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Kurz erklärt: Krankmeldung

Erkältung, Magen-Darm-Infekt und Grippe – in der kalten Jahreszeit lichten sich die Reihen der Mitarbeiter in den Unternehmen. Verständlicherweise lautet der erste Gedanke oft: Ab ins Bett, und zwar sofort. Aber um die unverzügliche Nachricht an den Chef kommt niemand herum. Was Arbeitgeber darüber hinaus von ihren Mitarbeitern verlangen dürfen – und wie es um ihre eigenen Pflichten bestellt ist. 

1. Krankmelden

Bleibt ein Mitarbeiter der Arbeit krankheitsbedingt fern, muss er seinen Chef so schnell wie möglich benachrichtigen – auch, wenn er sich im Urlaub befindet. Nicht nur das: Er muss zudem angeben, wann er voraussichtlich wieder arbeiten kann.

2. Krankschreiben

In den meisten Unternehmen muss ab dem vierten Fehltag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vom Arzt auf dem Tisch des Personalers liegen. Dabei tickt die Uhr auch am Wochenende: Wer freitags krank wird, muss das Attest montags beibringen. Verlangen kann es der Arbeitgeber ohnehin früher: Wenn keine Regelung im Arbeitsvertrag steht oder sich der Chef diese Möglichkeit explizit offengehalten hat, kann er ab dem ersten Fehltag darauf bestehen.

3. Lohn weiter bezahlen

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, einem kranken Arbeitnehmer sechs Wochen lang den vollen Lohn zu zahlen. Danach springt bei gesetzlich versicherten Arbeitnehmern die Krankenkasse ein und zahlt bis zu 78 Wochen lang 70 Prozent des Bruttogehalts – allerdings nur bis zur Höchstgrenze von 101,50 Euro pro Tag. Wer einen neuen Job antritt und in den ersten vier Wochen erkrankt, bekommt von seinem Arbeitgeber keine Entgeltfortzahlung, es sei denn, ein Tarifvertrag schreibt etwas anderes vor. Gesetzlich krankenversicherte Mitarbeiter, die mindestens einen Tag in der Firma gearbeitet haben, erhalten stattdessen Krankengeld von der Krankenkasse.

4. Krank arbeiten

Auch wenn die Aufgaben eines Mitarbeiters noch so dringend erscheinen – niemand darf gedrängt werden, krank zu arbeiten. Andererseits kann ein krankgeschriebener Mitarbeiter jederzeit freiwillig zur Arbeit erscheinen, wenn er sich wieder fit fühlt. Falls der Arbeitgeber allerdings an dessen Genesung zweifelt, muss er ihn wieder nach Hause schicken (Stichwort: Fürsorgepflicht). Übrigens ist eine AU kein Freifahrtschein fürs Daheimbleiben: „Sollte ein Mitarbeiter vor Ablauf einer Krankschreibung wieder gesund sein, muss er arbeiten gehen“, sagt Henning Timm, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Münchner Kanzlei Altenburg.

5. Gesund werden

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, alles zu tun, um schnell wieder gesund zu werden. Zwar muss er nicht den ganzen Tag im Bett oder zu Hause bleiben. Anstrengende Arbeiten sind aber tabu: „Kann der Arbeitgeber nachweisen, dass ein vermeintlich kranker Mitarbeiter seine Küche tapeziert, ein Gartenhäuschen baut oder sogar einer bezahlten Nebentätigkeit nachgeht, kann er ihn unter Umständen abmahnen oder feuern“, sagt Fachanwalt Timm. So billigte etwa das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz die außerordentliche Kündigung eines Masseurs: Der Mann, der wegen Herz-Kreislauf-Problemen krankgeschrieben war, wurde dabei erwischt, wie er das Haus seiner Tochter renovierte (Az.: 10 Sa 100/13).


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