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Das Lego-Prinzip

Mit Baukästen erstellen Firmen die eigene Webseite grafisch ansprechend und personalisiert – und das schnell und günstig. Aber die Systeme bringen nicht nur Vorteile mit sich. Ein Marktüberblick.

Als die Hamburger Craft-Bier-Brauerei Hopper Bräu vor zwei Jahren gegründet wurde, war klar: Eine Homepage musste her, um die Bierspezialitäten und aromatischen Biere auch online zu zeigen. „Das wäre ja sonst so, als hätte man keinen Briefkasten am Haus“, sagt Mitgründer Lars Großkurth.

Doch wer sollte die Seite erstellen? „Professionelle Agenturen haben uns ihre Dienste für 3.000 bis 4.000 Euro angeboten“, erinnert sich Großkurth. Ein Problem, schließlich verkaufte das Startup zu diesem Zeitpunkt noch nichts, hatte also keine Einnahmen. Großkurth und seine Mitgründer Tim Becker und Sascha Bruns scheuten deshalb die Investition.
Dennoch fanden die drei Jungunternehmer eine Lösung: ein Homepage-System, das wie ein Baukasten aus einzelnen Modulen aufgebaut ist. Großkurth wählte den Anbieter Jimdo aus und hatte die Seite „in drei bis vier Stunden“ gebastelt. Als nach eigenen Angaben „normal begabter Computernutzer“ fand Großkurth das Programm „sehr intuitiv: Man kann das fix lernen und die eigenen Inhalte unkompliziert adaptieren“. Um das Projekt Homepage komplett zu budgetieren, muss man allerdings noch die Vorarbeit des Teams berücksichtigen: Sich ein Konzept zu überlegen, Fotos zu besorgen und Texte zu schreiben, nahm wesentlich mehr Zeit in Anspruch. Diese Arbeit wäre aber auch zum Teil angefallen, wenn sich Hopper Bräu eine Agentur geleistet hätte. Plus Briefings und Meetings, die ebenfalls Zeit gekostet hätten.

Mit der Firma online zu gehen, scheint also ganz einfach zu sein. Dennoch haben viele kleine und mittelgroße Firmen Nachholbedarf: Ein Viertel gab bei einer Umfrage der Internet-Beratung 7leads an, keine Webseite zu besitzen. Dabei ist 93 Prozent der Interviewten klar, dass eine Online-Präsenz wichtig ist – etwa, um neue Kunden zu gewinnen. Die höchste Hürde auf dem Weg ins Web sind nach wie vor die Kosten: Im Schnitt geben die Firmen dafür 3.355 Euro aus.

Vorausschauende Auswahl treffen

Deutlich günstiger geht es mit Homepage-Baukästen. Den Anbietern zahlt die Firma nur eine monatliche Gebühr, dafür muss sie die Seite selbst erstellen. Technisches Vorwissen ist zumeist nicht notwendig: Die Programme arbeiten mit Vorlagen und Modulen, die mit ein paar Klicks angepasst werden können. Dutzende Design-Vorlagen für unterschiedliche Branchen stehen zur Verfügung. Sie werden Schritt für Schritt personalisiert. „Kleine und mittelgroße Firmen haben oft den Wunsch, sich digital gut zu positionieren, in vielen Fällen aber nicht ausreichend Know-how oder Personal vor Ort, um diesem Wunsch gerecht zu werden“, beschreibt Björn Tantau, Experte für digitale Marketingthemen, den typischen Baukasten-Nutzer. Seine Erfahrung: Ein Homepage-Baukasten könne definitiv sinnvoll sein, wenn er sich leicht bedienen lasse und eine Bandbreite an Funktionen mitbringe. Diese müssen nicht alle von Beginn an genutzt werden. Aber mit wachsendem Geschäft steigen meist auch die Ansprüche der Unternehmen an ihren Web-Auftritt, beispielsweise wenn nach ein paar Monaten ein Shopsystem oder eine Recruiting-Seite ergänzt werden soll.

Den Markt für deutschsprachige Homepage-Baukästen beherrschen derzeit gerade mal eine Handvoll Anbieter: Die deutschen Dienste Jimdo, Strato sowie 1 & 1 gehören genauso dazu wie zum Beispiel der US-Service Wix und das britische Weebly. Zu ihren Standardofferten gehören das eigentliche Baukastensystem und der dazu notwendige Online-Speicherplatz. Bei den meisten Diensten ist eine Domain enthalten, ebenso eine E-Mail-Adresse. Ein Shop-Modul lassen sich die Dienstleister extra bezahlen. Ein Blick auf die Details zeigt schnell: Die Unterschiede im Leistungsumfang variieren von Anbieter zu Anbieter sehr stark. Experte Tantau rät deshalb: „Achten Sie zum Beispiel auf die Erreichbarkeit des Supports und überlegen Sie sich im Vorfeld, ob Sie später beispielsweise einen Shop integrieren wollen.“

Die Vor- und Nachteile der Baukästen

Die Vorteile eines solchen Baukastensystems liegen für den Marketingexperten auf der Hand. Neben den geringen Kosten ist die eigene Unabhängigkeit ein großes Plus. „Wer seine Homepage selbst baut und sich dauerhaft damit beschäftigt, kann auch selbst schnell Änderungen vornehmen. Bei der Beauftragung einer Agentur kann sich das schon mal ziehen“, so Tantau.

Aber es gibt auch Nachteile. So haben die Baukästen laut Tantau in der Regel nicht alle Funktionen für professionelle Suchmaschinenoptimierung (SEO) an Bord. Grundlegende Funktionen seien zwar meist integriert – sollen es aber Profi-Features sein, müssen die Unternehmen ein Upgrade buchen. Der IT-Marketingexperte fügt aber hinzu: Der technische Aspekt sei nur eine Seite der Medaille. Denn SEO ist heute sehr stark von den Inhalten abhängig. Tantau erklärt: „Wer auf seiner Homepage langweilige und kurze Texte präsentiert, die nicht optimiert sind, wird damit keinen Erfolg haben, selbst beim massiven Einsatz des kompletten Arsenals an SEO-Techniken.“

» Die eigenen Inhalte können unkompliziert adaptiert werden. «
Lars Großkurth, Hopper Bräu

Ein weiterer Nachteil betrifft den doch recht beschränkten Funktionsumfang der meisten Baukästen: „Auch die besten Modulsysteme können nicht bieten, was ein professioneller Webmaster zum Beispiel mit einer Seite auf Basis von WordPress leisten kann.“ Hier hilft nur Weitblick. Denn ein späterer Wechsel von einem Modulsystem zu beispielsweise WordPress, ist nämlich gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Tantau: „Die Struktur der Webseite lässt sich nicht ohne Weiteres auf ein neues System übertragen.“ Zudem gehen dem Unternehmen beim Online-Umzug auch Rankings bei Google verloren.

Hopper Bräu hat es bisher nicht bereut, die Webseite über ein Baukasten-System erstellt zu haben. Die Gründer schätzen die Flexibilität des modularen Aufbaus: Über eine externe Schnittstelle binden sie etwa aktuelle Veranstaltungen wie Braukurse auf ihrer Webseite ein. Auch Besichtigungstermine der Brauerei können so angezeigt werden. Gründer Großkurth erzählt stolz: „Viele Besucher sagen uns: Eure Webseite sieht aus, als hätte sie eine Agentur gemacht.“


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