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    Nicht zu investieren, ist auch riskant

    Wie beurteilen Deutschlands Banken die Finanzierungslage des deutschen Mittelstands zum Jahresauftakt – und welche Empfehlungen geben sie ihren gewerblichen Kreditkunden für 2017 mit auf den Weg?

    „Auch wenn die Finanzierungssituation des Mittelstands insgesamt sehr gut ist: Die strukturellen Probleme kleiner und junger Unternehmen beim Kreditzugang bleiben bestehen. Trotz des insgesamt günstigen Umfelds hat sich die Kreditnachfrage des Mittelstands zuletzt eher verhalten entwickelt. Dies dürfte zumindest zum Teil auch an den deutlich gestiegenen Unsicherheiten im internationalen Umfeld liegen. Aber auch der Eigenmitteleinsatz als Finanzierungsalternative erreicht ein Allzeithoch. Die Unternehmen nutzen dafür die Rücklagen, die sie in den vergangenen Jahren aufbauen konnten. Sie sollten die günstigen Finanzierungsbedingungen dazu nutzen, sich den aktuellen Herausforderungen wie etwa der Digitalisierung zu stellen und entsprechend zu investieren.“
    Jörg Zeuner, KfW Bankengruppe

    © Martin Joppen/ Deutsche Bank Research

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    „Die Bedingungen für Mittelstandskunden bleiben dieses Jahr hervorragend – nicht zuletzt durch die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Angesichts des sich abzeichnenden deutlichen Zinsanstiegs in den USA und des von uns erwarteten allmählichen Ausstiegs der EZB aus dieser Geldpolitik sollten Unternehmen jedoch darüber nachdenken, wie sie sich die derzeit günstigen Kreditkonditionen langfristig sichern.“
    Stefan Schneider, Deutsche Bank Research

     

    © Commerzbank

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    „Für dieses Jahr empfehlen wir, neue Wege statt gewohnter Pfade zu beschreiten – etwa neue Märkte zu erschließen und die Internationalisierung des Betriebs konsequent voranzutreiben. Warum nicht maßgeschneiderte Exportfinanzierungen zur Erschließung internationaler Wachstumsmärkte nutzen? Parallel sollten Unternehmer ihre Bilanzstrukturen im Niedrigzinsumfeld krisenfest machen, um den Einfluss von globalen Herausforderungen auf ihren Entscheidungsspielraum zu minimieren. Bei allen langfristigen Investitionsentscheidungen empfiehlt sich, Fördermittel mit einzubinden und Zuschussangebote zu prüfen.“
    Ralph Solveen, Commerzbank

    „Mein Rat an Unternehmer: Prüfen Sie sorgfältig, ob die unternehmerischen Herausforderungen nicht doch einen höheren Investitionsbedarf mit sich bringen als bislang veranschlagt. Wir beobachten, dass viele Mittelständler die zahlreichen Risiken durch das internationale Umfeld, die Demografie, aber auch die Wirtschaftspolitik mit Beunruhigung wahrnehmen. Richtig ist, dass sorgloses Investieren in unsicheren Zeiten Gefahren mit sich bringt. Aber auch eine ausgeprägte Zurückhaltung beim Investieren ist nicht ohne Risiko, wenn sich dann Zukunftschancen nicht richtig nutzen lassen.“
    Andreas Bley, Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

    „Viele Mittelständler sind derzeit gar nicht auf große Außenfinanzierungen angewiesen. Das Innenfinanzierungsaufkommen aus der in der Breite meist guten Ertragslage deckt den größten Bedarf bereits ab. Gleichzeitig wollen viele Finanzierungsanbieter in diesem Bereich Fuß fassen. Das Finanzierungsangebot ist groß. Im Ergebnis sind die Bedingungen für den Mittelstand derzeit quantitativ und preislich so günstig wie selten zuvor.“
    Michael Wolgast, Deutscher Sparkassen- und Giroverband

    © VÖB

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    „Das Angebot an Firmenkrediten ist weit größer als die Nachfrage. Zudem sind die Konditionen aufgrund der Zinspolitik der EZB, aber auch des harten Wettbewerbs günstig. Allerdings ändern sich dieses Jahr die Vorzeichen: Die Kreditkonditionen sollten aufgrund verschiedener Faktoren nun wieder leicht steigen – denken wir nur an die Diskussionen über eine anstehende Zinswende oder höhere regulatorische Kosten der Banken. Kritisch sehen wir Regulierungsvorhaben wie die Leverage Ratio oder die Implementierung von IFRS 9, welche die Rahmenbedingungen für langfristige Finanzierungen verschlechtern könnten.“
    Liane Buchholz, Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands


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