Carl-Dietrich Sander ist UnternehmerBerater und Mittelstandsbotschafter für Finanzierungsfragen. 
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Finanzierung, Mittelstandsbotschafter, solvent

Banken und Sparkassen: Und weiter geht’s bergab – Und was tun Sie!?

Zentrale Größe für die Beurteilung der Ertragsstärke von Genossenschaftsbanken und Sparkassen ist das “Betriebsergebnis vor Bewertung” – also vor dem Abzug von Risikokosten zum Beispiel aus Abschreibungen auf Kredite oder Aktien. Als Maßstab für ein zukunftsfähiges Institut gilt dabei ein dauerhaft erzielter Wert von 1,00 % der durchschnittlichen Bilanzsumme (DBS). Diesen Wert haben die Sparkassen im Durchschnitt zum letzten Mal 2011 und die Genossenschaftsbanken 2013 erreicht – und seitdem geht es kontinuierlich bergab.

Und das wird auf Dauer Konsequenzen für die Kreditversorgung der Unternehmen haben. Denn weniger Ertrag (auf Dauer!) bedeutet weniger Chancen, “in der Bilanz Speck anzusetzen”, um für schlechtere Zeiten gerüstet zu sein – die Bankenaufsicht spricht von der “Risikotragfähigkeit” einer Bank.

Noch einmal zurück zu den Bankzahlen: Die Genossenschaftsbanken schafften 2016 im Durchschnitt gerade noch 0,80 % der DBS nach 0,89 % 2015 – also ein Rückgang von 10% in einem Jahr (Zeitschrift “BankInformation 04-2017). Die Sparkassen lagen schon 2015 nur noch bei 0,82 % der DBS und auch hier ist für 2016 mit einem weiteren Rückgang zu rechnen (SparkassenZeitung vom 10.03.2017).

Warum die Institute dennoch ganz zufrieden sind (“robust und ertragsstark” ist die Bewertung in der BankInformation zu diesem 10%igen Ertragsrückgang – das sollten Unternehmen im Bilanzgespräch mit ihrer Volksbank mal so darstellen . . .!), liegt allein im nicht vorhandenen Kreditrisiko begründet. Und das gilt auch schon nahezu durchweg seit 2011! Nur das wird nicht so bleiben! Der Präsident des Bundesverband Deutscher Banken, Hans-Walter Peters, dazu heute am 06.06.2017 im Handelsblatt-Interview: “Ich mache mir allerdings Sorgen, wenn das Wachstum einmal deutlich schwächer werden sollte. Jeder weiß, dass kein Aufschwung ewig anhält. Und die deutsche Wirtschaft ist besonders verwundbar, wenn die protektionistischen Tendenzen im Welthandel zunehmen”. Der nächste Abschwung kommt bestimmt. Nur weiß keiner genau wann. Und dann werden die Banken und Sparkassen auch wieder Abschreibungen auf Kredite vornehmen müssen – haben aber nicht mehr die laufende Ertragskraft dafür. Müssen also an ihre Reserven gehen!

Was heißt das für Sie als Unternehmerin und Unternehmer:

  1. Freuen Sie sich, dass Ihre Finanzierung heute so problemlos läuft – und Ihnen bei sehr guter Bonität die Kreditinstitute die Tür einrennen.
  2. Bereiten Sie sich aber parallel darauf vor, dass das nicht ewig so bleiben wird – vor allem (aber nicht nur) wenn Sie nicht zu den Unternehmen mit sehr guter Bonität gehören sollten.
  3. Machen Sie also eine nüchterne Bestandsaufnahme Ihrer derzeitigen Finanzierungs- und Banken-Situation: Sind Sie breit genug aufgestellt für den Fall, dass ein Finanzierungspartner plötzlich nicht mehr so kreditbereit sein sollte? Haben Sie eine Idee, wie es um die Risikotragfähigkeit Ihrer Finanzierungspartner bestellt ist? Haben Sie eine klare und realistische Einschätzung Ihrer eigenen Verhandlungsmachtposition?
  4. Leiten Sie klare Aktivitäten als Konsequenz Ihrer Bestandsaufnahme ab und setzen Sie diese mit klarem Zeitplan um.

Bedenken Sie: Gerade wenn alles gut läuft, ist der beste Zeitpunkt für die Vorbereitung darauf, dass es nicht mehr so gut laufen könnte. Denn jetzt haben Sie dafür Ressourcen frei. Wenn der erste Finanzierungspartner Zurückhaltung erkennen lässt, werden Sie nur noch reagieren können –  und nicht mehr agieren.

Zu den Themen 3 und 4 werden weitere Beiträge in dieser Rubrik folgen.

Zum Thema Bestandsaufnahme empfehle ich Ihnen als Einstieg das “KMU-Banken-Barometer 2017″: Selbst-Check zu Ihrer Finanzierungs- und Banken-Situation. Investieren Sie zehn Minuten als Einstieg in den weiteren Ausbau Ihrer Finanzierungs-Unabhängigkeit.

 


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