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© antoniokhr/ iStock

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Altmodisch und benutzerunfreundlich: So manche Website im Mittelstand versprüht noch den antiken Charme der Internet-Gründerzeit. Die folgenden Tipps helfen bei der Suche nach zeitgemäßer Software. Text: Michael Schlösser

Eine Website ist für die Bernexpo nicht genug. Das Schweizer Live-Marketing-Unternehmen veranstaltet im Jahr 30 Eigen- und Gastmessen sowie 200 Kongresse und benötigt daher ständig neue Portale. „Wir sind auf ein CMS angewiesen, das sich rasch ausbauen lässt“, sagt IT-Web-Analyst Philipp Weber. Was der Unternehmensgruppe mit ihren 150 Mitarbeitern den Job erleichtert: Bernexpo betreibt trotz wechselnder Projektteams alle Seiten mit demselben System. Das lässt einerseits individuelle Einstellungen zu, andererseits spart es Zeit, wenn sich Impressum, Anfahrtsskizze oder Datenschutzhinweis mehrfach verwenden lassen. „Dadurch ist ein effizienter Betrieb mit minimalen personellen Ressourcen möglich“, so Weber. Damit nicht jede neue Seite wie ein Klon der vorherigen aussieht, ist das Layout jeweils veränderbar. Die Basis hierfür bilden aktuelle Web-Technologien wie HTML5 oder CSS3.

Die Bernexpo kommt so gar nicht in die Gefahr, die Websites veralten zu lassen. Das unterscheidet die Schweizer von so manchem Mittelständler hierzulande, dessen Online-Visitenkarte schon längst Staub angesetzt hat. „Antik“ nennt Andreas Öttl, Marketing-Leiter bei Content XXL, solche Seiten. Der CMS-Anbieter hat in einer Studie die Websites von 175 Mittelständlern untersucht. Unternehmen, die eigentlich als besonders innovativ gelten und führend in ihrem Geschäftsbereich sind. Das Ergebnis: 89 von 175 Seiten waren nicht für die Darstellung auf mobilen Endgeräten optimiert. Eigentlich ein absoluter Standard in Zeiten, in denen weit über die Hälfte des Online-Traffics über Smartphones und Tablets kommt. Selbst wenn die Website nur eine Visitenkarte für das Unternehmen sein soll: „Ich mache sie entweder auf hochwertigem Papier oder ich nehme einen Vordruck“, nennt Öttl einen passenden Vergleich. „Denken Sie daran: Es werden immer Menschen nach Ihrem Unternehmen recherchieren. Auch B2B-Entscheider sind mit mobilen Geräten unterwegs.“

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»Mit Open Source ist der Kunde nicht ewig an einen Dienstleister gebunden.«
Meike Jung, CMS Garden

Was also tun, wenn die Website ins Museum gehört? „Die Kernfrage ist: Wie hoch ist das Thema in Ihrer Prioritätenskala angesiedelt?“, gibt Malte Hasse zu bedenken, der stellvertretende Vorsitzende des Fachkreises Full-Service-Digitalagenturen im Bundesverband Digitale Wirtschaft. Sein Rat: „Gehen Sie – wie in jedem anderen Projekt auch – strategisch vor und definieren Sie Ihre Ziele und Anforderungen.“ Danach kommt die aufwendigste Arbeit, denn der Markt für Content-Management-Systeme ist schon allein in Deutschland kaum noch überschaubar. Doch irgendwie müssen sich Unternehmer durch diesen Dschungel kämpfen. Entweder haben sie hierfür das Know-how und die Manpower bereits im Haus oder sie nehmen sich eine Agentur an ihre Seite, die beim Entscheidungsprozess hilft. „Schauen Sie sich einige Kandidaten an“, rät Hasse und ergänzt: „Machen Sie aber nicht den Fehler und setzen Sie auf das erstbeste System, von dem Sie vielleicht über Mund-zu-Mund-Propaganda im Golfclub gehört haben.“

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Welche Abteilung ist federführend zuständig?

Wenn die Entscheidung für ein Produkt getroffen ist, müssen in der Regel die externen Fachleute ran. Denn die Kompetenz, das neue CMS anzupassen und zu installieren, haben nur die wenigsten Unternehmen. Wichtig ist die Schnittstelle: „Sie brauchen interne Kompetenz, eine Person, die den Dienstleister steuert“, sagt Hasse. „Wenn Sie diese Kompetenz nicht haben, muss sie aufgebaut werden.“ Denn das Projekt „Website“ sei niemals abgeschlossen. „Das ist nicht wie ein Haus, das ich baue. Es ist eher wie ein Auto, das regelmäßig zur Wartung in die Werkstatt muss. Es muss sich einfach jemand damit beschäftigen.“ Noch ein Tipp: Dieser Jemand sollte nicht federführend die IT-Abteilung sein, denn das Thema gehört auf Entscheider-Ebene und operativ in die Fachabteilung, die mit der Seite arbeitet. In der Regel ist das die Kommunikation beziehungsweise das Marketing.

Was beim ganzen Projekt grundsätzlich gefragt werden sollte: Bekomme ich meine Anforderungen auch mit einer Open-Source-Lösung abgebildet? In Sachen Leistungsstärke liege die quelloffene Software mit proprietären Systemen auf Augenhöhe, verspricht Meike Jung von CMS Garden, dem Dachverband der Open-Source-Content-Management-Systeme. „Viele Regierungen und Behörden weltweit setzen Open-Source-CMS ein, darunter auch so sicherheitssensible wie das Weiße Haus oder das FBI. Aber auch Konzerne, Mittelständler und kleine Unternehmen haben ihre teilweise sehr speziellen Anforderungen mit freien quelloffenen Content-Management-Systemen umsetzen lassen.“

Die Vorteile von Open Source

Um aber gleich mit einer Wunschvorstellung aufzuräumen: „Free and Open Source“ bedeutet nicht unbedingt kostenlos. „Bei der Einrichtung und individuellen Anpassung sind die Kosten oft vergleichbar“, sagt Jung. Der Kunde spart aber Lizenzkosten. Der große Unterschied: WordPress, Joomla, Drupal und Co. leben von einer extrem aktiven Community, die die Systeme täglich weiterentwickelt. So profitieren sehr schnell alle Nutzer davon, weil irgendjemand eine neue Anforderung in der Programmierung umgesetzt hat. „Zudem binde ich mich nicht für ewig an einen Dienstleister“, erklärt Jung. Ein späterer Umstieg von einer Open-Source-Lösung ist in der Regel leichter als bei einem proprietären System.

Was viele Business-Anwender zweifeln lässt: Wer übernimmt bei Open-Source-Software die Haftung? Zum Beispiel bei Hacker-Angriffen, Ausfall des Shop-Systems oder Datenbank-Crash. Das lässt sich bei proprietären Lösungen, bei denen Lizenzgebühren bezahlt werden und ein Service-Vertrag besteht, recht eindeutig klären. Wer auf eine offene Software setzt, sollte für den Ernstfall vorbereitet sein: Viele Agenturen bieten Service- und Wartungsdienstleistungen an, während die Community dafür sorgt, dass Sicherheitslücken umgehend geschlossen werden. Und am Ende gibt es auch immer noch eine IT-Haftpflichtversicherung, die den Schaden regeln kann.

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HELFER FÜR DIE FIRMEN-WEBSITE
WordPress (Open Source)
Das populärste Open-Source-CMS: installationstechnisch ein Leichtgewicht, modular aufgebaut, extrem einfach zu bedienen und ein Liebling von Google. Der größte Vorteil ist eine riesige Programmierer-Community, die ständig Updates pflegt und eine unendliche Zahl Plugins produziert. Nachteil: Die leichte Bauweise macht WordPress zum beliebten Angriffsziel für Hacker.

Joomla (Open Source)
Joomla hat seine Stärken bei komplexeren Seitenstrukturen, zum Beispiel bei Online-Shops. Die Administration hat zahlreiche Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten – das System wirkt auf Anfänger dadurch aber umständlicher. Aus diesem Grund braucht es eine längere Einarbeitungszeit.

Drupal (Open Source)
Drupal hat bei einer Sicherheitsstudie des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik Bestnoten bekommen. Auch hier: ein modularer Aufbau und eine aktive Community. Aber: Die Konfiguration ist weitaus aufwendiger als bei WordPress oder Joomla. Das Backend ist eher spartanisch, zudem gibt es keinen integrierten Editor mit Echtzeit-Vorschau.

First Spirit (Propietär-Software)
Das CMS der Dortmund E-Spirit AG ist eines der Schwergewichte auf dem deutschen Markt – unter anderem im Einsatz bei Großkonzerne wie Bosch, Airbus oder der Commerzbank. Dementsprechend lassen sich alle Geschäftsprozesse eines Unternehmens abbilden.

Content XXL (Propiertär-Software)
Content XXL wirft auch ein großer Besucheransturm nicht um. Das CMS wird unter ande-
rem bei VW, Mercedes-Benz und Jack Wolfskin eingesetzt. Ebenfalls modular aufgebaut, aber auch individuell erweiterbar. Überaus einfache Benutzeroberfläche

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ERFOLGSFAKTOREN IM INTERNET
95 Prozent der Firmen-Websites sind mangelhaft und lassen ihre Betreiber unseriös wirken, mahnt Martin Medler von der Netzfokus GmbH – und gibt Tipps, wie sich die Reichweite eines Online-Aushängeschilds steigern lässt.

Design. Der erste Eindruck ist auch im Internet entscheidend – erst recht, wenn der Wettbewerb nur einen Mausklick entfernt ist. Unternehmer sollten daher in ansprechendes Layout investieren, das aber zwingend zur Firma und Branche passen sollte.

Navigation. Findet sich der Kunde hier nicht gleich zurecht, ist er schnell wieder weg. Unternehmer sollten also ihre Seitenstruktur sorgfältig planen und mithilfe externer Personen testen.

Inhalte. Der Kunde sucht Informationen über Produkte und Leistungen, wird auf vielen Websites aber mit Fachchinesisch und langweiligen Firmenhistorien verschreckt. Nicht nur Suchmaschinen lieben aktuelle Informationen – auch dem User zeigt eine gut gepflegte Site, dass er den Betreibern und ihren Produkten vertrauen kann.

Ansprechpartner. Das Internet ist anonym. Besser also, eine persönliche Beziehung zum Internetnutzer aufzubauen, um die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme zu senken. Der Besucher soll merken, dass er es auch mit Menschen zu tun hat. Kontaktmöglichkeiten sollten auf jeder Unterseite zu finden sein.

Fotos. Der Mensch denkt in Bildern, darum verkaufen Fotos 180-mal schneller als Text. Professionelle Fotos begeistern Besucher und steigern das Vertrauen ins Unternehmen.

Ladezeiten. Was macht ein Besucher, wenn eine Seite nicht schnell lädt? Richtig: Er nimmt die nächste. Trotzdem nutzen viele Firmen noch immer einen Billig-Hoster.

SEO. Per Suchmaschinenoptimierung sorgen Unternehmer dafür, dass der User sie findet. Dieser wiederum hat das Gefühl, die Firma entdeckt zu haben – psychologisch geschickt. Zudem hat der Nutzer bei der Suche ganz klar eine Kaufabsicht – und der Site-Betreiber weiß sogar, was dieser kaufen möchte. SEO-Tipps hier: creditreform-magazin.de/seo-optimierung


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