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    Weniger Startups, weniger Insolvenzen

    Im ersten Halbjahr 2017 ist erneut die Zahl der Unternehmen gesunken, die aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben mussten. Das hat neben der guten Konjunktur auch eine wenig schöne Ursache: Newcomer sind zu selten.

    Für welche Unternehmen ist das Risiko, in die Insolvenz zu rutschen, besonders groß? Aus den Zahlen des Verbands der Vereine Creditreform zum Insolvenzgeschehen in Deutschland im ersten Halbjahr 2017 lässt sich ein detailliertes Profil besonders bedrohter Betriebe ableiten: Diese sind Dienstleister, älter als zehn Jahre, haben höchstens drei Beschäftigte, erwirtschaften weniger als 250.000 Euro Umsatz und sind in Berlin zu Hause. Gering ist die Absturzgefahr der Analyse zufolge hingegen für Unternehmen mit folgenden Merkmalen: Verarbeitendes Gewerbe, zwischen neun und zehn Jahre alt, mehr als 100 Beschäftigte, über 50 Millionen Euro Umsatz, Standort Baden-Württemberg.

    Diese Profile fallen seit Jahren ähnlich aus. Auffällig ist jedoch der bereits seit einiger Zeit erkennbare Rückgang der Zusammenbrüche unter den jüngeren Firmen. Dabei gelten sie gewöhnlich als besonders anfällig für eine Insolvenz. Womit ist dieser Trend zu erklären?

    Vorab: Im Windschatten der guten Konjunktur ist die Gesamtzahl der Insolvenzen von Januar bis Juni 2017 erneut zurückgegangen. Betroffen waren 10.300 Betriebe, ein Minus von 5,9 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2016. Das Wirtschaftswachstum sorgt eben dafür, dass sich Erträge und Rücklagen der Unternehmen verbessern. Die Verschuldung bleibt meist moderat und niedrige Zinsen ermöglichen günstige Finanzierungen. So bleiben auch Firmen liquide, die zu anderen Zeiten sicherlich in Schwierigkeiten geraten wären. Das ist nicht nur gut. „So werden unternehmerische Fehlentscheidungen begünstigt“, analysierte die Creditreform Wirtschaftsforschung. Die Folgen werden sich möglicherweise in den Insolvenzstatistiken der nächsten Jahre zeigen.

    Zurück zum Zusammenhang zwischen Unternehmensalter und Insolvenzentwicklung. Die geringere Zahl der Pleiten hat laut Creditreform möglicherweise auch damit zu tun, dass das Durchschnittsalter der Betriebe kontinuierlich steigt – eine Folge der seit Jahren sinkenden Zahl von Firmenstarts. Der demografische Effekt schlägt also auch in diesem Bereich durch.

    Gründer beeinflussen Pleitezahlen

    Das Gründungsgeschehen wirkt jedoch noch in anderer Weise auf die Insolvenzentwicklung: Es beeinflusst den Wettbewerbsdruck. Tendenziell verschärft eine Vielzahl von Startups den Konkurrenzkampf. Mit der Folge, dass die Margen schrumpfen und vermehrt Firmen aufgeben müssen. Umgekehrt gilt: Wenn nur wenige Newcomer die Etablierten das Fürchten lehren, bestehen gute Chancen, dass die Erlöse auskömmlich bleiben und weniger Betriebe in Bedrängnis geraten.

    Creditreform hat diese These anhand einer Gegenüberstellung von Gründungszahlen und Insolvenzen untermauert. Im Durchschnitt gilt: Kommen 100 neue Unternehmen hinzu, müssen gleichzeitig vier Firmen aufgeben. Allerdings fällt die Wirkung neuer Konkurrenten je nach Branche sehr unterschiedlich aus. Besonders in den Wirtschaftsbereichen Entsorgung und Verkehr/Lagerei scheinen neue Markteintritte den eingesessenen Betrieben nicht zu bekommen. Anders in der Energieversorgung oder im Bereich Erziehung/Unterricht: Hier haben neue Firmen wenig Einfluss auf das Insolvenzgeschehen.


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