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    entspannt

    Läuft bei dir …

    Firmenläufe boomen. Zehntausende schnüren jährlich die Laufschuhe, um sich mit Kollegen, Vorgesetzten und anderen Firmen zu messen. Das ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern fördert auch Teamgeist und Loyalität zum Unternehmen.

    Darüber, dass es einige Kollegen gab, die die 5,9 Kilometer lange Laufstrecke schneller absolviert haben als er, sieht Joachim Boenisch gelassen hinweg. Es überwiegt der Stolz, dass sein Unternehmen, die Eska Ingenieurgesellschaft mbH, beim B2Run Firmenlauf rund ums Hamburger Volksparkstadion Anfang Mai immerhin 30 von 50 Mitarbeitern an den Start gebracht hat. Die Teilnahme an Firmenläufen hat bei Eska Tradition: „Der erste Lauf war der HSH Nordbank Run 2005, an dem wir auch in den folgenden Jahren immer wieder teilgenommen haben. Als dann 2010 der B2Run nach Hamburg gekommen ist, waren wir gleich begeistert.“ Inzwischen sind die Ingenieure zum siebten Mal dabei – und damit Teil eines deutschlandweiten Trends. Zehntausende schnüren Jahr für Jahr die Laufschuhe, um sich bei Firmenläufen mit Kollegen, Vorgesetzten und mit Läufern anderer Unternehmen zu messen.

    Die größte Einzelveranstaltung in Deutschland ist die JP Morgan Corporate Challenge in Frankfurt am Main. Dort liefen Mitte Juni mehr als 70.000 Teilnehmer die mehr als 5,6 Kilometer lange Strecke zwischen den Hochhäusern der Bankenmetropole. Die größte Serie veranstaltet B2Run, zu der auch der Lauf in Hamburg gehört. Im vergangenen Jahr zählten die Macher mehr als 180.000 Starter aus rund 8.700 Unternehmen. Für die insgesamt 17 geplanten Veranstaltungen bis September 2017 erwarten sie sogar rund 195.000 Teilnehmer.

    Das ist durchaus realistisch. Immerhin joggt laut einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte gut jeder dritte Deutsche regelmäßig. „Was Firmenläufe über den Wettkampfgedanken hinaus interessant macht, ist das gemeinsame Ziel“, sagt Thorsten Loch. Der Sportpsychologe berät neben dem Fußballernachwuchs im Leistungszentrum des 1. FC Köln auch große Unternehmen und Betriebskrankenkassen in Sachen Gesundheitsmanagement. „Den meisten Teilnehmern ist es egal, ob sie als Nummer 2.000 oder 3.000 in der Ergebnisliste stehen. Wichtiger ist das Erlebnis, das Wir-Gefühl – und die gemeinsame Vorbereitung“, stellt er fest.

    Bei Eska trainiert zwar jeder weitestgehend allein. „Aber die Vorbereitung für den Lauf bewegt einiges: Die Mitarbeiter denken mehr über Sport nach und werden sich bewusst, dass Sport wichtig für die Gesundheit ist und ein guter Ausgleich zum Alltag im Büro“, sagt Boenisch. Der Ingenieur betrachtet die Firmenläufe durchaus als Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Ganz nebenbei helfen sie, die Zahl der Fehltage zu reduzieren. Denn die häufigsten Gründe für Krankmeldungen im Büro sind psychische Erkrankungen und Rückenschmerzen. Beidem beugt regelmäßige Bewegung vor.

    „Ein Firmenlauf ist eine gute Gelegenheit, auch solche Mitarbeiter zu motivieren, die alleine nicht trainieren würden“, sagt Sportpsychologe Loch. Oft scheitern gut gemeinte Ansätze im Gesundheitsmanagement daran, dass zwar Angebote gemacht würden – etwa vergünstigte Fitnessstudio-Mitgliedschaften –, doch die Mitarbeiter ansonsten alleingelassen würden. „Wenn ich aber sage: Ich möchte diesen Lauf Ende August in einer bestimmten Zeit bewältigen oder auch nur, ohne zwischendurch gehen zu müssen. Dann habe ich ein Ziel“, sagt der Experte.

    Teamerfolge verbessern das Arbeitsklima

    Joachim Boenisch motiviert seine Leute zusätzlich, indem er als Chef die Startgebühren, Teamkleidung und Verpflegung sponsert. Bei 30 Startern kommen zwar einige Hundert Euro zusammen, aber das Geld ist gut investiert. Das belegt auch eine Studie: An der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW Saar) haben Wissenschaftler empirisch den Zusammenhang zwischen Firmenläufen und Mitarbeitermotivation untersucht – und positive Effekte auf das Arbeitsklima und die Arbeitsmotivation gemessen. „Ein Firmenlauf ruft Emotionen hervor, wie Begeisterung und Wir-Gefühl. Sie scheinen eine entscheidende Rolle zu spielen“, sagt Tatjana König, Professorin für Marketing an der HTW Saar und Initiatorin der Studie. Natürlich gehe es auch um die persönliche Leistung jedes Einzelnen und darum, die Strecke zu meistern – etwas, das bei den meisten Läufen mit einer Länge um sechs Kilometer auch für weniger Trainierte machbar ist. Viel entscheidender für den nachhaltigen Effekt auf die Mitarbeiteridentifikation und die Arbeitsmotivation seien jedoch Freude, Zusammengehörigkeitsgefühl und Teamerfolg, so König.

    „Laufen kann jeder, egal ob Manager oder Azubi. Beim Training und Wettkampf begegnet man sich eben nicht im Anzug oder im Blaumann, sondern auf Augenhöhe in Sportklamotten“, sagt Sportpsychologe Loch. Das können Joachim Boenisch und seine Mitläufer bei Eska bestätigen. „Mir ist es wichtig zu zeigen, dass Laufen Spaß macht und einen wichtigen Teil zur Gesundheit beiträgt. Wenn sich alle im Ziel treffen, ist die Freude groß, den Lauf geschafft zu haben. Dann sind die Begeisterung und das Wir-Gefühl richtig gut zu spüren“, sagt er. Erst recht, wenn Eska – wie bei der Siegerehrung des diesjährigen B2Run – in einer Sonderwertung auch noch als KMU mit den meisten Startern ausgezeichnet wird.

    So bringen Sie Ihr Unternehmen ans Laufen

    Gründen Sie einen Lauftreff
    Das Gesündeste bei der Teilnahme an einem Firmenlauf ist nicht der Wettkampf selbst, sondern die Vorbereitung. Ideal, um gemeinsam zu trainieren, ist ein wöchentlicher Lauftreff – am besten initiiert von einem oder mehreren Mitarbeitern, die ohnehin schon laufbegeistert sind und andere mitziehen können. Achten Sie dabei aber darauf, dass niemand überfordert wird. Um verschiedenen Leistungsniveaus gerecht zu werden, sollte am besten in mehreren Gruppen gelaufen werden.

    Setzen Sie sich ein Ziel
    Schaffen Sie Fakten. Nichts motiviert mehr als ein festgesetzter Termin. Melden Sie Ihr Firmenteam also möglichst frühzeitig zum Lauf an. Übrigens: Je früher Unternehmen sich anmelden, desto günstiger sind in der Regel die Teilnahmegebühren. Noch wichtiger aber ist die Sogwirkung. Aus einem in drei Monaten stattfindenden Firmenlauf werden so bei einer gemeinsamen Trainingseinheit pro Woche zwölf Gelegenheiten, sich unter Kollegen jenseits der Arbeit auszutauschen – und ganz nebenbei etwas für die Gesundheit zu tun.

    Werden Sie Trikotsponsor
    Mit passender Teamkleidung wird Ihr Unternehmen beim Training und beim Laufevent sichtbar. Außerdem stärken einheitliche Lauf­shirts in Firmenfarben und mit aufgedrucktem Logo und Motto das Teamgefühl. Auf Fotos im Intranet oder in Social-Media-Kanälen kommt Ihr Laufteam als echte Mannschaft rüber und nicht wie ein bunt zusammengewürfelter Haufen.

     


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