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Hurrikan in der Bilanz

Die Munich Re rechnet durch die Schäden der Wirbelstürme ‘Irma’ und ‘Harvey’ mit einem großen Loch in der Bilanz. Das dritte Quartal könnte sogar einen Verlust bringen. Anleger bleiben trotzdem gelassen.

Der Verlust hielt sich in Grenzen. Lediglich ein knappes Prozent verlor die Aktie der Munich Re am Donnerstag zum Börsenstart, danach drehte sie sogar leicht ins Plus. Viele Anleger hatten nach den Bildern der vergangenen Tage von der Südküste der USA schon damit gerechnet, dass die Milliardenschäden nach den verheerenden Wirbelstürmen ‘Irma’ und ‘Harvey’ ein großes Loch in die Bilanz des weltgrößten Rückversicherers reißen werden.

Am Mittwochabend kam dann aus München die in solchen Fälle unvermeidliche Nachricht. Das Ziel für den Jahresgewinn von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro könnte gefährdet sein, hieß es da. Im dritten Quartal werde voraussichtlich ein Fehlbetrag ausgewiesen. Genauere Zahlen dürfte es wohl erst in den kommenden Wochen geben, wenn das genaue Ausmaß der Schäden absehbar ist. Und sich auch abzeichnet, dass in der aktuellen Hurrikan-Saison keine weiteren Großschäden hinzukommen. Zumindest brauchen sich Kunden keine Sorgen um ihren Rückversicherungsschutz machen, hieß es aus der Zentrale der Munich Re, da die finanzielle Ausstattung nach wie vor grundsolide sei.

Trotzdem griff schon am Donnerstagmorgen an der Börse der übliche Mechanismus. Analysten gingen auf Nummer sicher. Vikram Gandhi von der französischen Großbank Société Générale widerrief seine Kaufempfehlung und rät jetzt nur noch zum Halten der Aktie. Sein Kursziel senkte er von 205 auf 180 Euro. Gehandelt wurde die Aktie der Munich Re am Donnerstagvormittag zu Kursen um 174 Euro.

Härter getroffen hätte es den Aktienkurs sicherlich, wenn sich abgezeichnet hätte, dass die bekanntermaßen üppige Dividende des Hauses wegen der hohen Schäden schrumpfen wird. In den vergangenen Jahren versprachen die Münchener stets eine Dividendenrendite von 4,5 bis fünf Prozent, womit die Aktie unter den 30 Dax-Werten weit herausragte. Für viele Anleger war allein das in Zeiten der Nullzinspolitik ein Kaufargument.

Insgeheim hoffen nun viele, dass der seit fünf Jahren anhaltende Preisverfall in der Branche trotz der nun anfallenden hohen Zahlungen gestoppt werden könnte. Auf dem Treffen der Rückversicherer in den vergangenen Tagen in Monte Carlo waren viele Stimmen zu hören, die Schäden größeren Ausmaßes für die weitere Geschäftsentwicklung eher nützlich als schädlich erachteten. Wettbewerber wie Hedgefonds, die zuletzt auch stark in das Geschäft gedrängt hatten, könnten so gebremst werden, hieß es. Zudem würden Erstversicherer, die mangels Anlagealternative in den vergangenen Jahren Risiken zunehmend auf die eigenen Bücher genommen hatten, umdenken und wieder mehr an Rückversicherer weiterreichen.

Wie schnell sich Zahl und Ausmaß von Naturkatastrophen ändern können, zeigt ein Vergleich zum ersten Halbjahr. Da blieben die weltweiten Schäden weit unter denen des Vorjahres sowie unter dem langfristigen Durchschnitt. Weltweit betrug die Schadensumme durch Naturkatastrophen von Januar bis Juni gerade einmal 41 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 111 Milliarden Dollar, im zehnjährigen Schnitt 102 Milliarden und sogar im 30-jährigen Durchschnitt 66 Milliarden Dollar. ‘Es liegt mehr als elf Jahre zurück, dass zuletzt eine solch niedrige Schadensumme weltweit gemessen wurde’, hatte Munich Re-Experte Peter Höppe noch im Juli gesagt. Grund zur Entwarnung oder gar den Klimawandel zu verneinen, sah er da trotzdem nicht. Eher zufällig schadensarm sei das erste Halbjahr gewesen. ‘Irma’ und ‘Harvey’ einige Wochen später haben ihm Recht gegeben.1p1p


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