WachstumsstrategieChristian Kalkbrenner ist prämierter Strategieberater und Autor

Allgemein, erfolgreich, Mittelstandsbotschafter, Strategie

So gelingt die Digitalisierung Ihres Geschäftsmodells

Alle reden von der digitalen Revolution. Doch viele Unternehmer zögern, weil ihnen nicht klar ist, wie sie dabei vorgehen sollen und was auf sie zukommt. Manche sind schon mit einem einfachen Online-Shop zufrieden. Dabei wäre es so einfach, sich auf den Weg zu machen und neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Die Digitalisierung begann schon vor geraumer Zeit, Opfer zu fordern. Zu den frühen Verlierern zählten Agfa und Kodak. Dann traf es den stationären Handel, dem Amazon, Zalando & Co. seit Jahren spürbare Marktanteile wegnehmen. Reiseportale substituieren Reisebüros und Airbnb setzt der Übernachtungsbranche schwer zu. Banken haben Paypal & Co genauso wenig entgegenzusetzen wie die Bahn dem digitalen Konkurrenten BlaBlaCar. Kein Bereich ist sicher.

Fünf Steilvorlagen für Ihre Wachstumsstrategie
Um es nicht so weit kommen zu lassen, sondern aus eigener Kraft digital weiter zu wachsen, lernen Sie im Folgenden fünf Muster kennen, auf denen alle Digitalisierungsmodelle der Gegenwart beruhen. Diese Muster entstammen der Analyse von Hunderten von digital skalierenden Unternehmen und dienen Ihnen nun als Steilvorlagen.

Wichtig zu wissen: ein digitales Modell wird das bestehende Geschäftsmodell zunächst ergänzen und vielleicht nach und nach ablösen. Doch es kippt nicht von heute auf morgen alles um. Sie kaufen ja auch nicht alles online, sondern sind hybrid unterwegs: mal ordern Sie online, mal gehen Sie in ein Geschäft.
Fünf Steilvorlagen bringen Sie auf die digitale Überholspur:

Steilvorlage 1 – Die Digitalisierung eines Teilprozesses
Marktführende Druckereien wie z.B. Flyeralarm drucken nach wie vor auf klassischen Maschinen. Lediglich der Bestellvorgang wurde digitalisiert und läuft über einen Online-Zugang. Der Teilprozess der Bestellung wird dadurch für den Kunden drastisch vereinfacht. Der Rest ist nach innen gerichtete Standardisierung und Perfektionierung, um günstig und zugleich wertschöpfend zu bleiben. Und während viele andere Druckereien um ihr Überleben kämpfen, ist Flyeralarm durchgestartet. Auch Amazon und mymuesli sind ähnlich vorgegangen.

Steilvorlage 2 – Die Erhöhung der Nutzungsdauer
Selbst in Urlaub fahren, in der Zwischenzeit die eigenen vier Wände vermieten und sich etwas hinzuverdienen. Das war der Gedankenblitz, der zu Airbnb führte. Heute macht Airbnb 1,6 Mrd. Dollar Umsatz und hat einen Wert von 30 Mrd. Dollar. Mit Croove hat Daimler eine Plattform eingerichtet, über die Privatpersonen ihren PKW vermieten und dadurch zusätzliche Einnahmen erzielen können. Wer also über attraktive Vermögenswerte verfügt, die nicht zu 100 Prozent ausgelastet sind, könnte über deren Vermietung nachdenken.

Steilvorlage 3 – Das Teilen
„Sharing“ ist in. Die junge Generation tickt in dieser Hinsicht deutlich anders als ihre Eltern und Großeltern. Sie brauchen kein eigenes Auto, da ist Car-Sharing das Mittel der Wahl. Online anmelden, online freischalten und losfahren. Unter dem Oberbegriff „sharing economy“ wachsen hier Geschäftsmodelle wie Pilze aus dem Boden.

Steilvorlage 4 – Das Finden schlägt das Suchen
Google und Wikipedia waren die digitalen Vorreiter. Heute wird der gesuchte Begriff online eingegeben und schon tauchen die Antworten auf. Eine App wie „mytaxi“ signalisiert dem Taxifahrer beispielsweise, wo der nächste Fahrgast ist. So muss er nicht stundenlang in der Taxireihe am Flughafen stehen oder auf die Nachricht aus der Zentrale warten – er sieht selbst, wo er gebraucht wird. Auch die Kennenlern-App Tinder funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Finden statt lange suchen.

Steilvorlage 5 – Die Information für den nächsten Schritt
Bei der 4.0-Debatte geht es im Grunde um die digitale Weiterentwicklung des analogen Teekessel-Prinzips. Der Teekessel pfeift, wenn das Wasser heiß genug ist und gibt diese Information als akustisches Signal weiter. In der digitalen Welt gilt das gleiche Prinzip: das Objekt informiert über seinen Zustand und darüber, was das bedeutet und was als nächstes mit ihm geschehen soll. Die entsprechende Technik ist meist schon vorhanden. Sie muss nur noch intelligent kombiniert und über das Internet übertragen werden. Winterhalter-Spülmaschinen haben beispielsweise derartige Systeme integriert und informieren ihre Nutzer über den aktuellen Zustand. So ermöglichen sie eine Effizienzsteigerung der Maschinen.

Die fünf weiterführenden Fragen
Nun verdichte ich für Sie die fünf Steilvorlagen als Fragen. Damit haben Sie die Übersicht auf einen Blick:

  1. Welcher Prozess-Schritt lässt sich digitalisieren?
  2. Wie kann die Nutzungsdauer ausgeweitet werden?
  3. Was lässt sich teilen?
  4. Wie kann eine Information mit Ihrer Hilfe leichter gefunden werden?
  5. Wie können Sie andere informieren, was als nächstes zu tun ist?

Wenn Sie verfolgen, welche neuen digitalen Geschäftsmodelle auftauchen, werden Sie mit 99,9 prozentiger Wahrscheinlichkeit feststellen, dass hier wieder jemand eine Antwort zu einer der fünf Fragen gefunden hat, die er passend umsetzt.

Übrigens: Thermomix gibt es seit über 40 Jahren. Doch erst seit ein paar Jahren explodieren die Umsätze. Exakt seit dem Zeitpunkt, seitdem das Unternehmen eine digitale Komponente hinzugefügt hat und via Internet Rezepte anbietet. Denn damit informiert das Produkt den Kunden nach jedem Schritt, was als nächstes zu tun ist.

Nutzen Sie also diese fünf Fragen für Ihren Einstieg in ihre eigene digitale Wachstumsstrategie.

Nur Mut & viel Erfolg
Ihr Christian Kalkbrenner

Das Buch zum Thema:
Christian Kalkbrenner: „Scale up! – Smarte Konzepte für agile Unternehmen“, Göttingen 2017, Preis: 24,95 Euro.

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