Zur Person: Oliver Grün ist Präsident beim Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi). © Julian RentzschZur Person: Oliver Grün ist Präsident beim Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi). © Julian Rentzsch

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»Lasst uns nicht-personenbezogene Daten besser nutzen«

Vernetzt-Kommntar_2Datengetriebene Geschäftsmodelle brauchen eindeutige rechtliche Regeln. Doch hierzulande sind die Rahmenbedingungen für den IT-Mittelstand denkbar schlecht. Text: Oliver Grün

Bis heute beruhen Geschäftsmodelle zum großen Teil auf der Herstellung und dem Verkauf von Maschinen und Geräten. Ein Szenario, von dem die deutsche Wirtschaft mit ihrer ausgezeichneten Produktion „Made in Germany“ zweifellos profitiert. Doch schon jetzt produzieren diese Maschinen Unmengen an nicht-personenbezogenen Daten.

Nur in seltenen Fällen werden diese Daten weiter verwendet – sie sind vielmehr ein Abfallprodukt des Betriebs der Maschine. Das wird sich in Zukunft ändern, denn die Daten selbst werden in das Zentrum moderner Geschäftsmodelle rücken: Welche Informationen lassen sich aus Sensor- und Nutzungsdaten über die Funktionalität der Maschine gewinnen? Lassen sich Rückschlüsse für Optimierungen ziehen oder Ausfälle verhindern? Rund um diese Fragen entstehen Dienstleistungen und Plattformen, die nicht nur die Effizienz und Flexibilität der Produktion steigern und Kosten senken, sondern Grundlage neuer datengetriebener Geschäftsmodelle werden. Gerade Letzteres ist der entscheidende Schritt zur digitalen Transformation, die als disruptiver Kern der Digitalisierung weit über die reine digitale Optimierung bestehender Prozesse hinausgeht. Hier gewinnt derjenige, der aus den Daten die wirtschaftlich relevanten Informationen filtert und für sein Geschäftsmodell verwenden kann. So werden die Daten wertvoller als die Maschinen selbst und den Herstellern der Maschinen droht die Rolle austauschbarer Zulieferer für ein ihnen übergeordnetes Geschäftsmodell oder eine Plattform in Übersee.

© vs148/ Shutterstock

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Um datengetriebene Geschäftsmodelle in Deutschland und Europa zu fördern, braucht es eindeutige rechtliche Regeln. Aktuell gibt es keine Einigkeit darüber, wer die nicht-personenbezogenen, von Maschinen produzierten Daten verwenden darf. Deshalb werden bisher Nutzungsrechte in individuellen Verträgen oder den AGB festgeschrieben. Als Folge bestimmt meist die stärkere Verhandlungsposition, wer die Daten verwenden darf und wer nicht. Damit sind die Rahmenbedingungen moderner Geschäftsmodelle für kleine und mittelständische Unternehmen denkbar schlecht. Denn egal ob als Hersteller oder Betreiber einer Maschine können sie von einem stärkeren Vertragspartner von der wirtschaftlichen Verwendung der Daten ausgeschlossen werden. So hat einerseits ein kleiner Sensorhersteller keine Chance, die maschinengenerierten Daten zu analysieren, kundenübergreifend zu vergleichen und damit seine Produkte zu optimieren, wenn die Betreiber der Maschinen ihm die Datennutzung verwehren können. Andererseits haben Betreiber keine Chance, ihre von ihnen selbst produzierten Nutzungsdaten auszuwerten oder von einem externen Dienstleister auswerten zu lassen, wenn ihnen der Herstellerkonzern der Maschine dies untersagen kann.

Um zu verhindern, dass Unternehmen mit großer Marktmacht ihre Position nutzen, um kleine und mittelständische Unternehmen die Teilhabe an datengetriebenen Geschäftsmodellen zu erschweren, muss ein offener Markt für nicht-personenbezogene Sensor- und Nutzungsdaten entstehen. In ihm sollten Hersteller sowie Betreiber von datenproduzierenden Maschinen gleichermaßen das Recht zur Verwendung der Daten bekommen. Entsprechende Klauseln in AGB, die eine einseitige Verwendung der Daten festschreiben, sollten verboten werden. Außerdem muss der Hersteller verpflichtet werden, dem Betreiber die entstehenden Daten so verfügbar zu machen, dass dieser die Daten auch verwenden kann und ihm keine technischen Hürden in den Weg gelegt werden. Nur in einem offenen Markt können innovative, datenbezogene Geschäftsmodelle entstehen. Diese brauchen wir dringend für unseren Wohlstand 2050. Ansonsten besteht die Gefahr, dass wir zur Werkbank der Datenwelt verkommen und in der Digitalisierung abgehängt werden.


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