entspannt

»Glyphosat – und kein Ende in Sicht?«

Unsere Gesundheit hängt in ganz erheblichem Umfang davon ab, dass unsere Nahrung reich ist an naturbelassenen, lebensnotwendigen Substanzen sowie möglichst frei ist von Giften und Schadstoffen. Hier sind wir uns wohl alle einig.

Die Zulassung des weltweit am meisten eingesetzten Herbizids Glyphosat sollte durch die EU zunächst stillschweigend für weitere 15 Jahre verlängert werden, was aber glücklicherweise am massiven Widerstand diverser Verbraucherverbände scheiterte. Nun sollen die einzelnen Mitgliedstaaten abstimmen, ob das umstrittene Gift weiter verwendet werden darf oder nicht. Die Bundeskanzlerin ist dafür. Doch würden sich Frankreich und Deutschland gegen Glyphosat aussprechen, dann würde die Zulassung in Europa nicht verlängert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziehungsweise die angeschlossene International Agency for Research on Cancer (IARC) stuften Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Nach meiner bescheidenen Meinung verbietet sich die Verwendung kategorisch – solange auch nur der geringste Zweifel an der Unschädlichkeit besteht. Angela Merkel und der Landwirtschaftsminister Christian Schmidt berufen sich aber auf die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), welches Glyphosat als unschädlich einstuft. Und wer sitzt in dieser zu 100 Prozent mit Steuergeldern finanzierten Kommission? „Experten“ des Konzerns Bayer, die die Regierung beraten. Und eine Tochtergesellschaft des Konzerns produziert das Pflanzengift Glyphosat.

Zum Hintergrund: 2016 kaufte Bayer den amerikanischen Saatgutkonzern Mon­santo für die Rekordsumme von 66 Milliarden Euro. Monsanto stellt genmanipuliertes Saatgut her, das ein Vielfaches mehr an Glyphosat verträgt als natürliche Pflanzen. Auf den Äckern wächst also nichts mehr außer Monsanto-Saatgut.

Für Mutter Natur ist das dann verbrannte Erde. Über eine Million Tonnen Glyphosat werden jährlich produziert und auf die Felder gebracht. Das bleibt nicht ohne Folgen. Laut einer Studie der Leipziger Mikrobiologin Professor Monika Krüger unter rund 2.000 Testpersonen gibt es kaum jemanden, der heute nicht mit Glyphosat belastet ist. Die Konzentration von Glyphosat im Urin lag bei 75 Prozent der Getesteten um das Fünffache über dem zulässigen Grenzwert für Trinkwasser.

Hinter den Kulissen

Drei Viertel der EU-Bürger sprechen sich gegen Gentechnik in Lebensmitteln aus. Das sollte sich auch auf die Entscheidungen der Volksvertreter auswirken. Doch in Anbetracht der riesigen Summen, die da im Raum stehen (der Kauf von Monsanto muss sich ja amortisieren), vermute ich, dass die Abgeordneten nicht allein ihrem Gewissen verantwortlich sind, sondern auch dem Druck der übermächtigen Wirtschaft erliegen. Unvergessen ist mir der Satz von Horst Seehofer, der sich als ehemaliger Bundesgesundheitsminister an der Lobby der Pharmaindustrie die Zähne ausgebissen hat: „Wer in Berlin das Sagen hat, wurde nicht gewählt. Und diejenigen die gewählt wurden, haben nichts zu sagen. Und das funktioniert schon lange und bis heute recht gut!“

Ich persönlich bezweifle die zahlreichen Dementis und Gegendarstellungen der Firma Bayer. Da fließt sehr viel Geld, um das ramponierte Image aufzubessern. Für uns persönlich bleibt nur die Möglichkeit, etwas mehr für die Ernährung auszugeben, auf genmanipulierte Produkte zu verzichten und dem biologischen Anbau den Vorzug zu geben.

Zur Person

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.


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