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    Hürdenlauf zum Bonitätssiegel

    Ihr Unternehmen wirtschaftet solide, besitzt eine gute Bonität, aber kaum jemand weiß davon? Das lässt sich ändern. Mit Crefozert, dem von Creditreform entwickelten Zertifikat für bisher lückenlos gezeigtes gutes Geschäftsgebaren sowie eine gute Prognose. Die Kriterien sind streng. Aber genau das macht die Auszeichnung besonders wertvoll.

    Wenn Michael Plum aus seinem Büro in der Mönchengladbacher Hennes-Weisweiler-Allee schaut, blickt er auf eine große Baustelle. Sein Arbeitgeber, der Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach, rüstet auf. Für sich und seine Fans. In unmittelbarer Nähe des Stadions entsteht ein 31 Millionen Euro teurer, sechsstöckiger Gebäudekomplex. Im Herbst 2018 wird die Immobilie bezugsfertig sein. Geplant ist eine gemischte Nutzung: Neben einem Hotel, mehreren Ärzten und einer Praxis für Physiotherapie werden dort auch das vereinseigene Museum sowie der Fanshop einziehen.

    Der Club vom Niederrhein, eine traditionsreiche Adresse im Fußball-Oberhaus, kann sich solche Investitionen leisten. „Mit 250 Mitarbeitern und einem Umsatz von 190 Millionen Euro haben wir die Größe eines mittelständischen Unternehmens“, sagt Plum, Leiter der Verwaltung. Vor allem aber: Die Borussia verfügt über eine solide Bilanz und eine gute Bonität. „Um das auch gegenüber Dritten dokumentieren zu können, haben wir vor drei Jahren entschieden, uns von Creditreform zertifizieren zu lassen“, erläutert Plum. Als erster Fußball-Bundesligist überhaupt.

    Nach einer strengen Überprüfung seiner wirtschaftlichen Situation erhielt der Verein „CrefoZert“ – eine Auszeichnung für ein bisher lückenlos gezeigtes gutes Geschäftsgebaren sowie eine gute Prognose für den weiteren Geschäftsverlauf. Damit gehört Borussia Mönchengladbach zu den 1,7 Prozent der deutschen Unternehmen, denen eine außergewöhnlich gute Bonität bescheinigt wird. „Darauf sind wir schon ein wenig stolz“, sagt Verwaltungsleiter Plum. Ob Großhändler, Autohaus, Maschinenbauer oder Touristikunternehmen – in nahezu jeder Branche gibt es ausgezeichnete Unternehmen. Unter den Fußball-Bundesligisten hat Borussia bisher jedoch erst einen Nachahmer gefunden. Seit Oktober 2016 besitzt auch der Namensvetter aus Dortmund das Siegel.

    Erlesener Kandidatenkreis

    „Die Hürden für die Vergabe des Bonitätszertifikats sind hochgesteckt. Das macht die Auszeichnung sehr wertvoll“, erläutert Alexandra Ulbrich, Vertriebsleiterin Creditreform Mönchengladbach Dorenbeck KG. Nach ihren Erfahrungen im Großraum Mönchengladbach scheitern sechs von zehn Unternehmen, die sich nach eigener Einschätzung stark genug fühlten, Crefozert verliehen zu bekommen. In anderen Regionen sind die Durchfallquoten noch höher. Im Durchschnitt, so die Credit- reform-Statistik, erfüllen bundesweit 20 Prozent der Unternehmen, die das Zertifikat beantragen, nicht die notwendigen Voraussetzungen.

    Der Prüfprozess verläuft in drei Stufen. Wichtigstes Kriterium für ein positives Ergebnis ist ein guter Bonitätsindex. Diese Kennzahl ermittelt Creditreform mit modernsten statistischen Methoden auf Basis umfangreicher Informationsquellen. Dazu zählen das Debitorenregister Deutschland, Creditreforms eigene Zahlungserfahrungen durch Übernahme des Forderungsmanagements und verlässliche Meldungen von Creditreform-Kunden über negative Zahlungserfahrungen. Je höher der Wert des Bonitätsindex, desto höher kalkuliert Creditreform das Risiko des Unternehmens, seinen Zahlungsverpflichtungen nicht termingerecht und vollständig nachzukommen. Der Bonitätsindex reicht in einer Skala von 100, bei einer sehr guten Bonität, bis 600, wenn harte Negativmerkmale vorliegen. Crefozert verlangt einen Wert zwischen 100 und 249.

    Neben dem Bonitätsindex prüft Creditreform auch aktuelle und vollständige Jahresabschlüsse. Ein Unternehmen, das die Auszeichnung beantragt, muss mindestens drei Jahre wirtschaftsaktiv sein und mit mindestens zwei vollständigen Bilanzjahren lückenlos die in der Vergangenheit gezeigte Performance dokumentieren. Das Creditreform-Rating muss eine Bilanzbonität zwischen CR1 (einjährige Ausfallwahrscheinlichkeit von 0,07 Prozent) und CR7 (0,73 Prozent) haben oder durch ein gültiges externes Rating einer anerkannten Ratingagentur mindestens eine Note im Investmentbereich zeigen. „Die Bilanzanalyse ist für viele Unternehmen die höchste Hürde. Wenn jemand auf dem Weg zu Crefozert scheitert, dann meist an dieser Stelle“, beobachtet Alexandra Ulbrich.

    Stimmen dagegen Bonitätsindex und Bilanzqualität, befragt Creditreform das Management vor Ort intensiv zur aktuellen Situation sowie zu seinen Zukunftsperspektiven. Dabei geht es beispielsweise um geplante Investitionen oder auch um mögliche Klumpenrisiken im Auftragsbestand. Lassen sich auch hier keine maßgeblichen Bonitätsrisiken erkennen, erhält das Unternehmen die begehrte Auszeichnung. Crefozert gilt jedoch höchstens ein Jahr. Die Kosten der Zertifizierung bewegen sich im niedrigen vierstelligen Bereich.

    Im Geschäft mit Wirtschaftsinformationen gibt es viele Zertifikate und Siegel. Üblicherweise verknüpfen Auskunfteien die Vergabe jedoch nur an ein einziges Kriterium: die Eigenauskunft. Sie initiieren keinen separaten Zertifizierungsprozess, so wie das bei CrefoZert üblich ist. Aber gerade der macht die Auszeichnung wertvoll. „Vor allem junge, noch wenig bekannte Unternehmen können mit der bescheinigten guten Bonität ihre Position gegenüber Kunden oder auch bei Ausschreibungen verbessern“, betont Ulbrich. Die Zertifizierung wird zudem in die Creditreform-Auskunft aufgenommen. So erhalten Geschäftspartner bereits beim Abruf einer Auskunft den Hinweis auf die außergewöhnlich gute Bonität.

    Positive Außenwirkung

    Von noch größerem Wert ist Crefozert jedoch, wenn die Unternehmen die Auszeichnung auf mehreren von ihnen bespielten Kommunikationsplattformen einsetzen. Zum Beispiel auf der eigenen Website, auf Geschäftspapieren, im Jahresabschluss oder in der E-Mail-Signatur. Borussia Mönchengladbach meldete den Erhalt des Siegels auf der Homepage und ließ den vereinseigenen Fernsehkanal Fohlen-TV bei der ersten Zertifizierung einen kleinen Film drehen. „Auf einen Vermerk im Briefkopf haben wir verzichtet“, berichtet Plum. Er öffnet eine Schublade seines Schreibtischs, zückt einen Briefbogen, zeigt auf die dort aufgelisteten sportlichen Erfolge und schmunzelt: „Wir haben zu viele Titel gewonnen. Da ist einfach kein Platz mehr.“


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