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Ab in die Wolken

IT-Aufgaben und Infrastruktur an einen externen Cloud-Dienstleister auslagern? Viele kleine und mittlere Unternehmen tun sich schwer damit. Die wichtigsten Kriterien bei der Anbieter-Suche.

KPMG findet klare Worte: Kleine und mittlere Unternehmen verschlafen den Übergang zur Public Cloud, also zu Cloud-Lösungen externer Anbieter, heißt es im Cloud Monitor 2017, einer Studie der Unternehmensberatung. Doch die Wahl eines Anbieters ist nicht ganz leicht. Egal, ob allein oder mit Unterstützung eines IT-Dienstleisters: Firmen müssen definieren, was sie brauchen – und zwar mit Blick auf folgende Kriterien:

Verfügbarkeit: Entscheidend ist die Frage, um welche Cloud-­Dienstleistung es geht. Daraus ergibt sich, wie wichtig das Kriterium Verfügbarkeit ist. „Wird zum Beispiel ein ganzer Produktionsprozess in die Cloud ausgelagert und die Fertigung erfolgt rund um die Uhr, wird ein hochverfügbarer, fehlertoleranter Cloud-Service benötigt. Dies kann nur ein Anbieter sicherstellen, der den Service über mehrere Standorte und Rechenzentren betreibt“, sagt Thomas Schulze, Geschäftsführer des IT-Beratungsunternehmens Codemonauts.

Verbindung: Ein Anlagenbauer, der seinen kompletten Engineering-Prozess in die Cloud auslagern will, benötigt eine hohe Bandbreite. „Hier gilt es nicht nur zu klären, ob der Cloud-Anbieter diese zur Verfügung stellen kann, sondern auch, ob am ­Unternehmensstandort entsprechende Netze vorhanden sind“, sagt Ralf Stohldreier, Leiter der Praxisgruppe IT beim Interim-Management-Anbieter Atreus.

Standorte: Ebenso sind geopolitische Überlegungen relevant. „Sollen personenbezogene Daten außerhalb der EU gespeichert werden, kann das bedeuten, dass Unternehmen eine Einwilligung von den Betroffenen einholen müssen“, sagt Thomas Niessen, Geschäftsführer des Kompetenznetzwerks Trusted Cloud. Für steuerrechtlich relevante Daten kommen aus Com­pliance-Gründen als Speicherorte nur Deutschland und die EU infrage. Auch Emotionen spielten eine Rolle, sagt Miroslav Pikus, Cloud-Experte bei der Deutschen Telekom: „Kunden bevorzugen oft einen Standort in ihrem Heimatland.“

Kundendienst: Der Standort spielt auch beim Service eine Rolle. „Bei einem deutschen Anbieter ist grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass die Servicemitarbeiter Deutsch sprechen“, sagt Atreus-Experte Stohldreier. Weitere wichtige Fragen: Braucht das Unternehmen einen 24 Stunden Support und was kostet dieser? Wie lange braucht er, um eine Anfrage zu bearbeiten? Um Punkte wie Verfügbarkeit, Verbindung und Service zu prüfen, eignet sich ein Testlauf.

Sicherheit: Innerhalb der Cloud sind Unternehmen selbst für Sicherheitsfragen wie Updates oder Ähnliches zuständig – der Anbieter muss nur für die Sicherheit seiner Cloud-Dienste an sich sorgen. Bei Ausfällen können sogenannte Disaster Recovery (DR) Setups helfen – ein Set aus Maßnahmen, die dafür sorgen, dass wichtige Daten und Prozesse weiterlaufen beziehungsweise nicht verloren gehen. „Unternehmen sollten darüber nachdenken, welche Auswirkungen eine Ausfallzeit auf ihr Geschäft haben würde“, rät Telekom-Experte Pikus. Cloud-Anbieter stellten oftmals entsprechende kostenpflichtige Services bereit, etwa das Hinterlegen einer Sicherheitskopie. „DR-Lösungen werden zunehmend bezahlbar. Aber nicht jedes Unternehmen braucht sie“, sagt Pikus.

Größe: Atreus-Experte Stohldreier rät zu einem Cloud-Anbieter auf Augenhöhe: „Ich empfehle kleinen und mittleren Unternehmen, sich an mittelständische Anbieter zu wenden. Sie sind eher mit ihren Prozessen und ihrer Sprache vertraut.“ Codemonauts-Geschäftsführer Schulze sieht aber auch Vorteile bei den Branchenriesen: „Große Anbieter können im Zweifel eine bessere Verfügbarkeit gewährleisten.“ Außerdem entwickelten Player wie Amazon, Microsoft oder Google eher neue technische Möglichkeiten und setzten diese schneller um.

Vertrag: Die genannten Punkte sollten möglichst genau im Vertrag zu finden sein. So genannte Service Level Agreements regeln, wie die Hilfestellungen der Anbieter ausfallen – zum Beispiel zu welchen Preisen und innerhalb welcher Reaktionszeiten. Ganz wichtig: der Blick ins Kleingedruckte. Manche Verträge enthielten etwa auf den hinteren Seiten Passagen, wo eine geringere als eine hundertprozentige Verfügbarkeit zugesagt wird, warnt Atreus-Experte Stohldreier. Laut Trusted-Cloud-Geschäftsführer Niessen gehören auch der Rechtsstandort sowie Fragen zum Ende der Geschäftsbeziehung in den Vertrag: Was passiert bei einem Anbieterwechsel oder bei dessen Insolvenz? „Für beide Fälle muss feststehen, was mit den Daten geschieht und welche Unterstützung der Kunde bei ihrer Rückführung erhält.“

Cloud-Dienste lassen sich in drei Ebenen aufteilen:

  1. Infrastructure as a Service (IaaS): Leistungen der IT-Infrastruktur – etwa Rechnerkapazitäten, Netzwerke und Speicherplatz sowie dazugehörige Dienstleistungen wie Wartung.
  1. Platform as a Service (PaaS): eine Umgebung für eine eigene Software. Ein selbst programmiertes Warenwirtschafts-system etwa könnte in der Cloud laufen.
  1. Software as a Service (SaaS): Anwendungssoftware – zum Beispiel ein Textverarbeitungsprogramm – wird als Service aus der Cloud zur Verfügung gestellt.

Es gibt folgende Organisationsformen:

  1. Private Cloud: eine Cloud, die vom Unternehmen selbst betrieben wird.
  2. Public Cloud: eine Cloud, die von einem Dienstleister betrieben wird.
  3. Hybrid Cloud: eine Kombination aus beidem, miteinander verbunden per Standleitung oder übers Internet.

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