehr Wachstum und Inflation bringt. Deshalb steigen auch die US-Langfristzinsen. Die US-Zentralbank könnte dieses Jahr die Leitzinsen noch zwei weitere Male anheben, während in Europa mit einem baldigen Ende der Negativzinspolitik nicht zu rechnen ist – insbesondere weil die EZB ein extrem unterstützendes Zinsumfeld weiterhin gewährleisten will, um beispielsweise Italiens Schuldentragfähigkeit beziehungsweise dessen erfolgreiche Refinanzierung sicherzustellen.“
Carolin Vogt, IKB Deutsche Industriebank

„Angesichts der von Trump geplanten Impulse für die US-Wirtschaft – höhere Staatsausgaben, Steuersenkungen, Deregulierung – dürfte der Dollar an Stärke gewinnen und im Verlauf dieses Jahres sogar die Parität zum Euro durchbrechen. Fiskalpolitische Stimuli in der EU-28-Gruppe erwarten wir indes nicht – ebenso wenig eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank in diesem Jahr. Bei tendenziell nachlassendem Lohnanstieg dürfte auch die Kerninflation weiter relativ verhalten bleiben.“
Stefan Schneider, Deutsche Bank Research

© Wonge Bergman/ DZ BANK AG

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„Die anstehenden Brexit-Verhandlungen, das Ergebnis der US-Wahl und der zunehmende Populismus in Europa lasten auf der Stimmung. Staatliche Ausgabenprogramme sind dabei nur ein Strohfeuer, das die ohnehin schleppende Haushaltskonsolidierung in vielen Euroländern zurückwirft. Ratsamer wären weitere Strukturreformen – besonders auf den Arbeitsmärkten.“
Stefan Bielmeier, DZ Bank

„Bedingt durch verschiedene Wahlen in Europa ist von einer expansiveren Fiskalpolitik auszugehen. Dadurch, aber vor allem durch die Trump-Administration in den USA, sollte die Staatsverschuldung auf beiden Seiten des Atlantiks zugunsten von Investitionsprogrammen und Steuersenkungen weiter steigen. Diese Politik wird mittelfristig wieder Inflationssorgen auf den Plan rufen. Für dieses Jahr aber erwarten wir nur eine leichte Preissteigerung von 1,3 Prozent hierzulande und 1,2 Prozent im Euroraum. Die Deflationssorgen sind damit noch nicht verschwunden, schwächen sich aber deutlich ab.“
Liane Buchholz, Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands

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