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“Wachstum ohne Schwung”: Prognosen für 2017 – frisch für Sie verpackt

Wie entwickelt sich die deutsche Volkswirtschaft 2017? Unter welchen Rahmenbedingungen müssen sich die Unternehmer hierzulande dieses Jahr behaupten? Unsere Umfrage unter Deutschlands Banken, die wir traditionell zum Jahresauftakt durchführen, liefert wertvolle Einschätzungen. Text: Ingo Schenk

Andreas Bley, Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. © BVR

© BVR

„Die deutsche Wirtschaft wächst auch in diesem Jahr, doch ohne Begeisterung. Dass unsere BIP-Prognose von 1,3 Prozent Wachstum hinter der für 2016 zurückbleibt, liegt vor allem an der geringeren Anzahl von Arbeitstagen: 2017 fallen mehr Feiertage innerhalb der Arbeitswoche an als üblich. Noch dazu ist wegen des Lutherjahres der Reformationstag ausnahmsweise ein bundesweiter Feiertag. Davon abgesehen bleibt die konjunkturelle Dynamik in diesem Jahr in etwa so wie 2016.“
Andreas Bley, Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

„Trotz Kalendereffekt wächst Deutschland auch dieses Jahr weiter über seinem Potenzialpfad, was mit weiteren Beschäftigungsgewinnen einhergeht. Allerdings: Die Stützen für das Wachstum könnten nachfrageseitig breiter sein. Nur der Konsum ist in Deutschland derzeit eine Triebfeder – Export und Investitionen, mit Ausnahme des Wohnungsbaus, leisten hingegen keinen Wachstumsbeitrag. Die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern, wäre daher wichtiger als staatliche Konjunkturspritzen!“
Michael Wolgast, Deutscher Sparkassen- und Giroverband

© IKB

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„Der private Konsum bleibt auch in diesem Jahr die Hauptsäule unseres Wachstums: Er profitiert von der unverändert guten Beschäftigungsentwicklung, ordentlichen Lohnsteigerungen und der niedrigen Inflationsrate. Auch die Staatsausgaben bleiben hoch aufgrund anhaltender Ausgaben für die Flüchtlinge, die Dynamik dürfte sich aber im nächsten Jahr abflachen. Die Bauinvestitionen – hier vor allem der Wohnungsbau – dürften ebenfalls weiter expandieren.“
Carolin Vogt, IKB Deutsche Industriebank

„Probleme in den Schwellenländern dämpfen die deutschen Exporte, und vom Devisenmarkt kommt inzwischen kein Rückenwind mehr. Zudem stehen die Gewinnmargen der Unternehmen wegen des stärkeren Lohnanstiegs unter Druck, was eine weiterhin geringe Dynamik der Ausrüstungsinvestitionen erwarten lässt. Wichtigste Konjunkturstütze bleibt daher der private Verbrauch, der vom starken Arbeitsmarkt profitiert.“
Ralph Solveen, Commerzbank

„Unser Wachstum war in den vergangenen Jahren maßgeblich getrieben durch die expansive Geldpolitik. Wir gehen davon aus, dass diese Politik beibehalten und das Anleihekaufprogramm verlängert wird. Weitere Entlastungsfaktoren, wie der Verfall des Ölpreises, der im Jahr 2016 für einen Anstieg des Realeinkommens führte, sind in diesem Jahr allerdings nicht absehbar. Strukturelle Schwächen dürften daher bald wieder deutlicher in Erscheinung treten – bislang wurden sie durch die Geldpolitik überdeckt.“
Liane Buchholz, Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands

© Gaby Gerster/ KfW Bildarchiv

© Gaby Gerster/ KfW Bildarchiv

„Bei den Unternehmensinvestitionen rechnen wir dieses Jahr nur mit einem gedämpften Zuwachs, da nach Brexit und US-Präsidentenwahl das Damoklesschwert einer protektionistischeren Weltwirtschaft über uns als Exportnation hängt. Mit Blick auf die tiefen Spuren, die ein harter Brexit – falls es keine Übergangslösung für die Zeit ab 2019 geben sollte – in der britischen Wirtschaft hinterlassen würde, dürfte der Austritt der Briten in Europa aber keine Schule machen. Für Deutschland bringt der Brexit Chancen auf regionaler Ebene, wenn bislang im Vereinigten Königreich beheimatete Firmen einschließlich Banken ihre Aktivitäten ganz oder teilweise nach Deutschland verlagern.“
Jörg Zeuner, KfW Bankengruppe

„Trugen die Zusatzausgaben im Rahmen der Flüchtlingskrise 2016 noch 0,25 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei, dürfte dieser Sondereffekt angesichts der nachlassenden Flüchtlingszahlen dieses Jahr ausklingen. Die Integration der Flüchtlinge bleibt eine Mammutaufgabe für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Bei Gelingen dürften dem Mittelstand zusätzliche Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, in deren Ausbildung die Unternehmen aber weiter investieren müssen.“
Stefan Schneider, Deutsche Bank Research


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