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Planung 2017: Die Herausforderungen des neuen Jahres fest im Blick

Unternehmer sollten zu Jahresanfang einen genauen Plan haben, wann sie der Bank welche Informationen liefern. Denn für Ad-hoc-Aktionen zeigen sich Firmenkundenbetreuer erfahrungsgemäß wenig aufgeschlossen. So stellen Firmenchefs ihre Projektfinanzierungen strategisch optimal auf. Text: Eva Neuthinger

Unternehmensberater Werner Walz im baden-württembergischen Albstadt beobachtet schon seit mehreren Monaten, dass sich die Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe zurückhalten. Seine Überlegungen in diesem Zusammenhang fasst der Fachmann wie folgt zusammen: „Die anhaltende Niedrigzinspolitik führt dazu, dass die Institute in wenigen Jahren fast keine Überschüsse mehr erzielen. Das wissen die Geldhäuser. Bei Darlehensvergaben im Mittelstand sind sie daher sehr vorsichtig geworden.“

Umso wichtiger wird es also, dass Firmenchefs ihre Investitionen für das kommende Jahr sauber planen. „Ad-hoc-Finanzierungen sind inzwischen fast nicht mehr zu bekommen, zumindest bei einem erhöhten Kapitalbedarf“, warnt Walz. Er beobachtet: Im Schnitt können Unternehmen mit einem guten Rating sechs bis acht Wochen einplanen, bis eine Zusage kommt. „Bei mittleren Bonitäten rechnen wir sogar mit gut drei Monaten. Die Banken spielen eben alle Szenarien durch, bevor sie den Daumen für die Finanzierung heben“, so Walz. Damit sie die Weichen für eine gute Zusammenarbeit 2017 schon zu Jahresbeginn stellen, gehen umsichtige Firmenchefs deshalb wohl nur geplant vor. Zum Beispiel nach diesem Schema:

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Summen- und Saldenliste

In den ersten Wochen des neuen Jahres sollte der Firmenkundenberater vom Management unaufgefordert die Betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) inklusive Summen- und Saldenliste aus dem Vorjahr erhalten. Hilfreich ist für ihn zudem ein Soll-Ist-Vergleich für das gerade abgelaufene Jahr 2016.

Planung für drei Jahre

Viele Unternehmer im Mittelstand verzichten auf eine mittelfristige Prognose. Dabei ist es durchaus sinnvoll, eine Planung für die nächsten drei Jahre an die Bank zu geben. Schließlich sind Informationen gegenüber dem Firmenkundenbetreuer eine Bringschuld. Wer dieses Prinzip berücksichtigt, schneidet nicht nur beim Rating besser ab. Außerdem hat der Unternehmer mit der Drei-Jahres-Planung ein Kontrollinstrument in der Hand. „Die Planung wird am besten in komprimierter Form an den Firmenkundenberater geschickt. Es ist nicht nötig, extra einen Termin zu vereinbaren, um die Details zu besprechen“, sagt Experte Walz. Der Hintergrund eines solchen Vorgehens: Der Unternehmer braucht gegenüber dem Firmenkundenbetreuer nur seine Bereitschaft zu zeigen, dass er ihn über die Entwicklung der Firma permanent auf dem Laufenden halten will. „Viele Mitarbeiter einer Bank haben aber nicht mehr die Zeit und Muße, mehrmals im Jahr ein Gespräch zu führen“, so Walz.

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Bilanz

Die Bilanz des Vorjahres mit Stichtag 31.12. liegt im Idealfall in der ersten Jahreshälfte vor – auch der Bank. Das ist wichtig, denn es gibt sonst Abzüge beim Rating. „Es bedarf keiner Extraerläuterungen. Die Banken werten den Jahresabschluss ohnehin nach eigenen Kriterien aus“, ist sich Walz sicher. Für das Ergebnis der Bankanalyse sollten sich Firmenchefs aber tunlichst interessieren. Einige Institute, etwa die Sparkassen, stellen gute grafische Auswertungen auf. Aus diesen lässt sich recht schnell ablesen, wo die Schwachstellen beim Firmenrating liegen. Der Unternehmer kann sich die Schaubilder zusenden lassen. Ansonsten präsentieren die Institute diese allerdings auch von sich aus – meistens verbunden mit dem obligatorischen Jahresgespräch. Thomas Katmann, Finanzierungsexperte und Inhaber der Unternehmensberatung Gral – Das Beraterteam in Wiesbaden, empfiehlt in diesem Zusammenhang: „Beim Bankgespräch sollte es nicht nur um die harten Faktoren wie die Kennzahlen gehen. Wir raten dazu, ebenso auf die Marketingstrategie einzugehen und die Strategie für die nächsten Monate zu erläutern.“

Qualitätssicherung

Anhand der BWA können Maßnahmen abgeleitet werden, um die Bonität des Unternehmens zu verbessern. Ziel ist es, einen permanenten Optimierungsprozess umzusetzen. Das schließt es mit ein, die Kennzahlen mindestens einmal im Quartal – besser monatlich – zu kontrollieren. „Abweichungen vom Plan nach oben oder nach unten sollten erklärt werden“, empfiehlt Katmann. Selbst wenn der Unternehmer nicht dazu verpflichtet ist, dem Kreditinstitut vierteljährlich ein Reporting zu liefern: Offene Kommunikation und Transparenz schaden nicht. Der Firmenkundenbetreuer sollte jederzeit eine Vorstellung davon haben, wie sich die Firma entwickelt. Aus diesem Grund hält auch Unternehmerin Alexandra Bezler engen Kontakt zu ihrer Hausbank.

„Wir senden für jedes Quartal unsere Betriebswirtschaftlichen Auswertungen und besprechen einmal im Jahr unsere strategische Planung sowie die aktuelle Situation“, sagt die Geschäftsführerin der Bezler Heizungstechnik in Kirchheim/Teck. Im Jahresgespräch geht es ihr in erster Linie um die Bilanz sowie um die Gewinn- und Verlustrechnung. Außerdem stellt sie jeweils zum Beginn eines neuen Jahres eine Unternehmensplanung auf. „Zeichnen sich Veränderungen in unserer Firma ab, gehen wir frühzeitig auf die Bank zu und informieren darüber“, so Bezler.

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Steuererklärung

Die zweite Jahreshälfte verläuft in puncto Planung für viele Unternehmer etwas ruhiger. Allerdings: Das Reporting für die Hausbank geht kontinuierlich weiter. Zusätzlich interessiert sich das Institut jetzt für den Steuerbescheid – in der Regel liegt dieser im dritten Quartal bereits vor, spätestens jedoch im vierten Quartal. Auch hier genügt es, wenn das Schriftstück kommentarlos an den zuständigen Firmenkundenberater weitergeleitet wird. „Wir empfehlen, die Steuererklärung beziehungsweise den Steuerbescheid sowohl bei Kapitalgesellschaften als auch bei Einzelkaufleuten der Bank unaufgefordert einzureichen“, sagt Berater Walz. Ebenso sollten jetzt die Angaben zur Selbstauskunft sowie zur Vermögensaufstellung aktualisiert werden.

Kreditvorbereitung

Clevere Unternehmer sprechen mit der Bank bereits im Herbst des Vorjahres über geplante Investitionen. Wer also gleich im Januar oder Februar ein neues Wirtschaftsgut kaufen will, erstellt den Businessplan bereits mit einem Vorlauf von rund drei Monaten. Spätestens zum Ende des dritten Quartals sollte der Finanzierungs- und Liquiditätsplan für das Jahr 2018 fertig sein.

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Unternehmensplanung

In den letzten beiden Monaten des Jahres 2017 wird eine Vorausschau für die Zeit nach Silvester erstellt. Der Unternehmer reserviert dafür am besten mehrere Tage und setzt sich mit ausgewählten Führungskräften und Mitarbeitern im Team zusammen, um die aktuelle Situation sowie die Auftragslage der kommenden Monate zu diskutieren. Es geht dabei vor allem darum, die Entwicklung des laufenden Jahres zu bewerten und die Planung fortzuschreiben.

Bewertung

Die Beurteilung des Sachbearbeiters geht am Ende über die harten Ratingfaktoren hinaus. „Die Bank will immer im Voraus wissen, was in der Firma passiert“, kommentiert Berater Walz und warnt gleichzeitig: „Nichts ist schlimmer, als wenn der Firmenkundenbetreuer über Dritte Neuigkeiten erfährt.“ Die Devise lautet also: Immer am Ball bleiben.


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