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Versicherung 2.0: Digitale Transformation in der Versicherungsbranche: Versicherungsobjekte (2/4)

Versicherungsobjekte

Die Stadt von morgen existiert schon heute. Innovationen wie selbstfahrende Autos, Smart-Home-Geräte und Drohnen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit unter ihren Anwendern und gehören längst nicht nur einer Zukunftsvision an. Solche Innovationen eröffnen für die Versicherungsbranche großes Zukunftspotenzial. Wie verändert die Digitalisierung die Beschaffenheit vom Angebot in der Versicherungsbranche? Im folgenden Text beleuchte ich die Angebotsseite der Assekuranz.

Neue Risiken schaffen neue Versicherungslösungen
Neue Technologien schaffen neue Risiken, und somit eröffnen sich weitere Märkte für neue Versicherungslösungen. Laut einem Bericht von PwC wird der globale Markt für das Geschäft mit der Drohnentechnologie etwa auf über 127 Milliarden Dollar geschätzt. Einerseits profitiert die Assekuranz von der Drohnentechnologie durch die hohe Anzahl an Nutzern und der gesetzlich mit einhergehenden Haftpflichtversicherung und etlichen Zusatzversicherungen, die diese neue Technologie schützen. Andererseits bieten Drohnen auch Anwendungsmöglichkeiten für versicherungsspezifische Zwecke, etwa in der Schadensabwicklung, um an schwer zugänglichen Orten Foto- und Filmaufnahmen zu machen.

Ein weiteres Beispiel für ein neues, im Zuge der Digitalisierung entstandenes Versicherungsobjekt ist die virtuelle Währung Bitcoin. Bitcoins bieten für die Assekuranz einerseits im Schadens- als auch im Vertragsmanagement neue Chancen. Beispielsweise könnte man in der Zukunft die Bearbeitungszeit und Transaktionskosten von Anleihen durch sogenannte „Smart Contracts“ erheblich sinken. Auch die den Bitcoins zugrunde liegende Blockchain-Technologie eröffnen neue Chancen für die Branche, wie die Blockchain-Initiative B3i aufzeigt. Auf diesem Weg wollen sämtliche Versicherer und Rückversicherer das Potenzial dieser Technologie nutzen, um digitale Verträge und Transaktionen sicher, transparent und nachprüfbar auszuführen und so den Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand zu verringern.

Aber die potenzielle Cash Cow der Zukunft von Versicherern, die den notwendigen Digitalisierungsgrad mitbringen, ergibt sich durch Cyberrisiken. Auch die Kriminalität ist in den vergangenen Jahren innovativer, flexibler und vor allem digitaler geworden. Was bedeutet das nun für die Assekuranz? Laut der neuen Studie von KPMG „Neues Denken, neues Handeln – Versicherungen im Zeitalter von Digitalisierung und Cyber“ soll sogar das Geschäft der Kfz-Versicherungen von dem der Cyber-Versicherungen überholt werden. Immer mehr Versicherungen bieten eine Absicherung für digitale Vermögenswerte und Cyber-Risiken an. Kein Wunder, steigt doch die Bedrohung kontinuierlich.

 

Bestehende, sich verändernde Risiken
Auch bestehende Risiken haben sich im Zuge der Digitalisierung verändert, sogar im global vernetzten und äußerst komplexen Bereich des Supply Chain Managements. Die Supply-Chain-Versicherung des Zurich-Konzerns bietet nun eine Versicherung gegen Schäden, die aus der Unterbrechung der Lieferkette entstehen. Nun fragen Sie sich bestimmt, wie eine Versicherung solch ein großes Risiko auf sich nehmen kann? An dieser Stelle kommt wieder das Thema Digitalisierung ins Spiel – Stichwort: Smarte Sensoren. Versicherungen können diese vor allem an den Orten einsetzen, wo eine durchgehende Überwachung durch Mitarbeiter nicht möglich ist. Etwa zum Schutz von Industrieanlagen, die bei der Versicherung im Falle eines Wasserschadens einen Alarm auslösen. Dadurch können Schäden sogar vermieden werden, bevor sie entstehen.

Ein weiteres Beispiel für ein bestehendes Risiko, welches ein Umdenken in der Assekuranz erfordert, betrifft die Automobilbranche. Innovationen in der Autoindustrie, wie das Autonome Fahren, erfordern neue Versicherungslösungen für den Konsumenten. Denn auch beim autonomen Fahren muss die Haftungsfrage im Falle eines Unfalls geklärt werden: wer hat nun versagt, der Mensch oder die Maschine? Obwohl die meisten Kollisionen auf menschliche Fehler zurückzuführen sind, sollte nicht ausgeschlossen werden, dass auch Maschinen fehlerhaft reagieren können. Unabhängig davon, ob der Fahrer falsch reagiert oder die Technik versagt hat, das Haftungssystem wird auch in der Zukunft erhalten bleiben, um unschuldige Verkehrsopfer zu schützen.

Ein weiteres bestehendes Risiko der Versicherungswirtschaft, welches eine Änderung im Zuge der Digitalisierung erlebt, betrifft die Nutzung von Daten. Daten sind das neue Gold von Versicherern. Mit Hilfe von Advanced Analytics können Versicherungen tiefe Einblicke in die Bedürfnisse und Präferenzen ihrer Kunden gewinnen und diese besser einschätzen. Beispielsweise werden bereits von Krankenversicherern „Health Apps“ eingesetzt, um Gesundheit- und Fitnessdaten ihrer Kunden zu sammeln. Betreibt der Kunde viel Sport, wird er von der Versicherung mit einer günstigeren Prämie belohnt. Nun stellt sich aber die Frage: verursacht eine sportliche Person tatsächlich geringere Kosten und rechtfertigt so eine geringere Prämie?

 

Implikationen für die Versicherungsbranche
Die oben genannten Beispiele zeigen auf, wie Versicherungen den Einfluss der Digitalisierung auf die bisherigen Bereiche erfolgreich eingeordnet und daraus neuartige und flexible Versicherungsmodelle abgeleitet haben. Wichtig ist hierbei vor allem zu erkennen, welche Innovation zur Unternehmensstrategie passt. Die Technologien können zwar neue Risiken schaffen, aber auch dafür eingesetzt werden, ihre Komplexität zu reduzieren. Mit der Blackbox im Auto hat die Versicherungsbranche etwa einen innovativen Weg gefunden, das Fahrverhalten junger Autofahrer zu überwachen. Diese erhalten im Gegenzug nicht nur eine günstigere Prämie für ihre Kfz-Versicherung, sondern auch laufend Rückmeldung zu ihrem Fahrverhalten. Das Ergebnis: sie fahren sicherer.

Neue Technologien eröffnen für die Versicherungsbranche viele neue Chancen auf der Angebotsseite. Einige dieser Innovationen befinden sich schon heute im Einsatz und haben bereits strukturelle Veränderungen in der Versicherungsbranche hervorgebracht. Die größte Herausforderung für die Assekuranz liegt darin, auf die verändernden Bedürfnisse der Kunden flexibel zu reagieren. Um diese Kundenbedürfnisse rechtzeitig zu adressieren, müssen vor allem neue Themen und Interessenfelder im Blickfeld bewahrt werden, wie das Beispiel der Drohnenversicherung zeigt. Zudem müssen Versicherungen den Markt ständig beobachten, um eben genau solche neuen Risiken zu identifizieren und allfällige neue Produkte zu lancieren. Der Versicherer muss also wesentlich direkter und schneller werden, was eine zentrale Herausforderung für die Organisation darstellt, wie ich im letzten Teil dieser Artikelreihe beleuchten werde.

All die oben genannten Beispiele haben demonstriert, wie vielfältig und facettenreich die Themen und Chancen sind, die die Digitalisierung hervorgebracht hat – und das alles innerhalb von nur wenigen Jahren. Es gilt also, diese Chance zu nutzen. Im nächsten Beitrag halte ich fest, welche Veränderungen durch den digitalen Wandel auf der Nachfrageseite entstehen und wie Versicherungen auf diese eingehen können. Bis es soweit ist, freue ich mich auf Ihre Meinung und Erfahrungen zum Thema Digitaler Wandel im Versicherungswesen.

 


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