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entspannt, Leben

Risikofaktor Romantik

Ehe aus, Firma ruiniert? Dieses Risiko gehen Unternehmer ein, die auf einen Ehevertrag verzichten. Gütertrennung ist nicht immer der Weisheit letzter Schluss – mit diesen Gestaltungsmodellen sind Unternehmer im Falle einer Scheidung abgesichert.

Die Scheidung ist die Korrektur eines tragischen Irrtums“, sinnierte einst Loriot. Der Künstler hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Nur recht hatte er leider nicht. Denn Scheidungen korrigieren längst nicht immer die Fehler der früheren Partnerwahl: Oft offenbaren sie vor allem deren Tragweite. Besonders deutlich wird das bei gescheiterten Unternehmer-Ehen – und zwar dann, wenn das Paar ohne Ehevertrag geheiratet hat.

» Der Zugewinnausgleich bei einer Scheidung kann selbst für gesunde Firmen den Tod bedeuten. « Maria Demirci, RDS

Wer ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen zum Standesamt geht, lebt mit seinem Partner im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Anders als vielfach angenommen, bedeutet das zwar nicht, dass die Vermögen der Vermählten verschmelzen und sich nur noch unter Schmerzen auseinanderdividieren lassen. Mann und Frau bleiben vielmehr Alleineigentümer aller Dinge, die sie vor und während der Ehe erworben haben. Das Gesetz schreibt für den Fall einer Scheidung allerdings einen Vermögensausgleich vor. Derjenige, der während der Ehe ein größeres Finanzpolster aufbauen konnte, muss dem anderen Partner bei einer Scheidung die Hälfte seines Überschusses abgeben. „Dieser sogenannte Zugewinnausgleich kann selbst für gesunde Firmen den Tod bedeuten“, warnt Maria Demirci, Fachanwältin für Familienrecht bei RDS in München. „Für Unternehmer ist der gesetzliche Güterstand deshalb denkbar ungeeignet.“ Ohne Ehevertrag gilt Folgendes: Wurde das Unternehmen während der Ehezeit gegründet oder erworben, kann der Ex-Partner des Firmenchefs nach einer Scheidung 50 Prozent des Unternehmenswertes verlangen. Wer bereits als Unternehmer vor den Altar getreten ist, aber dann den Wert der Firma deutlich gesteigert hat, zahlt ebenfalls. Diesmal die Hälfte des Wertzuwachses.

Wenn Ehekrisen Existenzen vernichten

Besonders bitter an der gesetzlichen Regelung: Das Geld an den oder die Ex muss in bar fließen. Und zwar in dem Moment, in dem die Scheidung rechtskräftig wird. „Wer nicht vorgesorgt hat, muss in solchen Konstellationen oft das Unternehmen, oder zumindest Teile davon, verkaufen – nur um den oder die Ex auszahlen zu können“, sagt Demirci.
Unternehmer, denen ihr Geschäft am Herzen liegt, kommen bei einer Heirat also nicht um eine unromantische Geste herum: Sie müssen auf einen Ehevertrag bestehen – idealerweise bereits vor dem Gang zum Altar. „Zwar ist es grundsätzlich möglich, den Vertrag nach dem Eheversprechen abzuschließen“, sagt Juristin Demirci. Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger werde es aber oft, den Partner für einen solchen Vertrag zu gewinnen.

Überschätztes Instrument Gütertrennung

Im Wesentlichen gibt es zwei Möglichkeiten bei der Vertragsgestaltung. Variante eins: die Gütertrennung. Sie schließt den gesetzlich vorgeschriebenen Zugewinnausgleich am Ende der Ehe aus und sorgt dafür, dass jeder Partner nach der Trennung nur das bekommt, was ihm ohnehin schon gehört. Das klingt zunächst nach einer sauberen Lösung. Doch eine strikte Gütertrennung kann auch zum Bumerang werden. Dann nämlich, wenn die Ehe tatsächlich hält „bis dass der Tod sie scheidet“. „Wenn einer der Eheleute stirbt, können dem überlebenden Partner im Fall einer Gütertrennung erhebliche Steuernachteile entstehen“, warnt Nina Lenz­Brendel, Fachanwältin für Erbrecht bei Pabst, Lorenz und Partner in Mannheim. Der Grund: Eheleute, die im gesetzlichen Güterstand leben, erhalten beim Tod des Partners ein Viertel des Vermögens steuerfrei als Zugewinn. Bei der Gütertrennung sieht das anders aus. „Da dieses Instrument ja gerade verhindern soll, dass ein Zugewinnausgleich stattfindet, bekommt der überlebende Ehegatte seinen Anteil am Nachlass als Erbe“, sagt Lenz-Brendel. Er muss also die komplette Summe, abzüglich der Freibeträge, versteuern.

Das Beste aus beiden Welten

Die zweite Variante der Vertragsgestaltung, die modi­fizierte Zugewinngemeinschaft, kommt ohne diesen Schönheitsfehler aus. Mehrere Spielarten sind denkbar: So können die Partner zum Beispiel vereinbaren, dass der Zugewinnausgleich nur für den Fall einer Scheidung entfallen soll. Stirbt einer der Eheleute, greifen wieder die gesetzlichen Regelungen und sichern dem überlebenden Partner seinen Steuervorteil. Ebenfalls denkbar ist es, nur bestimmte Werte (etwa das Unternehmen) vom Zugewinnausgleich bei einer Scheidung auszunehmen. „Die Berechnungen, was dem Ex-Partner nach dem Ehe-Aus zusteht, werden dadurch zwar nicht gerade einfacher“, warnt Familienrechtlerin Demirci. „Die Gefahr, dass mit dem Ende der Ehe auch das Ende des Unternehmens besiegelt wird, minimiert aber auch eine solche Gestaltung.“ Wichtig sei es allerdings, die Vorsichtsmaßnahmen nicht zu übertreiben und den Vertrag insgesamt ausgewogen zu gestalten (siehe Kasten). „Investiert etwa ein Unternehmer sein ganzes Vermögen in die Firma, können Gerichte im Fall der Fälle einen Missbrauch sehen – und die vertraglichen Regelungen kippen“, warnt Anwältin Demirci. Um das zu verhindern, empfiehlt es sich zum Beispiel, eine Entschädigung für den benachteiligten Partner festzuschreiben oder ihm eine Immobilie zu übertragen. Auch großzügige Unterhaltszahlungen könnten den Vorwurf des Missbrauchs entkräften.

(c) Creditreform-Magazin

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