entspannt

» Sie fühlen sich schlapp, schlapp … nichts als schlapp «

Über nichts wird in der Arztpraxis häufiger geklagt als über Müdigkeit. Sie ahnen ja gar nicht, wie es dann in meinem Hinterkopf rattert. So vielfältig sind die möglichen Ursachen, die ich entweder ausschließen oder bestätigen muss. Ein Überblick.

Zuallererst: Wer viel arbeitet, darf auch mal müde sein. Wenn aber trotz gutem Schlaf und normaler Tätigkeit häufig Müdigkeit besteht, können organische Ursachen dahinterstecken.

Ein niedriger Blutdruck ist zwar nicht krankhaft – ganz im Gegenteil, denn er ist ein Garant für langes Leben. Die Kehrseite der Medaille ist aber die Müdigkeit. Man kommt einfach schwerer in die Gänge. Wem nach längerem Sitzen bei schnellem Aufstehen schwindelig wird, hat sicherlich einen niedrigen Blutdruck. Diesen Patienten empfehle ich, immer wieder kleine Sprints in den Tagesablauf zu integrieren, um das Blut in Wallung zu bringen. Eine weitere sehr häufige Ursache für Müdigkeit ist ein banaler Flüssigkeitsmangel im Körper beziehungsweise im Blut. Dadurch wird das Blut zu zäh. Das zeigt sich in meiner Praxis unmittelbar bei der Blutabnahme, wenn man unter dem Mikroskop bei 1.000-facher Vergrößerung des Bluts sogenannte Geldrollen entdeckt: Patient und Arzt sehen sofort auf dem großen Bildschirm, dass die roten Blutkörperchen nicht wie erwünscht einzeln, sondern in Ketten zusammenliegen – genau wie Münzrollen, die man von der Bank holt. Für den Betroffenen heißt das: einfach mehr trinken, um das Blut flüssig und die Blutkörperchen einzeln zu halten. Nur dann kann optimal Sauerstoff transportiert werden.

Risikofaktor Schilddrüse

Ferner muss der Zustand der Schilddrüse abgeklärt werden. Eine Unterfunktion macht nämlich ebenfalls müde und schlapp. Als Zusatzbefund sinkt die Konzentration, das Gewicht steigt, man friert leichter, die Haut wird trocken und das Haar ist spröde. Sogar Depressionen können sich entwickeln. Hier therapiere ich zunächst mit Jod und der Aminosäure Tyrosin. Denn aus diesen beiden essentiellen Stoffen wird das Schilddrüsenhormon gebildet. Bei einem Mangel an nur einer dieser beiden Substanzen entsteht zwangsläufig eine Unterfunktion. Der Hausarzt schreibt in diesem Fall sofort das fertige Hormon auf. Das mache ich nur dann, wenn die Schilddrüse mit den natürlichen Mitteln nicht mehr anspringt.

Wichtige Indikatoren: Leberwerte

Müdigkeit kann auch entstehen, wenn irgendwo im Körper Infekte schwelen. Oft sitzt ein reaktivierter Virus auf der Leber, der bei einem schlechten Immunsystem nicht mehr in Schach gehalten werden kann. Dann leidet das Organ, messbar durch die angestiegenen Leberwerte. Merke: Die Leber selbst tut nicht weh, aber Müdigkeit ist der Schmerz der Leber. In diesem Fall muss das Immunsystem unterstützt werden, vor allem durch viel Eiweiß und die antiviral wirkende Aminosäure Lysin. Natürlich kann auch das Dolce Vita auf die Leber schlagen: Alkohol, spätes Abendessen, vor allem Kohlenhydrate – die dann als Fett in der Leber abgelagert werden und müde machen. Fruchtsäfte, Limonaden und alle mit Fruktose gesüßten Speisen und Getränke sind ebenfalls große Feinde der Leber.

Besonders wichtig ist es aber für die gesamte Leistungsfähigkeit des Menschen, den Eiweißspiegel im Blut immer hoch zu halten. Denn letztendlich wird alles im Körper aus Eiweiß produziert. Nicht nur Muskeln, Knochen, das Immunsystem, die Antriebs- und Stimmungshormone, sondern auch das Sauerstoff transportierende Hämoglobin. Es besteht aus nur einem Prozent Eisen, aber aus 99 Prozent Eiweiß. Leistung ist gleich Eiweiß. So einfach lautet die Formel.

Zur Person

Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.


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