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    »Es gibt so viele Karrieredefinitionen, wie es Menschen gibt«

    Nicht nur die Arbeitswelt ändert sich permanent, auch die persönliche Lebenssituation jedes einzelnen Mitarbeiters – und damit die Vorstellung von Beruf und Karriere. Business-Coach Thomas Landwehr plädiert dafür, mindestens einmal im Jahr innezuhalten und für sich selbst wie für Mit­arbeiter zu prüfen, ob die Perspektive noch stimmt.

    Herr Landwehr, Sie selbst haben schon mehr als zehn Mal den Job gewechselt – und sagen, dass heutige Berufseinsteiger damit nicht auskommen werden. Warum nicht?

    Weil sich die Verbindlichkeit zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern verändert hat. Früher gab es im Grunde zwei Arbeitsverträge. Einen, der im Aktenordner abgeheftet ist und der regelt: Geld gegen Arbeit. Und einen zweiten, unausgesprochenen, der besagte: Wenn du als Mitarbeiter loyal zum Unternehmen stehst, dann bieten wir dir eine lebenslange Beschäftigung und kümmern uns um deine berufliche Entwicklung. Diesen zweiten Vertrag gibt es aber seit einigen Jahren immer seltener. Zum einen, weil Unternehmen so etwas schlicht nicht mehr bieten können, wenn sie sich durch Digitalisierung, Internationalisierung und Co. dynamisch verändern. Und zum anderen, weil auch die Arbeitnehmer flexibler werden.

    Und was bedeutet das in der Praxis?

    Zum einen müssen sich Mitarbeiter bewusst machen, dass sie sich bei ihrer Karriereentwicklung nicht mehr komplett aufs Unternehmen verlassen können. Die Initiative muss von jedem Einzelnen persönlich ausgehen. Zum anderen behalten die Unternehmen natürlich eine Verantwortung in der Personalentwicklung. Wenn sie Fach- und Führungskräften keinen lebenslangen Job bieten, dann sollten sie sie mindestens bei der Karriereplanung unterstützen – unabhängig davon, ob die Laufbahn weiter innerhalb oder doch außerhalb des Unternehmens stattfindet.
    Sie wollen Unternehmen und Mitarbeiter dabei unterstützen. Wie gehen Sie vor?

    Zu Beginn stelle ich gerne die Frage: Was bedeutet Karriere für dich persönlich? Das ist hochinteressant. 95 Prozent kommen erst mal ins Grübeln und das ist ganz normal, denn es gibt so viele Karrieredefinitionen, wie es Menschen gibt. Sie werden beeinflusst durch äußere Faktoren wie Verantwortung, hohes Gehalt, Firmenwagen und Eckbüro. Und durch innere Kriterien wie Zufriedenheit. Was zufrieden macht, kann nur jeder für sich selbst definieren – und es wird je nach Lebensabschnitt sehr unterschiedlich sein. Ich werde mit 25 Jahren zum Berufseinstieg unter Karriere etwas anderes verstehen als mit 35 während der Familienplanung oder als Erfahrener mit 55 Jahren. Davon ausgehend erarbeiten wir dann Optionen: Was könnte der- oder diejenige ändern, was passiert, wenn sie nichts verändern, und wie ist ihr Marktwert.

    Sie beraten also dahingehend, sich falls nötig auch umzuorientieren. Aber widerspricht das nicht dem Interesse der Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mittel- oder langfristig halten wollen?

    Nein, überhaupt nicht. Es ist ein Zeichen von Wertschätzung und vermeidet innere Kündigung. Wenn Mitarbeiter abschalten und nur noch anwesend sind, dann möglicherweise auch, weil sie selbst nicht über ihre Situation reflektieren. Es kostet ja Anstrengung, sich mit Veränderungen zu beschäftigen. Ein Tag pro Jahr reicht für den Anfang völlig aus, um ein Bewusstsein zu schaffen. Dabei helfe ich und wenn das Ergebnis ist, dass ein Mitarbeiter vielleicht nur in einer anderen Rolle oder Abteilung im Unternehmen besser aufgehoben ist, hat die Firma doch einen großen Vorteil – für den sie das kalkulierte Risiko einer Kündigung eingehen muss.

    Zur Person

    Thomas Landwehr berät und coacht seit 14 Jahren Unternehmen und Führungskräfte. Vor dem Wechsel in die Beratung lernte er als Geschäftsführer und Kaufmännischer Leiter in mittelständischen inhabergeführten Firmen mit bis zu 3.000 Mitarbeitern, was es bedeutet, zu führen und Organisationen zu verändern. daskarrieresystem.de


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