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    erfolgreich

    Laut, lauter, Social Media

    Werbung in sozialen Netzwerken kann gerade den kleineren Firmen viel bringen – Fans, Verkäufe und mehr Bekanntheit. Aber dazu müssen sie wissen, worauf es ankommt.

    Eine Typveränderung von Masterstylistin Stefanie Lippet – so beginnt einer der erfolgreichsten Social-Media- Posts, den der Friseursalon Steinhoff Haardesign aus Reutlingen bislang bei Facebook veröffentlichte. Auf Vorher-Nachher-Bildern ist die Kundin zu sehen. Erstaunlich: Zwischen Ende März und Mitte August 2017 erreichte der Salon mit dem Post mehr als 70.000 Facebook-Nutzer.

    Geschafft hat das Geschäftsführer Ralf Steinhoff mit Werbung. Insgesamt 390 Euro gab er in viereinhalb Monaten aus. Und gewann so mehrere echte Kunden. Die Facebook-Anzeige hat sich also gelohnt – erst recht, wenn man einrechnet, dass jeder Kunde im Schnitt pro Besuch 100 Euro ausgibt, sechsmal pro Jahr wiederkommt und den Salon womöglich weiterempfiehlt.

    Steinhoff Haardesign ist sehr erfolgreich auf Facebook: Mehr als 10.500 Fans gefällt die Seite. Geholfen hat dabei auch die Werbung – die aber kein Vermögen kostete. Knapp drei Jahre lang investierte Ralf Steinhoff täglich vier Euro, um einzelne Posts zu bewerben. So wuchs die Zahl der Fans stetig.

    Mittlerweile variiert er die Ausgaben, „je nachdem, wie wichtig uns der Post ist: Oft bewerbe ich ihn sieben Tage lang für insgesamt 28 Euro. Merke ich dann, dass viele Leute darauf reagieren, gebe ich auch schon mal acht Euro pro Tag aus“. Wenn Steinhoff normale Posts schreibt, ohne sie zu bewerben, erreicht er höchstens die Hälfte der 10.000 Fans. Mit Anzeigen steigt die Reichweite also deutlich.

    Viel Zeit kostet ihn das nicht: „Meine Zielgruppen habe ich definiert, die eigentliche Anzeige ist mit ein paar Klicks erledigt.“ Die wichtigsten Stellschrauben für ihn: das Gesamtbudget festzulegen, das maximal ausgegeben werden soll, die Zielgruppe zu bestimmen und relevante Posts zu schreiben. Steinhoff Haardesign konzentriert sich derzeit auf Facebook, demnächst soll aber Instagram hinzukommen – und auch dort kann man Werbung schalten.

    Echte Fans sind rar

    55 Prozent der deutschen Internetnutzer sind laut Statistischem Bundesamt bei einem sozialen Netzwerk unterwegs, knapp 35 Millionen Menschen. Beim Platzhirsch Facebook allein sind 30 Millionen angemeldet – und 1,2 Millionen kleinere und mittelgroße Unternehmen. Aber viele Firmen haben ein Problem: Die organische Reichweite auf dem Portal sinkt ständig. Das heißt, dass man mit normalen Posts immer weniger Fans erreicht. Die Lösung: bezahlte Werbung. Ein Unternehmen kann damit die Bekanntheit der Marke steigern und den Umsatz ankurbeln – so wie der Reutlinger Friseursalon.

    „Kein anderer Kommunikationskanal der Welt liefert gleichzeitig eine so hohe Reichweite und so treffsichere Targeting-Möglichkeiten“, erklärt Social­Media-Marketing-Experte Felix Beilharz. Der Wirtschaftsjurist beschäftigt sich seit 2001 mit Online-Marketing. Seiner Ansicht nach kommt Facebook-Werbung für jede Firma infrage, „sowohl für kleine Zulieferer in einer Nische als auch Weltkonzerne in der Konsumgüterindustrie“.

    Gerade für kleine Firmen hat Facebook-Werbung einen enormen Vorteil, so Beilharz: „Die Hürden sind gering. Facebook-Werbung kann man mit wenigen Euro beginnen, es gibt keine Mindestbudgets.“ Wie viel Geld ein Unternehmen ausgibt, bestimmt es selbst. „Oft funktionieren agile Methoden am besten: mit wenig Geld testen, was läuft, und dann skalieren“, sagt der Experte.

    Die Zielgruppe im Visier

    Ein entscheidender Faktor für den Erfolg einer Anzeige ist das richtige Targeting. „Die Empfänger der Werbung lassen sich sehr genau zuschneiden“, so Beilharz. Firmen können eine genau definierte Zielgruppe ansprechen – etwa nach Geschlecht, Alter, Wohnort und Interessen. Ein gesponserter Post wird dann an alle 20- bis 25-jährigen Frauen in Reutlingen ausgespielt, die sich für Beauty-Themen interessieren. Man kann auch alle eigenen Fans ins Visier nehmen, oder deren Freunde.

    Das Targeting kann aber auch direkt beim Unternehmen ansetzen. Interessant für Firmen ist etwa die Möglichkeit, den Traffic auf der eigenen Webseite auszuwerten: Hat jemand den Online-Shop besucht, wird ihm eine Facebook-Anzeige angezeigt. Der Dortmunder Online-Händler für Gastronomiebedarf Gastro-Hero hat damit gute Erfahrungen gemacht: „Wir versuchen so zum Beispiel, Warenkorb-Abbrecher durch eine gezielte Ansprache auf Facebook zurückzugewinnen“, sagt Social-Media-Managerin Desirée Walter.

    Das B2B-Unternehmen hat fast 35.000 Fans auf Facebook. Gastro-Hero bewirbt nicht nur den Produktkatalog, sondern auch verschiedene inhaltliche Beiträge. „Werden der potenziellen Zielgruppe nur Produktvorschläge angezeigt, nimmt das Interesse irgendwann ab“, erklärt Walter. Wichtig sei, seine Zielgruppe zu finden und gezielt anzusprechen. „Gerade im B2B-Bereich steht man da vor einer besonderen Herausforderung.“ Deshalb will der Betrieb Gastronomen eine Plattform bieten, auf der sie Informationen erhalten, sich austauschen und diskutieren können.

    Neben Facebook gibt es einige andere Social-Media-Plattformen, auf denen Unternehmen Werbung schalten können. Bei den Werbe-Tools „kommt Instagram mittlerweile an Facebook ziemlich nah heran“, sagt Beilharz. Kein Wunder: Die Konzerntochter hat viele Anzeigenformate und das Targeting übernommen. Twitter eigne sich für einige Branchen ebenfalls gut, erklärt der Experte. Oberste Priorität habe es wegen der geringeren Nutzerzahlen hierzulande aber nicht. Auch bei Youtube lasse es sich gut werben: „Für wenige Cent kann man Videoaufrufe in genau zugeschnittenen Zielgruppen kaufen.“

    Checkliste für Facebook-Werbung

    Auch Werbung auf Social-Media-Kanälen will gelernt sein. Hier einige Tipps – damit die Wirkung des Marketingbudgets nicht unbemerkt verpufft:

    ✪ Anzeigen werden idealerweise über den Werbeanzeigenmanager erstellt: bit.ly/1jE7APl (Facebook-Anmeldung notwendig). Zwar kann man auch direkt in einem Post Werbung schalten, aber die Möglichkeiten beim Targeting sind eingeschränkt.

    ✪ Zunächst wird der Kampagnentyp bestimmt, etwa, einzelne Beiträge zu bewerben, oder die Fanzahl der Firmenseite zu erhöhen. Firmen sollten sich vorab immer das Ziel der Werbung überlegen.

    ✪ Am Ende prüft Facebook jede Anzeige. Zwar verspricht das Netzwerk, dass dies höchstens 24 Stunden dauere. Trotzdem sollten Sie die Zeit einplanen, wenn Sie zeitkritische Anzeigen schalten wollen.

    ✪ Beim Targeting geht es darum, die Zielgruppe so genau wie möglich einzugrenzen. Es gibt aber auch Spezialmethoden. Eine davon ist das Engagement Targeting: Dabei wertet man die Interaktionen von Usern mit geposteten Inhalten aus. So kann man eine Anzeige nur Personen zeigen, die sich ein Facebook-Video vorher zur Hälfte angesehen haben. Beim Custom Targeting wiederum übergibt die Firma bestimmte Kundendaten an Facebook, die dort anonymisiert werden. Das Netzwerk prüft, ob jemand Mitglied ist. Falls ja, bekommt er die Anzeige zu sehen.

    ✪ Welches die richtige Anzeigenform ist, kann je nach Firma unterschiedlich sein. Experte Beilharz rät zu Tests. Generell funktionieren Video-Ads oft sehr gut, sind aber aufwendiger.

    ✪ Bei der Platzierung gilt: Anzeigen auf der rechten Seite kann man weglassen. Die werden kaum wahrgenommen und sind auf Mobilgeräten nicht sichtbar.


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