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» Folsäure – das Mangelvitamin «

Offiziell – so will es uns zumindest die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) glauben machen – haben wir von allen Vitaminen genug. Auch der „Spiegel“ titelt: „Die Vitaminlüge“ – und hält jegliche Vitaminsubstitution für überflüssig, rausgeschmissenes Geld oder sogar gefährlich. Zitiert werden dann Studien, die meist gleich auf beiden Beinen hinken. Aber was fehlt den meisten von uns nun tatsächlich? 

Wer wie ich jeden Tag Substanzen im Blut seiner Patienten misst, kann sich sein eigenes Bild von der Vitaminversorgung machen. Meine Erkenntnis: Folsäure steht gemeinsam mit dem Vitamin D auf der roten Liste der bedrohten Vitamine. Meist mit sehr unangenehmen Folgen, wie das folgende Beispiel zeigt: An der McGill University in Kanada wurden Studenten ohne ihr Wissen drei Wochen lang bewusst folsäurearm ernährt. Sie wurden nervös, reizbar und immer weniger belastbar. Ferner empfanden sie ihren Stresspegel in dieser Zeit als extrem hoch. Wurde ihnen wieder Folsäure zugegeben, war der Spuk nach nur zwei Tagen vorbei.

Nationale Unterschiede

In den USA wird die Folsäure per Gesetz jedem Mehl beigemischt. Bei uns nicht. Folglich belegt die Folsäure in der Nationalen Verzehrstudie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz den letzten Platz. Gerade Kinder und ältere Menschen weisen oft eklatante Mangelzustände auf.

Folsäure in der Nahrung ist leider sehr licht- und hitzeempfindlich und wird schon bei niedrigen Temperaturen zerstört. Fehlt einer Schwangeren Folsäure, dann kommt es beim Kind oft zu einer „gespaltenen Wirbelsäule“, der Spina bifida. Wenn der Frauenarzt während der Schwangerschaft keine Folsäure verordnet hat und das Kind mit dieser Missbildung zur Welt kommt, gilt das sogar als justiziabler Kunstfehler. Aber nicht nur Schwangere gieren nach Folsäure. Für das gesunde Zellwachstum, zur Bildung der roten und weißen Blutkörperchen und besonders für den Aminosäuren-Stoffwechsel, sprich Eiweißaufbau, wird immer viel Folsäure benötigt. Außerdem gilt ein Mangel als Risikofaktor für die Gefäßverkalkung, da Folsäure gemeinsam mit anderen Vitaminen aus dem B-Komplex das gefährliche Homocystein abbaut.

Wo gibt es immer das schlechteste Essen? In Kitas, Schulen, Krankenhäusern und in Altenheimen. Dort bekommt man meist reine Nahrungsmittel – aber keine Lebensmittel. Nahrungsmittel machen zwar satt, aber nicht gesund. Nur Lebensmittel können satt und gesund machen, weil sie noch genügend von den wichtigen Stoffen liefern, die wir zum Leben brauchen. Je frischer das Essen, desto mehr essentielle Inhaltsstoffe bleiben erhalten. Durch längere Zubereitung verkocht das Lebensmittel zum Nahrungsmittel.

Dem eigenen Gefühl vertrauen

Wissen Sie, was der beste Folsäurespender wäre? Rohe (Kalbs-)Leber, gefolgt von Eigelb und Blattgemüse. Selbstverständlich ist rohe Leber nicht jedermanns Sache. Aber mir berichten immer wieder Patienten, dass sie als Kinder gerne ein Stück rohe Leber gegessen hätten – was ihnen dann aber meist von der Mutter verboten wurde. Der Grund für diese Anwandlung: Kinder verfügen über eine körpereigene Intelligenz und fühlen sich intuitiv von solchen Lebensmitteln angezogen, die die im Körper bestehenden Defizite am besten ausgleichen können. Je mehr man sitzt, desto eher schläft diese sogenannte somatische Intelligenz leider ein.

Fazit: Wer es nicht schafft, täglich größere Mengen folsäurespendender Lebensmittel zu verzehren, sollte Folsäure am besten in einem Komplex mit den anderen B-Vitaminen zu sich nehmen. Kombinationspräparate sind den Einzelpräparaten weit überlegen, da sich die Wirkungen potenzieren. In der Natur kommen schließlich auch keine isolierten Vitamine vor. Zusätzlich werde ich nicht müde, daran zu erinnern, dass wir in der dunkleren Jahreszeit keine Möglichkeit haben, durch Sonneneinstrahlung genügend Vitamin D zu produzieren. Dann muss Vitamin D von außen (Lebertran) oder als Kapsel zugeführt werden – mindestens 3.000 internationale Einheiten (I. U.) am Tag.

Zur Person
Dr. Michael Spitzbart ist Arzt sowie Sachbuchautor und leitet ein Zentrum für ursachenbezogene Diagnostik und Therapie.


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