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    Kurz erklärt: Verbrauchsstiftungen

    Niedrige Zinsen sind für klassische Stif­tungen ein großes Problem. Der Grund: Sie setzen üblicherweise nämlich nur die Erträge aus dem Stiftungskapital für ihre Zwecke ein – und die fallen im historischen Zinstief recht bescheiden aus. „Verbrauchsstiftungen sind in diesem Punkt flexibler“, erklärt Jörg Sauer, Rechtsanwalt und Steuerberater der Prüfungs- und Beratungs­gesellschaft Ebner Stolz, und erläutert die wichtigsten Eckpunkte dieser noch immer unterschätzten Stiftungsvariante.   

    Die Grundlage

    Verbrauchsstiftungen greifen nicht nur auf die erwirtschafteten Erträge, sondern unmittelbar auf ihr Grundstockvermögen zurück, um ihren vorbestimmten Zweck zu erfüllen. Aus diesem Grund fällt das Grundkapital meist niedriger aus als bei der klassischen Variante. Verbrauchsstiftungen müssen auf mindestens zehn Jahre angelegt sein und werden zeitlich durch den Stiftungszweck beziehungsweise durch das vorhandene Kapital limitiert. Es gelten die gleichen steuerlichen Vorteile wie bei traditionellen Ewigkeitsstiftungen – vorausgesetzt die Gemeinnützigkeit ist weiterhin gegeben.

    Die Vorteile

    Die Initiatoren vermeiden, dass sich der Zweck ihrer Stiftung irgendwann „überlebt“, weil er nicht mehr aktuell oder förderungsbedürftig ist. Unterstützt zum Beispiel eine Stiftung die Suche nach einem Heilmittel gegen eine Krankheit, dann ist ihr Zweck erfüllt, wenn das Medikament entdeckt ist. Stifter können also auch mit überschaubaren Mitteln gezielt Projekte fördern, deren Ende absehbar ist. Zudem gilt: Da nicht nur die Erträge, sondern das gesamte Grundkapital zur Verfügung steht, kann die Stiftung pro Jahr meist mehr Geld einsetzen, als dies bei einer traditionellen Stiftung möglich ist. Der dritte Pluspunkt ist vielen Unternehmern, die ihr Vermögen für gute Zwecke stiften wollen, besonders wichtig: Die beschränkte Lebensdauer der Verbrauchsstiftung stellt sicher, dass das Management im Sinne des Geldgebers handelt. Oft betreuen die Personen, die der Mäzen zu Beginn mit der Verwaltung beauftragt, die Stiftung bis zu ihrer Auflösung. Dies ist bei der klassischen Variante, die mehrere Jahrzehnte besteht, nicht möglich. Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Stifter können bereits zu Lebzeiten etwas bewirken, da sie mit ihrem Vermögen die Suche nach Lösungen für aktuelle Probleme unterstützen.

    Das bekannte Vorbild

    Das wohl weltweit prominenteste Beispiel für eine Verbrauchsstiftung ist die größte Stiftung der Welt, die „Bill und Melinda Gates Stiftung“. Die beiden Eheleute haben bestimmt, dass das gesamte Stiftungsvermögen, das im Kampf gegen Aids eingesetzt werden soll, spätestens 50 Jahre nach ihrem Tod aufgebraucht zu sein hat.

     

    Der rechtliche Rahmen

     

    Verbrauchsstiftungen sind seit dem Frühjahr 2013 gesetzlich zugelassen. Anders als bei klassischen Stiftungen kann und soll das Kapital nach und nach aufgebraucht werden. Das kann so weit führen, dass diese Stiftungen nach dem vollständigen Verbrauch ihres Vermögens aufgelöst werden müssen. „Besonders interessant ist die Kombination von Verbrauchs- und traditioneller Ewigkeitsstiftung. Hierdurch können, insbesondere bei Neuerrichtungen von Stiftungen, die Vorteile beider Stiftungsformen wahrgenommen werden“, erklärt der Stuttgarter Experte Sauer.

     

     


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